FORSCHUNGSZUG

ICE rollt durch die Straßen von Neustrelitz

Ein Forschungszug der Bahn macht am Sonntag einen Abstecher zum Hafen am Zierker See in Neustrelitz. Für den ICE-TD ist es nur ein Zwischenstopp.
Robin Peters Robin Peters
Der 107 Meter lange ICE-TD braucht keine Stromleitungen, um voranzukommen (Symbolbild).
Der 107 Meter lange ICE-TD braucht keine Stromleitungen, um voranzukommen (Symbolbild). Deutsche Bahn/Kai Michael Neuhold
Neustrelitz.

Ein mehr als hundert Meter langer ICE rollt schon bald durch die Straßen von Neustrelitz – genauer gesagt auf den Gleisen der Hafenbahn in der Useriner Straße. Denn vom Neustrelitzer Hauptbahnhof aus fährt der Schnellzug am Sonntagnachmittag am Postfrachtzentrum vorbei bis zum Hafen am Zierker See. „Wir haben schon öfter Reisezüge dorthin geleitet – aber ein moderner ICE war noch nie da“, sagt Frank Brechler, Eisenbahnbetriebsleiter Nord bei Regio Infra Nord-Ost und Vorsitzender des Hafenbahnvereins.

Dabei fährt kein gewöhnlicher Schnellzug in den Hafen ein: Der ICE-TD mit einem grauen Streifen auf der Seite ist ein Forschungszug. Ausgerüstet mit einem diesel-elektrischen Antrieb erreicht dieses „advanced TrainLab“ selbst Strecken fernab der regulären ICE-Reichweite. Das muss der tonnenschwere Koloss auch: Denn mit dem Forschungszug erprobt die Deutsche Bahn neue technische Innovationen, bevor sie auf dem Streckennetz zum Einsatz kommen.

Erprobungsfahrten in der Prignitz geplant

In Neustrelitz legt der ICE-TD der Baureihe 605 nur einen Zwischenstopp ein, bevor er für Erprobungsfahrten in die Prignitz übersetzt. Dort wird laut Frank Brechler unter anderem geprüft, mit welchen Mitteln die Züge auf nassen oder mit Laub bedeckten Schienen besser bremsen können. Dadurch soll künftig längeren Bremszeiten und Verspätungen vorgebeugt werden. Auf ihren eigenen Strecken hat die Deutsche Bahn dafür zu wenig Platz. Deshalb stellt die Regio Infra Nord-Ost der Bahn ihre Schienen zur Verfügung – auf dem betroffenen Streckenabschnitt fährt schließlich fahrplanmäßig kein Triebwagen.

Im Zuge dessen hat die Deutsche Bahn schließlich auch einem Abstecher an den Neustrelitzer Hafen zugestimmt. „Ich habe sofort die Chance genutzt“, sagt Brechler, der neben seiner Position bei Regio Infra Nord-Ost noch den Hafenbahnverein leitet. Möglich wird dies durch die breiten Schienen der Hafenbahn: „Unser Verein wirbt ja immer damit, dass wir die einzige Strecke in M-V besitzen und betreiben, auf der – im Gegensatz zum schmalspurigen Molli in Bad Doberan – auch ein ICE auf der Straße fahren könnte“, so Brechler.

ICE und Museumsbahn stellen sich nebeneinander auf

In der zweigleisigen Zierker Nebenstraße stellen sich der ICE und die Museumsbahn für ein perfektes Fotomotiv sogar nebeneinander auf. Vor der Hafenkulisse reihen sich die Züge schließlich hintereinander. Besucher haben dann die Möglichkeit, einige Räume des Zuges von innen zu betrachten. Dort werden Testszenarien vorgestellt und mit Tafeln über den Einsatz des Forschungszuges informiert. Die umfassende Messtechnik setzt dem Entdecker-Spaß wiederum Grenzen: „Der Zug kann leider keine Reisenden mitnehmen“, so Brechler. Dennoch besteht die Möglichkeit, dem ICE in dem Triebwagen der Hafenbahn hinterherzufahren – allerdings nicht auf Sichtweite. „Das Gleis muss erst frei sein.“

Der Hafenexpress bringt Eisenbahninteressierte an diesem Tag direkt zu dem Ausnahme-Ereignis. Am Sonntag, dem 13. Oktober, um 13.30 Uhr macht sich der Zug vom Neustrelitzer Hauptbahnhof auf zum Hafen. Zwischen 14 und 16 Uhr gleitet dann der ICE durch die Residenzstadt.

 

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