ENTSORGUNG

Klärschlamm-Debatte in Neustrelitz wird hitzig

Was soll mit den Fäkalienresten geschehen, die derzeit im Neustrelitzer Stadtteil Rudow vor sich hin stinken? Bürgermeister Andreas Grund will sie in Rostock verbrennen, Stadtvertreter Bernd Haase im Stadtteil Kiefernheide.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Klärschlamm stinkt im Neustrelitzer Stadtteil Rudow zum Himmel. Stadtvertreter Bernd Haase schlägt vor, das Zeug nach Kiefernheide zu verfrachten. 
Klärschlamm stinkt im Neustrelitzer Stadtteil Rudow zum Himmel. Stadtvertreter Bernd Haase schlägt vor, das Zeug nach Kiefernheide zu verfrachten. Alexander Block/Archiv
Neustrelitz.

Die Debatte um die Entsorgung der Fäkalienreste, die in der Residenzstadt in Massen anfallen, gewinnt an Schärfe. Während bislang die Variante favorisiert wird, den Klärschlamm in Rostock zu verbrennen und der in Gründung befindlichen Klärschlamm-Kooperative beizutreten, beharrt Stadtvertreter Bernd Haase (PuLs/FDP/Grüne) darauf, dass eine zweite Variante geprüft wird. Sein Vorschlag: Warum in die Ferne fahren, wenn der Ofen glüht so nah. Er will den Schlamm im Biomasse-Heizkraftwerk in Neustrelitz verfeuern.

Weil seine Idee beim Hauptausschuss auf Interesse stieß, wurde das Thema kurzfristig von der Tagesordnung der jüngsten Stadtvertretersitzung in der vergangenen Woche gestrichen. In dem Beschlussvorschlag, über den die Stadtvertreter hätten abstimmen sollen, stand nämlich nur die Rostocker Version. Die Gelegenheit nutzte Bernd Haase, um auch den Stadtvertretern seine Gedanken zum Umgang mit dem Abfall zu erläutern.

Vorschlag: In Neustrelitz entsorgen

„Warum sollten wir das Geld nach außen geben, anstatt es in Neustrelitz zu lassen“, fragte er. Nach Auskunft Bernd Haases würde die Verbrennung in Rostock Neustrelitz jährlich rund 110 000 Euro netto kosten. „Diese Kosten sind Jahr für Jahr durch die Bürger von Neustrelitz zu erbringen.“ Hinzu käme ein einmal zu zahlender Anteil an den Investitionskosten in Höhe von mehr als 173 000 Euro. Ich beanstande, dass den Stadtvertretern in einer Friss-oder-stirb-Manier lediglich die Rostock-Variante zur Entscheidung vorgelegt wird“, so Bernd Haase. Und er setzte noch einen drauf: Seiner Meinung nach soll nicht nur geprüft werden, ob der Klärschlamm in Neustrelitz verheizt werden kann, sondern bei der Gelegenheit auch gleich Grasschnitt und Laub.

Damit Klärschlamm, Gras und Laub so wie die Holzhackschnitzel im Heizkraftwerk in Neustrelitz verbrannt werden können, müssen sie nach Ansicht Bernd Haases nur pelletiert werden. Das ist seiner Meinung nach die wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Methode, als das Material ins 150 Kilometer entfernte Rostock zu transportieren. „Das ist regionale Wertschöpfung.“

Seit Monaten sind die Anwohner verärgert

Bürgermeister Andreas Grund (PuLs/FDP/Grüne) zeigte sich allerdings wenig begeistert. „Die Vorlage ist nur gestoppt worden, um Zeit für die gewünschte weitergehende Untersuchung zu haben.“ Die Untersuchung werde jedoch ergeben, dass eine Verbrennung in Neustrelitz nicht sinnvoll ist. „Die Verwaltungsvorlage sehen wir in unveränderter Form in der kompletten Beratungsfolge der nächsten Sitzung wieder“, stellte er in Aussicht. Er sehe in Bernd Haases Vorschlag „keineswegs eine weitere Variante. Meines Erachtens ist es nicht klug, problematische Abprodukte der Kläranlage von einem Stadtteil in einen anderen zu verfrachten.“

Im Stadtteil Rudow sorgt der Gestank, den der Fäkalienschlamm verströmt, seit Monaten für Ärger bei den Anwohnern. Andreas Grund spricht aus eigener Erfahrung, da er selbst in Rudow wohnt. „In der Kiefernheide haben wir ein umfangreiches Stadtumbau- und Stadtteil-Aufwertungsprogramm gefahren und Millionen Euro investiert. Gleiches haben unsere Neuwo und auch die MWG getan, um die Attraktivität des wichtigsten Wohngebietes unserer Stadt auf hohem Niveau halten zu können.“ Es sei absurd, Erreichtes und künftige Vorhaben zu konterkarieren, indem den Leuten in Kiefernheide stinkender Klärschlamm vor die Nasen gekippt wird, der das Wohngebiet verpestet.

„Gegenwärtig schreiben wir mit den Stadtwerken an einer Machbarkeitsstudie für ein Grünes Gewerbegebiet. Unser Biomasseheizkraftwerk steht für Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit und hat eine Betriebsgenehmigung ausschließlich für unbelastetes Waldholz“, sagte der Bürgermeister. Mit Chemikalien versetzte menschliche Ausscheidungen passen nicht in das Konzept. „Nicht alles, was technisch möglich oder gegebenenfalls sogar wirtschaftlich ist, ist auch vernünftig, wenn wir den Gesamtrahmen betrachten“, sagte Andreas Grund.

Rund 200 Kubikmeter Schlamm pro Monat

Das Biomasseheizkraftwerk verbrennt Holzstückchen und erzeugt für Neustrelitz Wärme und Strom. Das Kraftwerk mit Fäkalien zu betreiben, ist nach Informationen von Frank Schmetzke „aus wirtschaftlichen und technologischen Gründen nicht möglich“. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen ließen eine Verbrennung von Klärschlamm nicht zu. „Wir sind durch das erneuerbare Energiengesetz dazu verpflichtet, nur naturbelassene Stoffe zu verbrennen. Wenn wir etwas anderes verbrennen würden, würden wir keine Vergütung mehr bekommen.“ Zudem sei die Herstellung von Klärschlamm-Pellets mit sehr hohen Kosten verbunden. „Wir wollen den Strom- und Abwasserpreis nicht unnötig in die Höhe treiben“, so Schmetzke.

Seit mehr als einem Jahr sorgt der Klärschlamm in Rudow für Übelkeit bei den Anwohnern. Die Stadt wird den Schlamm bei Landwirten nicht mehr los. Wegen der enthaltenen Umweltgifte wollen und dürfen die Bauern das Zeug nicht mehr als Dünger auf ihre Äcker bringen. Rund 200 Kubikmeter Schlamm fallen pro Monat an. Der stinkende Morast liegt bis zu einem halben Jahr lang auf dem Gelände. Eine andere Lagerung ist nicht möglich. Selbst wenn der Klärschlamm in einem Gebäude oder Containern gelagert würde, müsste beides regelmäßig gelüftet werden – und es würde weiterhin stinken.

Das Thema dürfte bei der nächsten Stadtvertretersitzung erneut eine Rolle spielen. Die Sitzung ist für Donnerstag, den 13. Dezember, angesetzt.

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Kommentare (2)

Daran sieht man doch wieder was da für Politikversager im Rathaus sitzen. Die Kläranlage ist inzwischen schon eh in die Jahre gekommen. Damals (dank CDU) viel zu groß gebaut und heute völlig unwirtschaftlich betrieben. Schaut mal international herum wie man sowas richtig löst. Da stinkt nichts mehr. Klärschlamm ist zudem auch Gold wert, da sind große Mengen an Phosphor und andere Mineralien enthalten und das Zeug wird immer weniger auf der Welt. Im Klärschlamm ist aber auch jede Menge Sondermüll wie Micro-Plastik, Medikament-Reste usw. Um Klärschlamm richtig zu verwerten benötigt man ganz andere Systeme, denn der Schlamm muss vorher getrocknet werden. Mit dem anfallenden Klärschlamm könnte man ganz Rudow mit Warm-Wasser und Energie versorgen. Das mit Holz-Pellets zu verfeuern, zeigt den Verstand von Kindern, mehr aber auch nicht.

Die Drogenfresser scheißen alles aus, und vergiften den Klärschlamm