BEHÖRDE

Kulturrat will bundesweite Ehrenamtsstiftung nicht in Neustrelitz

Olaf Zimmermann vom Spitzenverband der deutschen Kulturverbände hält es für schwierig, genügend Fachleute zu finden, die in der Residenzstadt arbeiten möchten.
In diesem Gebäude in der Neustrelitzer Schlossstraße soll die Ehrenamtsstiftung angesiedelt werden. Der Kulturrat h
In diesem Gebäude in der Neustrelitzer Schlossstraße soll die Ehrenamtsstiftung angesiedelt werden. Der Kulturrat hält das allerdings für keine gute Idee. Heike Sommer/Archiv
Neustrelitz.

Der Deutsche Kulturrat hält Neustrelitz als Standort für die bundesweite Ehrenamtsstiftung für ungeeignet. „Die Stiftungsidee muss komplett überarbeitet werden“, sagte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

Die öffentlich-rechtliche Stiftung ist ein Projekt der Bundesministerien für Familie, des Innern und für Landwirtschaft. Die Engagementsstiftung des Bundes soll als zentrale Anlaufstelle Serviceangebote und Informationen für bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement bereitstellen. Das Bundeskabinett hat im Oktober einem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt zugestimmt. Sie soll in Neustrelitz in das ehemalige Landeshygieneinstitut in der Schlossstraße 8 einziehen.

„Praktisch wird das zu großen Problemen führen”

Olaf Zimmermann hält die Standortentscheidung zugunsten von Neustrelitz für einen Fehler. Er äußerte Bedenken, wie geplant 100 Fachleute in die Region zu locken. „Wie soll das gehen“, fragte Zimmermann. „Es ist gut gemeint, doch praktisch wird das zu großen Problemen führen.“

CDU-Landesschef Vincent Kokert kann das nicht nachvollziehen und ging am Montag auf die Barrikaden. „Ich kann nur hoffen, dass Herr Zimmermann seine Privatmeinung und nicht die Meinung des Kulturrates zum Besten gegeben hat. Der Standort Neustrelitz ist für die Ehrenamtsstiftung gut gewählt, weder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern zu wenige Mitarbeiter für die Stiftung, noch ist Neustrelitz besonders abgelegen“, sagte er. „Von Berlin nach Neustrelitz fährt man mit der Bahn eine Stunde, die braucht man im Berliner Berufsverkehr auch locker – falls die S- und U-Bahnen gerade funktionieren beziehungsweise nicht bestreikt werden. Ich habe mich damals sehr dafür eingesetzt, dass die Stiftung nach Mecklenburg-Vorpommern kommt und das bleibt auch so. Hände weg vom Standort Neustrelitz! Ich bin jederzeit gern bereit, mit dem Deutschen Kulturrat einen Vor-Ort-Termin zu machen. Der Kulturrat bekommt von mir eine schriftliche Einladung. Man hat nach wie vor den Eindruck, dass so mancher aus dem tiefen Westen glaubt, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern noch auf den Bäumen sitzen.“

Ministerium hält am Standort fest

Das Bundesministerium für Familie hält am Standort Neustrelitz fest. „Ein starkes Ehrenamt und ausgeprägtes bürgerschaftliches Engagement sind Markenzeichen unseres Landes. In Deutschland engagieren sich rund 30 Millionen Menschen für das Gemeinwohl, zum Beispiel in Sport- und Kulturvereinen, Kirchen, Rettungsorganisationen, Umweltorganisationen, den Freiwilligendiensten und in der Wohlfahrtspflege. Dieses Engagement ist jedoch ungleich verteilt. Insbesondere in den ostdeutschen Ländern sowie in strukturschwachen und ländlichen Regionen sind bürgerschaftlich und ehrenamtlich getragene Strukturen auf besondere Unterstützung angewiesen. So sind nur 9 Prozent aller Bürgerstiftungen und nur 15 Prozent aller Freiwilligenagenturen Deutschlands im Osten angesiedelt“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Ob in Neustrelitz durch die Stiftung tatsächlich 100 Arbeitsplätze entstehen, ließ das Ministerium offen. „Erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens voraussichtlich im 1. Quartal 2020 wird klar sein, wie die Personalausstattung der Stiftung aussehen wird“, so die Sprecherin.

32,5 Millionen Euro im Bundesetat vorgesehen

Schwerpunkte der Arbeit sollen die Digitalisierung im Engagement, Entbürokratisierung, Nachwuchsgewinnung sowie die Engagementförderung auf dem Land und in Ostdeutschland sein. Die Stiftung soll Ehrenamtsstrukturen stärken sowie Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vernetzen. Im Bundeshaushalt sind 32,5 Millionen Euro für die Stiftung vorgesehen.

Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der deutschen Kultur­verbände und hat seinen Sitz in Berlin. Er versteht sich als Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

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