Kosmetikerin Heike Draha aus Neustrelitz ist auch von der neuen EU-Strahlenschutzverordnung betroffen.
Kosmetikerin Heike Draha aus Neustrelitz ist auch von der neuen EU-Strahlenschutzverordnung betroffen. Jana Schrödter
Kosmetikerin Heike Draha präsentiert ihr Ultraschall-Gerät, mit dem sie ihre Kunden verschönert.
Kosmetikerin Heike Draha präsentiert ihr Ultraschall-Gerät, mit dem sie ihre Kunden verschönert. Jana Schrödter
Massive Einschränkungen

Kosmetikerin aus Neustrelitz sauer über neue EU-Vorschriften

Nicht nur die Corona-Maßnahmen haben die Arbeit der Kosmetiker eingeschränkt, sondern auch neue EU-Regelungen. Kosmetikerin Heike Draha sagt, warum.
Neustrelitz

Erst wird den Tätowierern die Farbe entzogen, jetzt sind die Kosmetiker dran. Auch für sie gibt es massive Einschränkungen durch die neue Strahlenschutzverordnung (NiSV), die zum 31. Dezember 2020 bereits in Kraft getreten ist. Die Verordnung wurde zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nicht ionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen erlassen.

Mehr lesen: Umsatzminus für Kosmetikbranche 2021

Teure Weiterbildung

Hierzu zählen Anwendungen von Lasern, intensivem Licht, Ultraschall und elektromagnetischen Feldern. Sie werden in der Kosmetik zum Beispiel zur dauerhaften Haarentfernung, Faltenglättung, Zerstörung von Fettgewebe oder zur Entfernung von Tätowierungen eingesetzt. Bisher durften auch Kosmetiker ohne Spezialqualifikation ihre Kunden mit Geräten wie Ultraschall oder Radiofrequenz behandeln. Um solche Geräte weiter nutzen zu können, ist ab diesem Jahr ein Fachkundennachweis erforderlich. Dieser kann über eine Schulung erworben werden. „Die Kosten dafür liegen bei circa 2000 Euro. Das ist viel Geld. Andere Kollegen haben ihre Geräte schon verkauft“, sagt Kosmetikerin Heike Draha aus Neustrelitz, die seit 25 Jahren ihre Kunden verschönert. Sie wolle nicht, dass die Leute zu einem Schönheits-Chirurgen gehen müssen. Sie habe das Fachwissen über Ultraschall bereits seit acht Jahren. Sie fühle sich ihrer Qualifikation beraubt, so Draha.

Zuerst Physik, dann praktische Übungen

Bereits im vergangenen Jahr habe sie eine Schulung absolvieren wollen, da seien die Schulen noch nicht einmal zertifiziert gewesen. Im Juli 2022 könne sie nun endlich an zwei Wochenenden Präsenzunterricht in Düsseldorf nehmen und erhalte dann das entsprechende Zertifikat, um ihre Geräte weiter einsetzen zu können. Im ersten Lernturnus gehe es hauptsächlich um Physik, im zweiten Wochenendseminar erfolge die praktische Arbeit, berichtet Draha.

Was der Corona-Stress für die Haut bedeutet

In der Pandemie hat sie übrigens beobachtet, dass die Einschränkungen ebenfalls Folgen für die Haut haben.„Der Stress in der Corona-Zeit wirkt sich auch auf das Hautbild der Kunden aus. Neurotransmitter werden aktiv und es kann zu Hautirritationen kommen“, sagt Draha. Auch das Tragen der Maske befördere Reizungen und Entzündungen der Haut. Die Haut würde zudem unter Feuchtigkeitsdefiziten leiden, so Draha. Ultraschallbehandlungen würden in ihrem Salon täglich nachgefragt. Vermehrt würden die Kunden, Ultraschallgeräte auch bei ihr ausleihen und nach ihrer Beratung zu Hause nutzen. Ihre 60 Jahre sieht man der Kosmetikerin nicht an. Ihre Liebe zum Beruf spürt man. „Wer glücklich sein will, muss sich oft verändern“, ist ihre Devise, mit der sie die Zukunft positiv angeht.

zur Homepage