DDR-OLDTIMER

▶ Kfz-Mechaniker aus Schwarz baut alten Robur-Bus wieder auf

Peter Fehrmann aus Schwarz ist auf der Suche nach Gleichgesinnten. Wer alten Dingen neues Leben einhauchen will, der ist bei dem Alleskönner richtig.
Der Kühlergrill stammt von einer alten Robur-Feuerwehr. Daher lässt sich die Haube anklappen, bei den Bussen musste
Der Kühlergrill stammt von einer alten Robur-Feuerwehr. Daher lässt sich die Haube anklappen, bei den Bussen musste die Klappe früher eigentlich komplett abgnommen werden, wollte man an den Motor. Tobias Lemke
Peter Fehrmann hatte den Robur zunächst unter einem Zelt aufgebaut, als er noch nicht in die Garage passte.
Peter Fehrmann hatte den Robur zunächst unter einem Zelt aufgebaut, als er noch nicht in die Garage passte. Peter Fehrmann
Zwischen Fahrer und Beifahrer sitzt der Motor. Damit es auf der Fahrt erträglich bleibt, will Peter Fehrmann den Motor no
Zwischen Fahrer und Beifahrer sitzt der Motor. Damit es auf der Fahrt erträglich bleibt, will Peter Fehrmann den Motor noch schallisolieren. Tobias Lemke
Peter Fehrmann und sein Roburbus von 1978: von Außen macht der Bus schon was her. Die Reparaturen an der Karosserie sind
Peter Fehrmann und sein Roburbus von 1978: von Außen macht der Bus schon was her. Die Reparaturen an der Karosserie sind weitgehend abgeschlossen. Tobias Lemke
Schwarz ·

Der Mann ist vom Fach. Als gelernter Kfz-Mechaniker weiß Peter Fehrmann, worauf er sich eingelassen hat. Nachdem der Lack ab und das Fahrzeug entkernt war, sei der Schreck dann aber doch ganz schön groß gewesen, gesteht er. Der 45-Jährige aus Schwarz bei Mirow restauriert gerade einen Robur-Bus, der im Jahr 1971 in Zittau vom Band lief.

Gefunden hat er den Oldtimer in Thüringen. Zwei Jahre lang hatte sich Fehrmann umgeschaut nach einem Robur, der wenigstens noch einigermaßen gut in Schuss sein sollte. „Der hier hatte TÜV, neue Reifen drauf und war angemeldet, da habe ich zugeschlagen“, berichtet er. Zudem hielten sich die Rostschäden auf den ersten Blick in Grenzen. Nach einer abenteuerlichen Überführungsfahrt in die Seenplatte und nachdem eine mobile Sandstrahlfirma bei ihm auf dem Hof mit dem Robur fertig war, setzte aber zunächst einmal die Ernüchterung ein.

Im Winter folgt der Innenausbau

Handtellergroße Löcher klafften dann doch in der Karosserie. Die Schäden zogen sich um den kompletten Bus herum. Die linke vordere Dachecke, große Teile des Hochganges und praktisch alle Fensterrahmen musste Fehrmann komplett neu herstellen. Fast vier Quadratmeter Karosserieblech sollte er schließlich verbauen. Anfangs stand der Bus dabei in der Hofeinfahrt unter einem Zeltdach. „Mein altes Garagentor war zu eng, sodass er nicht hindurchpasste“, erzählt der Oldie-Besitzer. Mittlerweile wurde das Tor ausgetauscht, der Robur steht drinnen und die schwierigsten Arbeiten sind geschafft, wie auch das schweißtreibende Einziehen eines neuen Himmels im Bus-Innenraum. Die alten Holzeinbauten wurden komplett entfernt, weil der Hausschwamm ins Fahrzeug gekrochen war. „Jetzt kommt endlich das, was Spaß macht“, freut sich der Bastler schon aufs Winterhalbjahr, in dem der weitere Innenausbau erfolgen soll.

Aber warum die Strapazen? „Ich habe schon als Kind gerne alte Sachen repariert“, erzählt Peter Fehrmann lachend. Und was konkret den Robur betrifft, so sei er einfach ein Fan der Fahrzeugkonstruktionen der 1960er Jahre. Die Form der Fahrzeuge, die typischen Rundungen der Epoche findet er ästhetisch. Dann sei da noch die Farbe: das DDR-Kristallblau kombiniert mit dem bekannten Atlasweiß kennen viele noch von Ost-Oldtimern.

Hier sehen Sie ein Video zum Robur:

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Universalmanufaktur eröffnet

Seine Passion hat der Handwerker mit Hang zu alten Dingen schließlich zum Beruf gemacht, seit Kurzem sogar mit einem eigenen Gewerbe. In seiner Universalmanufaktur in Schwarz restauriert und überarbeitet Fehrmann alles Mögliche, egal ob aus Holz, Metall oder Kunststoff. Derzeit arbeitet er für einen Kunden zum Beispiel eine 150 Jahre alte Hochzeitstruhe wieder auf. Der Alleskönner gestaltet für Haus und Garten, repariert Musikinstrumente, baut Ersatzteile für Oldtimerfans, alte Möbel und Maschinen oder findet besondere Lösungen für technische Probleme. So bringt Fehrmann sogar Spezialwissen aus der Ultraleichtfliegerei mit. Im Auftrag eines deutschen Fluggeräte-Händlers reparierte und wartete er zuletzt Tragschrauber. Eines seiner Hobbys ist zudem der Bau von Zigarrenbox-Gitarren, die er in den Vorjahren auch schon zur Aktion „KunstOffen“ vorgestellt hat. Die Instrumente haben nur drei Seiten und sind daher gerade für Anfänger leicht zu spielen.

Noch ganz viel Aufbauarbeit bis zur Schwedentour

Über seine Kniffe und Tricks berichtet Peter Fehrmann anderen Bastlern in einem Internet-Forum. Gerne würde er auch Kontakt zu weiteren Robur-Freunden aus der Region finden, einfach um mal Teile und Erfahrungen austauschen zu können. So fehlen ihm aktuell noch H4-Einsätze für die Scheinwerfer.

Seine Frau macht die ganze Oldtimer-Liebhaberei übrigens gut mit. „Ihr habe ich versprochen, natürlich ausgemalt in den schillerndsten Farben, wie wir mit dem Robur im nächsten Sommer einen Schwedentrip unternehmen“, berichtet Fehrmann mit verschmitztem Lächeln. Wenn man mit so einem Oldtimer verreise, dann gehe es nicht darum, Kilometer zu schrubben, sondern zu entschleunigen. Das müsse man allein schon in Kauf nehmen, da der Dieselmotor trotz vier Litern Hubraum gerade mal 68 Pferdestärken hat. „Mehr als 75 km/h sind da auf der Autobahn nicht drin“, sagt er. Übrigens liegt der Motor mitten in die Fahrerkabine und soll daher noch schallisoliert werden. Ohnehin nimmt der Oldtimer-Bastler ein paar Spezifikationen vor, die es original nicht gab. So hat er den Robur-Schriftzug auf der Motorhaube aus Aluminium gegossen. „Im Original war der aus schwarzem Plaste, aber das gefiel mir nicht“, erklärt er. Bis zum Schwedentrip gilt es also noch jede Menge Aufbauarbeit am Bus zu erledigen.

Bett, Schränke und Küchenzeile werden eingebaut

Die Sitzbänke für ursprünglich 21 Plätze kommen bis auf eine Bank natürlich nicht mehr in den Bus. Dafür werden ein Bett, Schränke und Küchenzeile eingebaut, sodass das Fahrzeug schließlich zu einem Camper mit absolutem Hingucker-Potenzial umfunktioniert wird. Fehrmann plant sogar herausziehbare Solarmodule.

Dass der fertige Bus ihn mit seiner Frau bis nach Schweden bringt, da hat Peter Fehrmann keine Sorge. Immerhin ist der Name Robur aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet so viel wie Kraft, Stärke und Robustheit. Wer mit Peter Fehrmann in Kontakt treten will oder Interesse an seiner Universalmanufaktur hat, kann sich über seine Homepage www.universalmanufaktur.de melden.

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