IST LANDWIRTSCHAFT SCHULD?

Hohe Nitratwerte in Brunnenwasser der Seenplatte gefunden

Ein Verein hat Strelitzer Brunnenwasser unter die Lupe genommen. Nach der Meldung erster positiver Ergebnisse wird nun von bedenklichen Proben gesprochen.
Am Labormobil informiert Harald Gülzow Brunnennutzer über die Zusammensetzung ihres Wassers.
Am Labormobil informiert Harald Gülzow Brunnennutzer über die Zusammensetzung ihres Wassers. Gerhard Seybert
Neustrelitz ·

Der Verein VSR-Gewässerschutz musste Bürgern aus der Region Neustrelitz, Wesenberg und Mirow mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Anfang Juli hatte das Labormobil des Umweltvereins in Neustrelitz Station gemacht und Brunnenwasserproben von Strelitzern eingesammelt. Nachdem vor drei Wochen erste Ergebnisse mitgeteilt wurden, wonach der Großteil des getesteten Brunnenwassers etwa fürs Planschbecken unbedenklich sei, lässt der Verein nun doch die Alarmglocken schrillen. Es seien eben auch besorgniserregende Nitratbelastungen in einzelnen Proben festgestellt worden.

„Legt man das politische Ziel der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter zugrunde, so ist festzustellen, dass wir zu viele und teils erhebliche Grenzwertüberschreitungen dabei hatten“, erklärt Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz. Insgesamt wurde das Wasser von 59 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Neustrelitz, Mirow und Wesenberg analysiert. Jeder zehnte Brunnenbesitzer habe erfahren müssen, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist. So fanden die Fachleute 123 Milligramm Nitrat pro Liter in einer Probe aus Neustrelitz. Es folgen Wasserproben aus Herzwolde mit 121 mg/l, aus Quadenschönfeld und Diemitz mit jeweils 68 mg/l.

Grund für Belastungen sei intensive Landwirtschaft

„Gerade wer sein Gartenhäuschen oder seine Datsche etwas abseits hat, will sein Brunnenwasser gerne auch als Trinkwasser verwenden und ist beim Überschreiten der 50-Milligramm-Grenze natürlich enttäuscht“, erklärt Gülzow. Ärgerlich zudem: das Wasser sei dann auch nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen und zu einem Fischsterben kommen kann.

Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft, heißt es vom VSR-Gewässerschutz. „Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen“, erläutert Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Einkauf beim Landwirt wird immer beliebter

Der Verein rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen. Der direkte Einkauf beim Landwirt werde immer beliebter – die Menschen fahren zum Hofladen, auf den Markt oder lassen sich Lebensmittel nach Hause liefern.

Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann eine Wasserprobe auch mit der Post an die Geschäftsstelle senden. Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation hat auf ihrer Homepage viele Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusammengestellt. Hier findet man auch Informationen wie man den zugeführten Stickstoff durch das Gießwasser ausrechnet.

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Kommentare (2)

Durchfall bekommen! Hört auf zu Düngen auf Teufel komm raus! Ihr vergiftet das Grundwasser mit Nitrat.

Nicht ganz unschuldig sind hier die Konsumenten. Es gibt faktisch einen absoluten Überschuss an Gülle durch Massentierhaltung. Irgendwo muss das Zeug ja "entsorgt" werden. Bis zu einem bestimmten Maß damit zu düngen ist vermutlich unproblematisch, jedoch stehen die Bauern vor dem Problem, dass sie immer größere Mengen lagern müssen. Da man die Jauche nicht ins All schießen kann, wird sie bereits jetzt, so pervers wie es sich anhört, durch halb Europa gekarrt um in Holland, Frankreich etc. auf die Felder gebracht zu werden. Wie soll also die Lösung für das Gülleproblem aussehen? Wir in MV haben da noch Glück. Wenn man sich im Oldenburger Münsterland mal umsieht und dort die Nitratwerte betrachtet kann man gut sehen wo der Trend hingeht. Dort wird bereits Trinkwasser aus verschiedenen Brunnen gemischt, damit die Nitratwerte eingehalten werden. Der Mensch vergiftet sich selbst des Profites wegen. Die Forderung es muss damit Schluss sein ist nachvollziehbar, jedoch was wird getan, damit weniger Gülle entsteht bzw. wie bereit sind Konsumenten und Produzenten ihren Beitrag dazu zu leisten.