BÜRGERMEISTERWAHL

Kandidaten in Neustrelitz im digitalen Wahlkampf

Angesichts der Corona-Verbote ist die Präsenz in sozialen Medien für den Wahlkampf fast Pflicht. Sie bieten eine ganz andere Nähe zum Kandidaten. Aber sie machen den Kandidaten auch das Leben schwer.
Angelika Groh stellt in Videos auf Instagram und Facebook ihre Ziele vor.
Angelika Groh stellt in Videos auf Instagram und Facebook ihre Ziele vor. Screenshot: Facbeook/Angelika Groh
Frank Herrmann hält soziale Medien für nötig, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen.
Frank Herrmann hält soziale Medien für nötig, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen. Screenshot: Facebook/Frank Herrmann
Neustrelitz ·

Große Treffen sind verboten, Veranstaltungen ebenso untersagt. Das macht Wahlkampf dieser Tage schwer. Die vier Bewerber um den Bürgermeisterposten in Neustrelitz müssen sich händeringend nach Alternativen umschauen, um sich mit den Menschen der Stadt austauschen und ihre Ziele unters Volk zu bringen. Eine Plattform bieten soziale Medien – doch die haben auch ihre Tücken. „Es ist wichtig, dort präsent zu sein – gerade in der Corona-Pandemie“, sagt Angelika Groh (parteilos) über die zunehmende Bedeutung der sozialen Medien. Laut ihrer Einschätzung fällt es vielen Menschen dort leichter, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Die Leute kommen direkt auf einen zu“, so Groh, die ihre Kanäle auf Facebook, Instagram oder Snapchat selbst pflegt – aber auch von Freunden unterstützt wird.

Das nimmt viel Zeit in Anspruch, wie SPD-Kandidat Daniel Priebe zu berichten weiß. Ein bis zwei Stunden am Tag widmet er sich der Moderation. Dabei gibt er auch viel Privates preis. Offenbar mit Erfolg: Die für Neustrelitzer Verhältnisse große Reichweite mit zum Teil mehr als tausend Zuschauern haben den Neustrelitzer selbst überrascht. Besonders beliebt sei mittlerweile das Format „Drei am Küchentisch“, bei dem er zusammen mit dem Bundestagskandidaten Johannes Arlt (SPD) und Zuschauern über Politik diskutiert. Im Umgang mit der Technik ist er geübt. „Es ist kein Hexenwerk. Ich bin damit groß geworden.“

Zwischen persönlichen Anfeindungen und Bürgernähe

Zurückhaltender äußert sich Frank Herrmann (AfD). Der 59-Jährige hält die Präsenz in sozialen Netzwerken zwar für notwendig, um einen ganz bestimmten Teil der Bevölkerung zu erreichen. Mit Leidenschaft ist er dort aber nicht unterwegs, hört Menschen während Kontaktverboten lieber am Telefon zu. Denn Frank Herrmann hat die Erfahrung gemacht, dass sachliche Diskussionen auf Facebook oft nicht möglich seien. Als „Tummelplatz für Diffamierungen“ bezeichnet er die Plattform.

Auch persönliche Attacken beobachtet Herrmann regelmäßig – auf ihn selbst aber nur selten. „Ich habe wenig Angriffsfläche.“ Daniel Priebe sah sich durchaus schon mit schweren, persönlichen Anfeindungen konfrontiert – auch gegen seine Familie. Im Netz würden einige Menschen schnell Kommentare abgeben, die sie an einem Wahlstand auf dem Markt beispielsweise nicht äußern würden. Nach Einschätzung von Amtsinhaber Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) trägt unter anderem der fehlende persönliche Kontakt zu einem immer rauerem Klima bei.

Von Angriffen auf andere Amtsträger weiß auch er zu erzählen. In seinen 18 Jahren im Amt seien die Menschen ihm aber nahezu durchweg freundlich begegnet. Er selbst ist aber auch weder auf Facebook, Twitter noch auf Instagram unterwegs. Neben seinem arbeitsintensiven Amt findet er dafür schlicht keine Zeit. „Das muss man auch pflegen. Das kann ich nicht leisten“, so Grund. Zudem hat er Bedenken, was mit den dort veröffentlichten Daten geschieht. Schließlich stünden Großkonzerne hinter den Plattformen. Inhalte würden sich nicht mehr vollständig entfernen lassen. „Das Internet vergisst nichts.“ Die digitale Welt sei ihm aber keinesfalls fremd. Schließlich ist auch er in Livestreams zu sehen.

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