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Landbäckerei in Carpin verliert den Preiskampf

Die Bäckerei Rotzoll in Carpin hat ihren Betrieb eingestellt. Die Verkaufswagen rollen nicht mehr übers Land. Die Firma geriet in Zahlungsschwierigkeiten.
Hans-Joachim Rotzoll hat vor mehr als 30 Jahren die  Bäckerei in Carpin aufgebaut. Nun werden hier keine Brötchen me
Hans-Joachim Rotzoll hat vor mehr als 30 Jahren die Bäckerei in Carpin aufgebaut. Nun werden hier keine Brötchen mehr gebacken. Heike Sommer
Carpin ·

Das Ende hatte sich schon vor Jahren abgezeichnet. Doch so schnell wollte Hans-Joachim Rotzoll nicht aufgeben. Nun jedoch gibt es für ihn und seinen Sohn – er übernahm vor fünf Jahren die Verantwortung für den Familienbetrieb – keinen Spielraum mehr. Aus, Schluss, vorbei – die Bäckerei in Carpin ist nach 32 Jahren Geschichte. „Das tut richtig weh“, sagt Hans Joachim Rotzoll.

Große Nachfrage nach Rotzoll-Brötchen

Der 70-Jährige hatte 1986 die Chance ergriffen, seinenLebenstraum zu verwirklichen: eine eigene Bäckerei. „Damals gab es einen DDR-Ministerratsbeschluss, wonach auf den Dörfern Landbäckereien und Fleischereien geschaffen werden sollten“, weiß er. Als gelernter Bäcker traute sich der Carpiner diese Aufgabe zu. Ein Jahr später gingen erstmals ofenfrische Brötchen in Carpin über den Ladentisch. „Wir haben damals 4000 Brötchen täglich gebacken, es hätten 20 000 sein können, so groß war die Nachfrage“, erinnert er sich.

Die Geschäfte liefen auch nach der politischen Wende gut. „Die Leute waren froh über jeden privaten Bäckermeister. Denn zu DDR-Zeiten gab es die ja kaum noch. Das Gros der Backwaren kam aus Großbäckereien“, sagt Rotzoll. Zu seinen besten Zeiten – das waren die Nuller-Jahre – beschäftigte Hans-Joachim Rotzoll 44 Mitarbeiter. Eine Flotte von zehn Verkaufswagen brachte die Ware in die Dörfer. Das war das Hauptgeschäft der Bäckerei. Die gelben Transporter waren in der gesamten Seenplatte unterwegs und brachten nicht nur Brot, Brötchen und Kuchen zu den Kunden. „Wir hatten von der Zahnbürste bis zum Waschmittel alles an Bord“, sagt er.

Mit Landhotel und Restaurant schaffte sich das Familienunternehmen neue Standbeine. Ruhetage gab es so gut wie nie. „Sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr war der Laden am Laufen“, berichtet Hans-Joachim Rotzoll.

Als jedoch immer mehr Supermärkte Backstationen ins Haus holten, schmolzen für die Bäckerei Rotzoll die Umsätze. „Wir können die Brötchen nicht für 13 Cent das Stück verkaufen. Da steckt immer noch viel Handarbeit drin. Denn wir backen nicht einfach Teiglinge auf, sondern fertigen den Teig tatsächlich selber“, sagt er.

Plötzlich konnten Kredite nicht mehr bedient werden

Auch der demografische Wandel schlug sich negativ auf die Unternehmenszahlen nieder. „Rentner waren sonst unsere Kunden. Aber die sind heutzutage auch mobiler und fahren selbst in den Supermarkt, statt auf das Verkaufsauto zu warten“, sagt der Carpiner. Von zehn auf drei Fahrzeuge wurde der Fuhrpark verkleinert. Auch die Mitarbeiterzahl sank rapide. Zuletzt beschäftigte die Bäckerei Rotzoll noch zwölf Mitarbeiter.

Doch all diese Maßnahmen halfen nicht, die Umsatzeinbußen und die steigenden Kosten wettzumachen. Im Januar diesen Jahres war das Unternehmen nicht mehr in der Lage, Kredite zu bedienen und die fälligen Krankenkassenbeiträge abzuführen. Mit dem daraufhin eingeleiteten Insolvenzverfahren kam der große Ausverkauf. „Wir sind pleite“, sagt Rotzoll. Er selbst hat aus der Insolvenzmasse den Landgasthof gepachtet und versucht nun damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

„Die Zeit des Bäckerhandwerks ist vorbei. Doch wenn der letzte kleine Bäcker dicht gemacht hat, dann werden die Backfabriken ihre Preise machen. Und die werden nicht so niedrig bleiben wie bisher“, wagt Hans-Joachim Rotzoll eine Prognose.

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Kommentare (8)

Ach, nun sind wieder andere Schuld? Hochmut kommt vor dem Fall.

"Dummheit ist auch eine natürliche Begabung." - Wilhelm Busch.

Ich hab auch noch einen, der Schwachsinn den sie geschrieben haben trifft voll auf sie zu.
Keine Ahnung haben aber hier große Sprüche klopfen.
Sie Al..,.
Meine Frau hat bei dem gearbeitet bis der Bengel das Unternehmen ruiniert hat. Seine erste Handlung war drei Verkaufswagen stillzulegen inkl des Personals.
Zwei Wochen später waren der Lokalfuchs mit Annoncen voll ," suche Verkaufsfahrer". Der war einfach zu blöd ein Unternehmen zu führen, so sieht's aus, Ich_eben du Nachtjacke.
Und noch eins , Schadenfreude ist kein guter Zug am Menschen, aber manchmal kann man sie nicht unterdrücken.
So,nun kannst antworten, oder es bleiben lassen.

Das kennt man von ihnen, andere Kommentarscheiber beleidigen ohne jeglichen Bezug zum Artikel.
Da hab ich auch noch was.
" Mancher ist blöd und merkt es nicht" - von mir.

Krass!
Ich dachte immer Sie wären eine...
Ihre Beiträge klingen immer so herrlich leicht und feminin...

Ich gebe dem Bäckermeister recht, wenn er sagt, dass die Handwerksbäcker mit den Preisen der Discounter nicht mithalten können. Obendrein ist die Qualität auch nicht so besonders. Das jedoch ist dem deutschen Kunden egal. Geiz ist eben geil, sprach der deutsche Verbraucher und merkt nicht, dass er wenn nicht heut eben später von den Discountern über den Tisch gezogen wird. Und sei es durch ungesunde, versalzene Backwaren welche teils in Polen oder sogar außereuropäischen Ausland vorproduziert werden, um hier lediglich aufgebacken zu werden. Auf der anderen Seite jedoch backen bereits auch "Handwerksbäcker" mehr und mehr mit Backmischungen oder Rohlingen welche in Polen produziert werden. Und da sind teilweise "große" Namen aus der Region dabei, welche dann so tun als hätte der Bäckermeister jedes Brötchen selbst in der Hand gehabt.

Warum wird nicht für diesen Bäcker genügt. So wie ich es bei der Rettung vom Lila Bäcker sagte die großen hilft man der kleine kann zu sehen. Hier können jetzt 44 Arbeitnehmer sich im Jobcenter melden. Sind sie schlechter als die vom Lila Bäcker. Was sagen sie denen Frau Ministerpräsidentin. Nichts sagen sie weil ihnen die Arbeitnehmer am Arsch vorbeigehen. Neinnaich sie sind verlogen wie alle anderen Politiker und ihre Partei geht zurecht unter. Zu hoffen bleibt nur das CDU fiogt.

Warum wird nicht für diesen Bäcker gebürgt So wie ich es bei der Rettung vom Lila Bäcker sagte die großen hilft man der kleine kann zu sehen. Hier können jetzt 44 Arbeitnehmer sich im Jobcenter melden. Sind sie schlechter als die vom Lila Bäcker. Was sagen sie denen Frau Ministerpräsidentin. Nichts sagen sie weil ihnen die Arbeitnehmer am Arsch vorbeigehen. Neinnaich sie sind verlogen wie alle anderen Politiker und ihre Partei geht zurecht unter. Zu hoffen bleibt nur das CDU fiogt.