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Im Gedenken an einen Zeitzeugen

Eine Besucherin geht durch den Garten des Hans-Fallada-Museums in Carwitz bei Feldberg, wo der Dichter von 1933 bis 1944 lebte und arbeitete. Der Sohn des Dichters, Ulrich Ditzen, der jetzt verstorben ist, hat dem Haus viel Wissenswertes gebracht. Winfried Wagner/dpa
Eine Besucherin geht durch den Garten des Hans-Fallada-Museums in Carwitz bei Feldberg, wo der Dichter von 1933 bis 1944 lebte und arbeitete. Der Sohn des Dichters, Ulrich Ditzen, der jetzt verstorben ist, hat dem Haus viel Wissenswertes gebracht. Winfried Wagner/dpa
Winfried Wagner/dpa

Ulrich Ditzen, der wichtigste Zeitzeuge des legendären Schriftstellers, ist verstorben. Für alle, die das Andenken des Autors bewundern und bewahren, ist sein Tod ein großer Verlust. Ulrich Ditzen hat viel für das Museum in Carwitz getan.

Ulrich Ditzen, der älteste Sohn des Schriftstellers Hans Fallada (1893–1947), ist 83-jährig in Berlin verstorben – menschlich wie auch literaturhistorisch ein großer Verlust für Familie und Bewunderer Hans Falladas, der mit bürgerlichem Namen Rudolf Ditzen hieß. Ulrich Ditzen war der bedeutendste Zeitzeuge eines der bekannten deutschen Schriftstellers. Beim Aufbau des Hans-Fallada-Museums in seinem Vaterhaus war er ein unersetzlicher Helfer.

„Sein Tod ist ein großer Verlust für alle Fallada-Freunde“, sagt Museumsleiter Stefan Knüppel. „Ulrich Ditzen war eine unschätzbare Hilfe. Er war beratend tätig, gab Hinweise zur Einrichtung der Räume. Ohne ihn wäre das Museum nie so originalgetreu geworden.“ Zudem habe Ditzen wertvolle Einrichtungsgegenstände und viel Geld gesponsert für das Museum in jenem Hause, das Fallada vom Erlös seines Welterfolgs „Kleiner Mann, was nun?“ gekauft und in dem er ein Refugium vor dem Nationalsozialismus gefunden hatte.

„Immer wenn Ulrich Ditzen zu Besuch kam, hat er etwas mitgebracht“, erzählt Knüppel. „Wichtige Dokumente waren Grundlage für eine Familienausstellung. Er hat die Basis für die Wiederherstellung des Esszimmers geschaffen. Erst vor zwei Jahren spendete er eine große Summe, mit der der Originalbestand an Büchern rekonstruiert werden kann.“ Auch als Person werde Ulrich Ditzen fehlen. „Er hat Lesungen gehalten, Veranstaltungen besucht – immer, wenn Uli Ditzen auftauchte, war die Aufmerksamkeit groß. Er war ein Publikumsmagnet.“ 

Ulrich Ditzen hat bis zuletzt am Ort seiner Kindheit gehangen und sich für das Andenken seines Vaters eingesetzt. „Er hat Carwitz als Paradies seiner Kindheit bezeichnet“, sagt sein jüngerer Bruder Achim Ditzen, der dem Ort als Vorstandsmitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft die Treue hält. „Bis zuletzt war ihm und der ganzen Familie Carwitz außerordentlich wichtig. Das Museum hat er von Anfang an unterstützt. Ohne ihn wäre das Museum nicht, wie es heute ist.“ 

Ulrich Ditzen wurde am 14. März 1930 in Berlin geboren und wuchs in Carwitz auf. Er praktizierte lange als Anwalt in Wuppertal und lebte zuletzt wieder in seiner Heimatstadt Berlin. Am Sonnabend, dem 11. Januar, wird er auf dem Carwitzer Dorffriedhof beerdigt. Gäste werden ab 14.30 Uhr im Scheunensaal des Fallada-Museums begrüßt.