Das sanierte Hirschtor ist hübsch anzusehen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die Regeneinläufe auf der Seite zum Tiergarten nach wie vor kaputt sind. Und von ihnen dürfte eine Unfallgefahr ausgehen.
Das sanierte Hirschtor ist hübsch anzusehen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die Regeneinläufe auf der Seite zum Tiergarten nach wie vor kaputt sind. Und von ihnen dürfte eine Unfallgefahr ausgehen. Marlies Steffen
Schön kaputt und niemand will sie reparieren: die Regeneinläufe am Hirschtor.
Schön kaputt und niemand will sie reparieren: die Regeneinläufe am Hirschtor. Marlies Steffen
Neustrelitzer Hirschtor

Frisch aufgemotzt und trotzdem mürbe

Das Hirschtor am Neustrelitzer Schlossberg ist schon länger saniert - allerdings nicht komplett. Nun scheint sich ein Kompetenzgerangel anzubahnen. Und dies womöglich auf Kosten der Sicherheit.
Neustrelitz

Oben hui und unten pfui: Was zu Großmutters Zeiten für all jene Mitmenschen galt, denen der Makel des irgendwo schmuddelig Gebliebenen anhaftete, trifft gerade auch für das denkmalgeschützte Hirschtor am Rande des Neustrelitzer Schlossbergs zu. Der Anlage fehlt das gewisse Etwas - das Etwas des komplett sanierten Bauwerks. Oben ist es schick und elegant und unten regiert der Gammel.

Das Tor wird demnach sogar etwas mit Ludwig van Beethovens 10. Sinfonie gemeinsam haben: Es bleibt unvollendet, weil sich Stadt und Land nicht darüber einig werden, wer die baulichen Anlagen auf dem Boden saniert. Kompetenzgerangel kann man dies auch nennen.  Wir erinnern uns: Das imposante knapp 190 Jahre alte Bauwerk mit den Geweihträgern auf den hohen Sockeln und den vergoldeten Spitzen in den Toren wurde im vergangenen Jahr nach aufwendiger Sanierung wieder der Öffentlichkeit übergeben. Bei der Übergabe stellte sich für die Stadt offenbar überraschend heraus, dass da doch etwas fehlt. Die ebenerdigen Anlagen des Hirschtors hatte das Land bei der Sanierung nämlich ausgespart. Dort bröckelt und rostet es nach wie vor, was das Zeug hält. Und falls die verbogenen Gitter auf den Regeneinläufen mal wieder verrutscht sind, stellt das Ganze auch eine Gefahrenquelle dar.

Keiner fühlt sich verantwortlich

Für das Land war die Angelegenheit indessen offenbar schon mit der Übergabe des Hirschtors erledigt. Es hat seine sicher lobenswerte Pflicht getan, vertritt aber auch einen eindeutigen Standpunkt: Das Grundstück um das Hirschtor herum gehört der Stadt. Ergo sahen und sehen sich die Entscheidungsträger aus Schwerin auch nur für die "Hochbauten", wie die Sockel und die Tore zuständig. Der Rest ist Part der Stadt. So sollen Regeneinläufe und Bodenplatten in städtischer Verantwortung erneuert werden. Und aus dem Neustrelitzer Haushalt müsste auch die Finanzierung gestemmt werden. Doch im Haushalt für dieses Jahr wurden keine Gelder für ein solches Vorhaben angemeldet, bestätigte Rathaussprecherin Petra Ludewig dem Nordkurier. Die Stadt sieht sich offenbar hier nicht in der Verantwortung.

Aber auch beim Land bleibt man bei seiner Auffassung. "Für das Grundstück um das Hirschtor sind wir nicht zuständig", bekräftigt Christian Hoffmann, Pressesprecher beim Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Für die Neustrelitzer und ihre Gäste dürfte das Kompetenzgerangel schwer nachvollziehbar sein. Haben die meisten die auch nach der Sanierung auf den Sockeln verbliebenen schwarzen Flecken noch geschluckt - hier hatte der BBL erklärt, dass die Beseitigung der Flecken nicht Bestandteil der Sanierungsauftrags gewesen seien. Nun aber könnten Menschen zu Schaden kommen. Das dürfte auch Hirschtor-Schöpfer Christian Daniel Rauch nicht gewollt haben. Zwar blicken die beiden Hirsche auf den Sockeln in die vom Tiergarten abgewandte Richtung und zum Zierker See. Das bedeutet aber garantiert nicht, dass über die Angelegenheit hinwegzusehen ist.

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