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Gefährliche Giftpflanze

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Jakobskreuzkraut macht sich in Neustrelitz breit

Das Jakobskreuzkraut sieht vielleicht schön aus, kann aber kreuzgefährlich werden – vor allem für Tiere in der Weidewirtschaft. An der Wesenberger Chaussee in Neustrelitz breitet sich die Pflanze derzeit massiv aus.  
Das Jakobskreuzkraut sieht vielleicht schön aus, kann aber kreuzgefährlich werden – vor allem für Tiere in der Weidewirtschaft. An der Wesenberger Chaussee in Neustrelitz breitet sich die Pflanze derzeit massiv aus.
Tobias Lemke

Imker und Nutztierhalter sehen diese gelben Blüten gar nicht gerne. Die Pflanze enthält Giftstoffe, die im Honig landen und die Weidetieren das Leben kosten können.

Panikmache oder berechtigte Sorge? Das Jakobskreuzkraut gilt als gefährlich, wenn es massenhaft in der Landschaft steht. Jetzt sind die gelben Blüten der Pflanzen in größerer Anzahl in Neustrelitz aufgetaucht. Imker Martin Henze hat darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Jakobskreuzkraut sehr stark auf einer Wiese an der Wesenberger Chaussee ausgebreitet hat.

„Momentan ist die Lage vielleicht noch nicht akut, aber man muss an der Stelle tätig werden, damit sich die Pflanzen in den nächsten Jahren dort nicht noch stärker ausbreiten“, fordert Henze. Die Wiese sei Einflugschneise für die Bienenvölker mehrerer Neustrelitzer Imker, weiß er zu berichten. Die emsigen Insekten haben immerhin einen Flugradius von drei Kilometern um ihren Bienenstock.

Imker warnt: Das Gift gerät auch in den Honig

Bei Imkern ist das Jakobskreuzkraut nicht gern gesehen. Denn die Pflanze enthält Gifte, sogenannte Pyrrolizidinalkaloide. Über die Bienen können die giftigen Inhaltsstoffe in den Honig gelangen. Es komme zum Phänomen des „vergifteten Honigs“, wie etwa das Deutsche Bienenjournal die Imker schon warnte. Für die Bienen selbst stelle das Gift kein Problem dar, haben Untersuchungen ergeben. In Schleswig-Holstein habe in diesem Sommer ein Berufsimker bereits 700 Kilogramm Honig vernichtet, weil bei Proben Laborwerte überschritten wurden, berichtet Henze.

Einen gesetzlich festgelegten Grenzwert für die Pyrrolizidinalkaloide im Honig gibt es dabei bisher aber nicht, sondern ledig gängige Orientierungswerte. Der Neustrelitzer Imker geht auch davon aus, dass die Situation hierzulande noch nicht so schlimm ist wie in Nachbar-Bundesland. „Noch haben wir keine großen Probleme, wir müssen aber präventiv was unternehmen“, sagt er.

Kraut kommt mit der Dauer-Hitze gut zurecht

Vor allem ist das Korbblütengewächs für Halter von Nutztieren eine Plage. In der Weidewirtschaft kann der Verzehr größerer Mengen tödlich auf Pferde und Rinder wirken. Das Gift der Pflanze schädigt die Leber der Tiere. Pferde und Rinder meiden das Jakobskreuzkraut zwar wegen seines bitteren Geschmacks, derzeit wächst aufgrund der Trockenheit aber nicht viel. Ausgerechnet das anspruchslose Giftkraut kommt mit dem Wetter aber ganz gut zurecht. „Außerdem bleiben die Giftstoffe auch erhalten, wenn auf solchen Flächen Heu gemacht wird“, warnt Henze. Das sei sogar noch gefährlicher, weil dann die Bitterstoffe verloren gehen, die Tiere das Kraut dann nicht mehr meiden.

Bei der Wiese an der Wesenberger Chaussee handle es sich um eine städtische Fläche, erklärt Rathaus-Sprecherin Petra Ludewig. Die Fläche sei allerdings verpachtet. Mit dem Pächter will die Stadt Kontakt aufnehmen und mit ihm die Lage besprechen.