Die Filiale der Raiffeisenbank in Blankensee schließt im Juli für immer ihre Türen.
Die Filiale der Raiffeisenbank in Blankensee schließt im Juli für immer ihre Türen. Ulrich Krieger
Digitalisierung

Kaum noch Kunden – Bank gibt Filiale endgültig auf

Die Geschäfte laufen nicht mehr gut: Zu wenige Kunden kommen in Blankensee zur Beratung oder zum Geldautomaten. Jetzt zieht die Genossenschaftsbank die Reißleine.
Blankensee

Die Spatzen hatten es schon vom Dach gepfiffen, nun ist es Gewissheit: Die Raiffeisenbank Mecklenburger Seenplatte schließt in Blankensee ihre Geschäftsstelle. Nicht nur für Bürgermeister Arko Mühlenberg ist das ein herber Schlag.

Denn die Gemeinde ist stolz auf die Infrastruktur im Ort, die sie über die Jahre, in denen sich andernorts Versorger aus der Fläche zurückgezogen hatten, ganz gut beibehalten konnte. Zwar gibt es schon lange keine Landarztpraxis mehr, aber für Waren des täglichen Bedarfs, Geldangelegenheiten und Dienstleistungen muss niemand in die Stadt fahren. Und wenn, dann stehen Bus und Bahnverbindungen zur Verfügung.

„Schule, Kindergarten, Gaststätte, Vereine für Sport und Kultur – alles ist da“, sagt Arko Mühlenberg. Sowohl für junge Leute als auch für die Alten sind das wichtige Kriterien, um sich anzusiedeln oder zu bleiben. „Nur so haben wir eine Zukunft“, ist Mühlenberg überzeugt.

Digitaler Wandel geht am Ort nicht spurlos vorüber

Dass die Bankfiliale bald schließt, wird der Bürgermeister nicht verhindern. „Ich hatte jetzt ein Gespräch mit dem Vorstand, wo man mir die Gründe aufgezeigt hat“, sagt er. Auf den Punkt gebracht: Das Geschäft lohnt sich schlichtweg nicht mehr. „In den vergangenen Jahren wurde der Standort immer weniger durch Kunden genutzt. Zuletzt kamen nicht mal zehn Kunden pro Öffnungstag. Auch Geld wurde immer weniger abgehoben“, sagt Chris Wallbaum vom Vorstand der Raiffeisenbank Mecklenburger Seenplatte.

Die Filiale war ohnehin nur noch an einem Tag in der Woche besetzt. Immerhin war es bisher aber möglich, am Automaten Geld zu ziehen. „Wenn das jetzt auch noch wegfällt, könnte das dazu führen, dass auch die Verkaufsstelle im Ort in Mitleidenschaft gerät. Denn ohne Bargeld können die Leute hier nicht einkaufen“, befürchtet Bürgermeister Mühlenberg. Ihm sei aber signalisiert worden, dass in der Verkaufsstelle ein Geld-Terminal installiert werden könne.

Ohnehin geht der digitale Wandel an Blankensee nicht spurlos vorbei. Er ist auch ein Grund, warum die Raiffeisenbank die Geschäftsstelle im Ort schließt. „Serviceleistungen wie Geld abheben, Überweisungen tätigen und Daueraufträge bearbeiten – dafür nutzen unsere Kundinnen und Kunden zunehmend unser Online-Banking, die App oder alternative Wege. Das Zahlen mit Karte und die Geldversorgung im Supermarkt sind mittlerweile Standard. Die Coronavirus-Pandemie hat diese Entwicklung beim Kundenverhalten noch verstärkt“, sagt Vorstand Chris Wallbaum.

Beratung in Neustrelitz und Neubrandenburg

Als Genossenschaftsbank sei man seinen Mitgliedern verpflichtet und müsse solide wirtschaften. „Unsere Angebote können nur dann aufrechterhalten werden, wenn diese auch in Anspruch genommen werden – dies war in Blankensee zuletzt leider nicht mehr der Fall“, ergänzt Wallbaum.

Man bleibe aber in der Region präsent, versichert er. Die Kunden würden ab dieser Woche per Brief oder in der Filiale über die Änderungen informiert. Die Geschäftsstelle Blankensee schließt zum 1. Juli dieses Jahres. Die Geschäftsstellen in Neustrelitz und Neubrandenburg seien dann für die individuelle Beratung zuständig.

„Viele Kunden aus Blankensee haben diese Filialen ohnehin schon genutzt“, sagt Wallbaum. In den vergangenen Monaten habe man zudem den telefonischen Kundenservice ausgebaut. So könne sichergestellt werden, dass Kundinnen und Kunden mit eingeschränkter Mobilität und begrenzten technischen Möglichkeiten weiterhin schnell und persönlich die Bank erreichen können.

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