Die Tore der Beruflichen Schule in Neustrelitz sind für viele Berufsschüler derzeit geschlossen.
Die Tore der Beruflichen Schule in Neustrelitz sind für viele Berufsschüler derzeit geschlossen. Robin Peters
Schulleiterin Birgit Köpnick hält die Maßnahme für richtig. Die RBB Müritz ist technisch offenbar be
Schulleiterin Birgit Köpnick hält die Maßnahme für richtig. Die RBB Müritz ist technisch offenbar bestens gerüstet. Robin Peters
Berufsschulen

Kaum Corona-Fälle und doch geschlossen

Seit dieser Woche müssen viele Azubis von zu Hause oder auf der Arbeit lernen. Dabei sind die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus an einzelnen Berufsschulen überschaubar.
Neustrelitz

Für die meisten Auszubildenden bleiben die Berufsschulen in der Mecklenburgischen Seenplatte auf Weisung des Landrats im Dezember erst einmal geschlossen. Pendlerströme von Berufsschülern aus allen Landesteilen, die das Coronavirus in die Fläche tragen könnten, sollen auf diese Weise unterbunden werden – so das Ansinnen von Heiko Kärger (CDU). Aus Sicht von Kritikern angesichts bescheidener Infektionszahlen ein ziemlich radikaler Schritt. Im Hauptsitz der Beruflichen Schule in Neustrelitz zum Beispiel hat sich nach Kenntnis der Schulleitung bis zur Veröffentlichung der Verfügung nicht ein einziger Schüler mit dem Coronavirus infiziert. Selbst in der Außenstelle in Demmin, die nach kurzer Quarantäne gerade wieder öffnen sollte, ist nur die Infektion einer Lehrkraft bekannt.

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Ganz überraschend kam der Vorstoß für Kathleen Supke dennoch nicht. „Wir mussten uns darauf einstellen“, so die Schulleiterin der Beruflichen Schule Neustrelitz. Auf der einen Seite kann sie die Schließungsanordnung durchaus nachvollziehen. Denn die Schüler der Berufsschule kämen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und würden teilweise zusammen im Internat unterkommen. Es sei nicht klar, ob sie sich in der Freizeit hundertprozentig an alle Schutzmaßnahmen halten würden. Sogar die Lehrkräfte kämen aus verschiedenen Landkreisen. Mit mehreren Gesundheitsämtern müsse sich dann abgestimmt werden.

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Ein Infektionsfall sorgt für 100 Quarantäne-Fälle

Ein weiteres Beispiel veranschaulicht den enormen Aufwand für die Behörden: Erst kürzlich meldete die Kreisverwaltung, dass ein einziger Infektionsfall am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum Neubrandenburg GeSoTec rund hundert Quarantäne-Anordnungen nach sich zog. Die Ansteckung muss sich laut Kreis-Sprecherin Haidrun Pergande unmittelbar vor der Teil-Schließung ereignet haben. „Wir sind mit unserer Regelung zu spät gewesen.“

Auf der anderen Seite macht Schulleiterin Supke deutlich, dass die Auszubildenden den Unterricht in den Klassenräumen vermissen. Distanzunterricht werde allein durch technische Hürden erschwert. „Wir haben Schüler, die privat keinen Computer besitzen.“ Glücklicherweise würden zum Teil Firmen ihren Auszubildenden mit technischem Gerät aushelfen oder Material ausdrucken. Aber nicht jeder könne sich disziplinieren, um sich eigenständig viele Wochenstunden mit dem Unterrichtsmaterial zu beschäftigen. Darüber hinaus mag die Schulleiterin von ihren Schülern nur ungern verlangen, ihr privates Internet-Daten-Volumen für die Ausbildung zu opfern.

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Im Regionalen Beruflichen Bildungszentrum (RBB) Müritz in Waren und der Zweigstelle in Malchin haben die Auszubildenden und Lehrer den Distanzunterricht und den Umgang mit der Lernplattform seit dem ersten Lockdown umfassend geübt, um sich genau auf so ein Szenario vorzubereiten. „Der Schüler kann es nicht von heute auf morgen“, so Birgit Köpnick, Schulleiterin des RBB Müritz. Inzwischen klappe die Umstellung überwiegend gut, trotzdem gebe es in Einzelfällen weiter Probleme. Außerdem seien acht Stunden Unterricht vor dem Bildschirm äußerst anstrengend. Obwohl auch am RBB Müritz bis zur Teil-Schließung nur eine Infektion bekannt wurde, hält Birgit Köpnick die Maßnahme für sinnvoll. Der Unterricht könne in vollem Umfang aus der Ferne vermittelt werden.

Und so kann es passieren, dass Lehrkräfte am RBB derzeit mitunter aus dem leeren Klassenraum mit den Schülern in Kontakt treten. Mancher mache dies auch von Zuhause. „Es übt zumindest die Medienkompetenz“, sagt Birgit Köpnick.

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