BÜRGERINITIATIVE HAT BEFÜRCHTUNGEN

Kommt nach den Hühnern die Windkraft?

Gegner befürchten, dass die Legehennenanlage für 40 000 Tiere weiteren Investitionen Tür und Tor geöffnet und fordern die Gemeinde zum Handeln auf.
Der Bereich zwischen Möllenbeck und Cantnitz ist bislang eine sogenannte „unzerschnittene“ Landschaft. Jetzt
Der Bereich zwischen Möllenbeck und Cantnitz ist bislang eine sogenannte „unzerschnittene“ Landschaft. Jetzt gibt es Befürchtungen, dass mit einer Legehennenanlage Tür und Tor auch für Windkraftanlagen geöffnet wird. Matthias Twisselmann
Hühner in häuslicher Haltung und Bio-Eier sind im Trend. Trotzdem gibt es Investoren, die Legehennenanlagen mit Taus
Hühner in häuslicher Haltung und Bio-Eier sind im Trend. Trotzdem gibt es Investoren, die Legehennenanlagen mit Tausenden Tieren bauen wollen. Fabian Sommer
Cantnitz ·

Mit der schönen, unverbauten Landschaft am Rande der Feldberger Seenlandschaft könnte es sich bald erledigt haben. Diese Befürchtung ist am Dienstagabend im Cantnitzer Vereinshaus gleich mehrfach laut geworden. Die Bürgerinitiative (BI) Cantnitz, die sich gegen die am Ortsrand geplante Legehennenanlage für 40 000 Tiere richtet (der Nordkurier berichtete), hatte zu ihrer ersten öffentlichen Informationsrunde eingeladen. Und der Sprecher der Initiative, Matthias Twisselmann, machte unmissverständlich deutlich: Sei erst eine Anlage in einer bislang unzerschnittenen Landschaft von höchster Wertkategorie errichtet, könnten bald andere folgen. Und meinte damit sowohl Windkraftanlagen, für die die Region bislang kein Vorhaltegebiet ist, als auch Photovoltaik-Anlagen. Hier hatte es vor ein paar Tagen eine Projektvorstellung in Dolgen unweit von Cantnitz gegeben.

Gefahren fürs Grundwasser?

Die Legehennenanlage – sie soll auf einer Fläche von 16 Hektar gebaut werden – gehört aus Sicht der BI an keinen der beiden von den potenziellen Investoren Thomas und Paul Böckermann bislang vorgeschlagenen Standorte zwischen Cantnitz und Möllenbeck. Twisselmann wies bei seiner Argumentation gegen die Anlage auch auf andere mögliche Probleme im Zusammenhang mit Keimen, Geruch, Staub, Lärm und auf Gefahren für das Grundwasser hin. Auch der streng geschützte Schreiadler, von dem es in der Feldberger Region nur noch wenige Brutpaare gibt, könnte ein Verlierer sein.

Im Namen der BI machte Twisselmann auch sehr deutlich, von wem die Verhinderung des Projektes erwartet wird: von der Gemeinde. Aus Sicht der Bürgeraktivisten ist eine Überplanung des Gebietes notwendig, um die Hühnerfarm, in der jährlich zehn Millionen Eier gelegt werden sollen, zumindest an den bislang ins Gespräch gebrachten beiden Standorten zu verhindern.

Warnung vor falschen Erwartungen

Doch dazu gab es auch eine andere Meinung. Eine entsprechende Planung durch die Gemeinde sei kein Garant für eine Verhinderung, sagte Nancy Stein vom Bauamt der Gemeindeverwaltung in der Info-Runde. Sie warnte vor falschen Erwartungen. Bei der von der Bürgerinitiative angesprochenen Bauleitplanung handele es sich um ein kompliziertes, langwieriges Verfahren, bei dem der Ausgang offen sei. Und Nancy Stein machte zudem deutlich: Windkraft und Photovoltaik-Anlagen könnten auch unabhängig von der Hühnerfarm entstehen. Sie stellt zudem klar, dass die Gemeinde mehrere Interessen abzuwägen habe, auch die der Landwirte.

Einwohner: Anlage nicht mehr zeitgemäß

In der Informationsrunde kamen auch Einwohner zu Wort, die sich zumeist ebenfalls gegen das Projekt aussprachen. Unabhängig von dem möglichen Standort für die Anlage wurde die Hühnerfarm mehrfach als nicht mehr zeitgemäß bewertet. Mit Blick auf die Intensivhaltung von Tieren machte beispielsweise Gemeindevertreter Michael Siebeling (Die Linke) deutlich, dass er mit Sorge auf die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre schaue und keinen Gegentrend ausmachen könne. „Ich will diese Anlage nicht“, sagte der Feldberger. Mit Blick auf das Tierwohl äußerte sich auch Kerstin Zegenhagen von der BI Mirow, die sich gegen eine dort geplante Anlage für Legehennen richtet.

Noch keinen Bauantrag gestellt

In der Informationsrunde wurde auch nach alternativen Überlegungen, wie etwa mobilen Einstellplätzen für Hühner gefragt. Diese seien allerdings zu kostenintensiv, sagte Paul Böckermann, der das jetzt bei Cantnitz geplante Projekt vor Wochen mit seinem Vater erstmals vorgestellt hatte und der ebenfalls unter den Zuhörern der Info-Runde saß. Abschließend einigte man sich darauf, weiter im Gespräch zu bleiben. Anwesend waren um die 40 Bürger, darunter viele Gemeindevertreter. Für das Projekt ist bislang kein Bauantrag gestellt.

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