Dauer-Hitze

In den Strelitzer Seen stehen die Fische kopf

Wenig Sauerstoff und Badewannentemperatur – das setzt den Tieren enorm zu. Sie mögen das gar nicht und nehmen eine Schonhaltung an.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Fischermeister Dieter Bork in Wesenberg hat noch keine toten Fische entdeckt. Die Fische haben sich inzwischen in die tiefen Bereiche der Seen verkrümelt.  
Fischermeister Dieter Bork in Wesenberg hat noch keine toten Fische entdeckt. Die Fische haben sich inzwischen in die tiefen Bereiche der Seen verkrümelt. Robin Peters
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Neustrelitz.

Auch die Fische in den Gewässern im Strelitzer Land leiden unter der Hitze. Bei Wassertemperaturen zwischen 24 und 28 Grad sinkt der Sauerstoffgehalt, was für die Fische sehr gefährlich ist. Zu massenhaftem Fischsterben wie etwa in Hamburg ist es im Raum Neustrelitz bisher nicht gekommen, aber die Lage ist kritisch, heißt es von Naturschutzbehörden, Fischern und Anglern.

„Die Fische stehen kopf“, sagt Rüdiger Achtenhagen aus der Fischerei Neustrelitz am Freitag. Die Schräghaltung, bei der der Kopf deutlich niedriger ist als der Schwanz, sei eine Schonhaltung, die Fische bei Stress einnehmen. „Sie bewegen sich auch nicht viel und fressen kaum. Angler werden denken, in unseren Seen gibt es keine Fische.“ Je wärmer das Wasser wird, desto schwieriger werde es für die Fische. „Es gibt Temperaturen, da bekommen die Fische eine Art Fieber. Aber soweit sind wir noch nicht. Noch geht es der Masse gut.“

Kadaver müssen aus dem Wasser geholt werden

So sieht es auch in den Gewässern im Müritz-Nationalpark aus. „Wir haben extrem hohe Temperaturen in einem Bereich, in dem Fische Probleme bekommen können“, sagte Gewässerspezialist Joachim Kobel. „Je höher die Temperatur, desto geringer der Sauerstoffgehalt. Wenn dann noch organische Substanzen durch Bakterien abgebaut werden, kann das ein Fischsterben verursachen.“ Die Nationalpark-Seen hätten den Vorteil, dass sie relativ sauber sind. Würden die Gewässer durch Abwasser oder Nährstoffe aus der Landwirtschaft belastet, könnten sie bei der andauernden Hitzewelle jederzeit umkippen. „Der Grünower See könnte so ein Kandidat sein.“ Der Nationalpark bittet alle, denen massenhaftes Fischsterben auffällt, dies der Behörde zu melden. Zwar lasse sich nichts dagegen unternehmen, aber die Kadaver müssten aus dem Wasser geholt werden.

„Badewannenqualität“ haben die Wassertemperaturen nach Auskunft von Axel Griesau im Naturpark Feldberger Seenlandschaft. „Noch mussten wir kein Fischsterben feststellen. Wenn es so heiß bleibt, kann es aber Schwierigkeiten geben.“ Im Naturpark gebe es Seen, die durch die Landwirtschaft belastet sind. In diesen könne die Lage zuerst ernst werden. „Hier muss die Nährstofffracht von den Äckern unterbunden werden, indem Moore und Feuchtgebiete instand gesetzt werden. Die Pflanzen, die darin wachsen, arbeiten das Wasser auf. Das ist eine langfristige Aufgabe.“ Wer außerordentlich viele tote Fische sieht, wird gebeten, dies dem Naturpark mitzuteilen.

Fischerin: Momentan entspannt

„Alles bestens bei uns. Wir hatten noch gar keinen toten Fisch“, teilt Torsten Krüger mit, Rettungsschwimmer am Glambecker See in Neustrelitz. „Keine Probleme“, vermeldete auch Dieter Borg von der Seenfischerei Obere Havel in Wesenberg. „Die Fische haben sich in die Tiefe zurückgezogen. Sollte der Sauerstoffgehalt aber noch weiter nachlassen, werde das problematisch.“ Als „momentan entspannt“ schätzt Fischerin Sabine Reimer-Meißner die Situation in den Seen um Rödlin ein. „Die Fische verschwinden in tiefere Regionen. Solange wenigstens noch ein leichter Wind weht, kommt Sauerstoff rein. Schön wäre ein richtiger Sturm, der alles umwälzt.“ Die flacheren Seen wolle sie allerdings erst morgen kontrollieren. Sie hoffe, dass auch dort alles in Ordnung ist.

Auf Kontrollgang ist heute auch Torsten Zell, Vorsitzender des Kreisanglervereins. „Unsere Seen liegen fast alle im Wald. Da wegen der Trockenheit das Betreten der Wälder ja verboten ist, habe ich mir eine Genehmigung geholt, dass ich trotzdem rein darf. Hoffentlich finde ich keine toten Fische.“

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