Tourismus
In der Seenplatte soll das Nacktwandern etabliert werden

Hüllenlos auf Schusters Rappen unterwegs: Geht es nach dem Wunsch der Drosedower Zeltplatzbetreiber, könnte das auch bald in der Seenplatte möglich sein (Symbolbild).
Hüllenlos auf Schusters Rappen unterwegs: Geht es nach dem Wunsch der Drosedower Zeltplatzbetreiber, könnte das auch bald in der Seenplatte möglich sein (Symbolbild).
Matthias Bein

Jux-Idee oder Chance für den Tourismus? Vielleicht steckt ein bisschen von beidem dahinter. Die Betreiber des FKK-Campingplatzes am Rätzsee bei Drosedow können sich gut einen Naturisten-Weg vorstellen.

Nackedeis am Strand oder beim Campen gibt es nicht erst seit gestern. Nackte Wanderer allerdings gehören wohl noch zu den Exoten in der Bewegung der Freikörperkultur. Deutschlandweit existieren nur zwei Routen, auf denen offiziell nackt gewandert werden darf. Eine dritte ist derzeit in der Prignitz in Planung – und die nächste könnte in der Kleinseenplatte bei Drosedow entstehen. So lautet jedenfalls der Wunsch der Betreiber des FKK-Campingplatzes am Rätzses.

Zusammen mit der Kleinseenplatte Touristik GmbH haben sie sich bereits Gedanken über ein mögliches Projekt gemacht. Die Idee gebe es schon länger, sagt Enrico Hackbarth. Der Chef der Touristik GmbH würde so einen Wanderweg in der Kleinseenplatte begrüßen. „Es ist natürlich eine Nische“, sagt er. Dennoch könne ein FKK-Wanderweg frischen Wind und Aufmerksamkeit für die Tourismusregion bringen.

Route durch den Wald

Angedacht sei ein Route durch den Wald bei Drosedow. Um den Weg attraktiv zu gestalten, könnten unterwegs Hängematten und Tastkästen an der Strecke installiert werden. Wer auf dem Wanderweg unterwegs wäre, müsste sich nicht zwingend seiner Bekleidung entledigen, aber es wäre eben erlaubt, so die angedachte Regelung. Bisher würden in der Gemeinde aber eher die Skeptiker überwiegen, gesteht Hackbarth. „Ohne eine Zustimmung der Anwohner geht es aber nicht“, sagt er. Die Idee soll keinesfalls forciert werden, falls die Bedenken der Anlieger zu groß seien. Die Initiatoren hoffen jedoch auf ein Einlenken der Zweifler. Um ihre Idee vom FKK-Wanderweg näher vorzustellen und vielleicht auch wenig mit Vorurteilen aufzuräumen, werden sie am Montag, dem 28. Januar, in der Gemeindevertretersitzung in Wustrow öffentlich vorsprechen. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr in der Bürgerbegegnungsstätte. Auf der Tagesordnung stehe zunächst noch kein Beschluss zum Vorhaben, erklärt Wustrows Bürgermeister Heiko Kruse (CDU). Es solle zunächst mal um eine Präsentation des Projekts gehen. Auch Kruse hält die Idee für eine einmalige Chance, um ein Alleinstellungsmerkmal im Tourismusbereich zu erlangen, weiß aber um die Widerstände und Bedenken in seiner Gemeinde.

Erste Strecke im Harz eingerichtet

Der erste Nackt- beziehungsweise, wie es in der Szene heißt, Naturisten-Wanderweg wurde im Harz eingerichtet. Seit 2010 kann man hier hüllenlos im Wippertal bei Wippra unterwegs sein. Ein zweiter Naturistenstieg entstand 2012 in Undeloh in der Lüneburger Heide. „Wer einmal nackt wandern war, wird nicht mehr anders wandern wollen“, sagt Bernd Schaffrath, Naturist und Organisator von Nacktwandertagen. Im Sommer klebten keine verschwitzten Klamotten an der Haut, stattdessen könne der Wanderer Sonne, Wind und Natur direkter spüren, preist er die Vorzüge an. In Deutschland gebe es mehrere tausend Nacktwanderer. Über den Harzer Naturistenstieg sei inzwischen bekannt, dass er merklich zur Steigerung der Touristenzahlen beigetragen habe, sagt Schaffrath.

Er arbeitet derzeit in seiner Wahlheimat in Pritzwalk an der Umsetzung des deutschlandweit dritten FKK-Wanderwegs. Gemeinsam mit dem Prignitzer Tourismusverband hat Schaffrath eine Route gefunden. Wo genau, wird noch nicht verraten. In diesem Jahr zu Pfingsten soll Eröffnung gefeiert werden.

Über eine vierte Strecke in der Seenplatte würde sich Nacktwanderfreund Schaffrath freuen. Wobei auch er weiß, dass es immer wieder Vorbehalte gegen die Freikörperkultur gebe. Nacktwandern habe aber nichts mit Erregung öffentlichen Ärgernisses oder mit Sex zu tun. FKK‘ler gingen einfach offen mit ihrer Nacktheit um.