PARKVILLA NEUSTRELITZ

Investor zieht missmutig aus dem Großherzoglichen Palais

Der Ex-Eigentümer hat das Großherzogliche Palais in Neustrelitz verlassen – und ist dabei seinen Frust über die Umstände seines Abschieds losgeworden.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Am Sonnabend war die Neustrelitzer Parkvilla für Besucher geöffnet.
Am Sonnabend war die Neustrelitzer Parkvilla für Besucher geöffnet. Tobias Lemke
Der bisheriger Eigentümer Kai-Alexander Schlevogt übergibt den Schlüssel für das Großherzogliche Palais an Ulrike Katzenb
Der bisheriger Eigentümer Kai-Alexander Schlevogt übergibt den Schlüssel für das Großherzogliche Palais an Ulrike Katzenburg vom Betrieb für Bau und Liegenschaften MV. Das Land war bis 2003 Eigentümer der Immobilie – und ist es jetzt wieder. Marlies Steffen
Neustrelitz.

Die Situation ist angespannt an diesem Montagmittag. Hausherr Kai-Alexander Schlevogt hat die Presse eingeladen, um seinen Auszug aus dem 2003 von ihm erworbenen Großherzoglichen Palais öffentlich zu machen. Schlevogt wird seine Immobilie an den neuen und alten Eigentümer, das Land Mecklenburg-Vorpommern, übergeben.

Die angereiste Vertreterin vom Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) MV belegt er sogleich mit Vorwürfen. Der Ton ist belehrend. Es geht um Protokolle, um E-Mails. Kai-Alexander Schlevogt fühlt sich tief beleidigt, weil das Land ihm vorgeworfen hat, keine wertsteigernden Investitionen an dem Palais getätigt zu haben, wie er deutlich macht.

Dabei ist das längst Schnee von gestern. Denn es gibt ein rechtskräftiges Urteil, nachdem Schlevogt 585.000 Euro vom Land für die Rückabwicklung des Kaufvertrags erhält. 100.000 Euro hat er einst für die Immobilie bezahlt. Ein paar Stunden später kommt der bisherige Hausherr dann extra in die Redaktion und räumt ein: Die Atmosphäre sei anfangs angespannt gewesen, am Ende habe man sich aber geeinigt.

Denkmalschutz-Gutachten für 1914 erbaute Villa

Schlevogt war Anfang der 2000er Jahre mit großen Zielen nach Neustrelitz gekommen. Er wollte eine Business-Schule für Studenten aus dem asiatischen Raum etablieren. Das Land verkaufte ihm das Großherzogliche Palais, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das zu den schönsten in Neustrelitz zählt und das der letzte Herzog von Mecklenburg-Strelitz erbaut hatte.

Doch Schlevogts Schulprojekt kam nie zustande. Die Schuld gibt er anderen. Ulrike Karzenburg von der BBL-Zentrale des Betriebs in Rostock begegnet Schlevogts Vorwürfen mit äußerlicher Vor allem macht die Frau vom BBL unmissverständlich deutlich, dass man sich nach erfolgreich vollzogenem Eigentümerwechsel sofort der Verkehrssicherung für das Objekt annehmen werde.

So sollen die Dachrinnen, die seit Jahrzehnten defekt sind und die dafür sorgen, dass Feuchtigkeit in das Objekt eindringt, nun repariert werden. Angebote für eine Einfriedung sollen eingeholt werden. In dem Park sollen Baumpfleger den Bestand der Gehölze untersuchen. Viel Totholz hängt in den Bäumen. Zudem soll die 1914 erbaute Villa von einem Vertreter des Denkmalschutzes begutachtet werden. Konkrete Überlegungen zur weiteren Nutzung bestehen offenbar nicht. Das Land wird weiter Kontakt mit der Stadt Neustrelitz halten, hieß es am Montag aus dem Schweriner Finanzministerium.

Schlevogt hatte mehr als eine Million Euro gefordert

Einen ersten großen Auftritt hatte Schlevogt bereits am Sonnabend. Da waren nach seinem Bekunden rund 700 Menschen gekommen, um das für einen Tag der Öffentlichkeit präsentierte Großherzogliche Palais besichtigen zu können. Sie sollten sehen, dass er in dem Haus etwas unternommen hat. Unter anderem gab es Arbeiten an der Elektrik, an der Heizung und Malerarbeiten. Wesentliche Elemente der denkmalgeschützten Innenarchitektur, wie Stuck an Decken und Wänden, die Tapetenbespannung, die Fußböden, die meisten Fenster und Türen sowie Kamine und Spiegel sind aber offenbar nicht angefasst worden.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte sich 2003 beim Verkauf der Immobilie an Schlevogt eine Rückkaufsklausel vorbehalten, falls die Business-School innerhalb von zehn Jahren nicht umgesetzt wird. Als die Frist abgelaufen war, folgte ein fast sechs Jahre währender Gerichtsstreit bis zu den Obersten Bundesrichtern. Die erkannten letztlich Schlevogts Forderung nach Refinanzierung seiner Investitionen an. Gefordert hatte er nach Auskunft aus dem Berliner Kammergericht noch mehr Geld – mehr als eine Million Euro. Zwischen den Parteien blieb umstritten, ob der von Schlevogt für seine Investitionen beauftragte Sachverständige die denkmalpflegerischen Besonderheiten ausreichend berücksichtigt und dafür auch die notwendige Sachkunde gehabt habe, hieß es.

 

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