Karneval eingeläutet
FKK im Feldberger Rathaus

In Feldberg sind seit Sonntag die Narren an der macht. Hunderte Karneval-Fans feierten mit den Jecken die Übernahme des Rathausschlüssels. Foto: Susanne Böhm
In Feldberg sind seit Sonntag die Narren an der macht. Hunderte Karneval-Fans feierten mit den Jecken die Übernahme des Rathausschlüssels. Foto: Susanne Böhm
Susanne Böhm

Vom Wasserzweckverband, dem Verrückten, und E-Mails, die von Hand geschrieben werden, können die Feldberger Jecken ein Liedchen singen. Mit großem Brimborium zogen sie am Sonntag ins Rathaus ein.

In Feldberg, Mirow, Wustrow und Holzendorf sind seit Sonntag die Narren los. Sie übernahmen am 11. 11. um 11.11 Uhr die Schlüssel der Rathäuser und Amtsstuben. Hunderte Karneval-Fans feierten die Schlüsselübergabe vor dem Feldberger Rathaus. „Mir fehlen die Worte. Wir freuen uns, dass so viele gekommen sind”, sagte Frank Schütze vom Feldberger Karneval Klub (FKK). Nur zu gern überließ ihm Feldbergs Bürgermeisterin Constance Lindheimer (SPD) den Rathausschlüssel.

Bürgermeisterin räumt Rathaus nur zu gern

„Sie wollen wieder rein ins Haus, wollen kühn in Macht sich üben. Ich rück' den Schlüssel gern heraus, beobachte das Treiben dann von da drüben”, frohlockte die Bürgermeisterin. Sie nahm ein Thema auf die Schippe, das vielen Grundstückseigentümern in der Feldberger Seenlandschaft, im Amtsbereich Neustrelitz-Land und in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte unter den Nägeln brennt: die Beitrags-Nachforderungen des Wasserzweckverbands Strelitz.

Wasserzweckverband wird verulkt

Constance Lindheimer riet den Jecken: „Im Wasserzweckverband, dem Verrückten, da könnt ihr starten. Konflikt und Streit gibt's noch und noch, tausende Widersprüche warten, da geht' ums Überleben doch”, reimte sie in schönstem Karnevals-Jargon. „Kein Mensch kann seinen Bescheid verstehen. Warum denn noch nach 20 Jahren Altforderungen bestehen, die längst vergolten waren. Glaubt mir, auch ich kann nicht erklären, wieso, weshalb, woher, wozu, Rechnungen auf euch niedergehen, die zu bezahlen sind im Nu. Abwasserreinigung, ja, die ist teuer. Diverse Dinge, dünn und dick, müssen durch die Kanal-Gemäuer, darum ist auch der Haussee wieder schick. Es wird auch kein anderer bezahlen, weder Berlin, Schwerin, noch Bonn. Die Juristerei wird uns zermahlen, der Glaube an Gerechtigkeit, der läuft davon. Im nächsten Jahr, da wollen wir wählen. Ein neues Parlament muss her. Beim Meckern muss man sich nicht quälen, erst beim Mitregieren wird's wirklich schwer.”

Badeanstalt bleibt nicht unerwähnt

Die Bürgermeisterin war richtig gut drauf und ließ auch die unendliche Geschichte der Badeanstalt, die auf dem Amtswerder gebaut werden soll, nicht unerwähnt. „Und bald auch schon soll sie erstrahlen am See, die neue Badeanstalt. Das Projekt wurde in unserer Politik zermahlen und ist gefühlt schon 100 Jahre alt. Den Berliner Flughafen aber werden wir nicht schlagen, das prophezeie ich euch gern. Den Sprung vom Turm werde natürlich ich wagen, denn immer nur zweifeln, das liegt mir fern.”

Geheimnis endlich gelüftet

Als „Dr. Honoris Causa” verkleidet verulkte Elferrats-Mitglied Jörgen Schütze diverse weitere Feldberger Aufreger-Themen, zum Beispiel den lückenhaften Internetausbau. „Die Mails so lange auf dem Bildschirm bleiben, dass die Bürger sie von Hand abschreiben, sie in einen Umschlag legen und dem Milchauto mitgeben.” So werde das Versenden von E-Mails zum Beispiel in Schlicht praktiziert. In Lüttenhagen dürfte es ähnlich ablaufen. Und dann lüftete Jörgen Schütze endlich das Geheimnis um das diesjährige Feldberger Karnevals-Motto: Der FKK geht auf Klassenfahrt. Wohin, weiß nur der Elferrat.