An der Grundschule Sandberg ist man von einem normalen Unterrichtsalltag weit entfernt. Es fehlen Lehrkräfte.
An der Grundschule Sandberg ist man von einem normalen Unterrichtsalltag weit entfernt. Es fehlen Lehrkräfte. Marlies Steffen
Kritik

Lehrermangel in der Sandbergschule Neustrelitz – Eltern sauer

In die Grundschule zieht keine Ruhe ein. Der Lehrermangel ist eklatant und am Montag wurden die Eltern von einer unerfreulichen Mitteilung überrascht.
Neustrelitz

Es ist ein mühsames Ringen, die Fortschritte sind sehr überschaubar und das Bildungsministerium mauert: Nach einer ersten Veröffentlichung zu den Problemen an der Grundschule Sandberg in Neustrelitz haben sich mehrfach Eltern, deren Kinder dort zur Schule gehen, beim Nordkurier gemeldet. Fazit: Trotz aller Bemühungen um eine Verbesserung ist die Situation dort von einer Entspannung weit entfernt.

Eigentlich müsste es an der Bildungseinrichtung mit 207 Schülern 13 Lehrkräfte geben. Lediglich sieben plus der Schulleitung würden derzeit zur Verfügung stehen, sagen die Elternvertreterinnen Kristina Ropenus, Kathrin Engel und Luise Bernhardt. Auch diese Lehrkräfte stünden wegen immer wieder auftretender Erkrankungen nicht permanent zur Verfügung. Vorübergehend wären sogar nur vier Lehrer für acht Klassen vor Ort gewesen.

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Klassen auch über den Flur hinweg unterrichtet

Der Notstand führe zu Unterrichtsausfall und zu Klassenzusammenlegungen. Dies gestalte sich so, dass beispielsweise eine vierte Klasse mit einer ersten oder zweiten Klasse zusammengelegt werde und dann auch verschiedene Unterrichtsinhalte vermittelt würden. Klassen werden demnach auch über den Flur unterrichtet. Mehrere Klassen hätten keine Klassenlehrerin. Eltern würden auch von Auseinandersetzungen zwischen den Schülern berichten. Gerade für die Erstklässler sei die Situation besonders schwierig. Der Bildungsauftrag bleibe unter den benannten Umständen auf der Strecke, dabei würden die Lehrer ihr Bestes geben. „Es ist eher ein Verwahren und vor allem eine extreme Mehrbelastung für die Lehrkräfte“, so das Resümee. Die Elternvertreterinnen fürchten, dass es hinsichtlich der Personalausstattung an der Schule zukünftig noch weitere Aderlässe gibt und die Situation sich noch weiter zuspitzen könnte.

Die Hilferufe wurden anfangs gar nicht gehört

Nach zähem Ringen sei ein regelmäßiger Kontakt mit dem Schulamt und dem Bildungsministerium zustande gekommen. Hilferufe wurden zunächst gar nicht erhört. Zwischenzeitlich gibt es zwar regelmäßige Kontakte. Allerdings haben die Mütter immer noch das Gefühl, dass Transparenz Fehlanzeige ist. Informationen würden nur tröpfchenweise geliefert.

Ein Pool von ehrenamtlichen Kräften, die die Schulleitung unterstützen und sich um die Betreuung von Klassen kümmern – darüber hatte das Bildungsministerium den Nordkurier informiert, ist den Müttern nicht bekannt. „Dieser sogenannte Pool besteht aus einer einzigen Person“, so der Kenntnisstand von Kristina Ropenus, Kathrin Engel und Luise Bernhardt. Die zwischenzeitlich erreichten Verbesserungen brachten aus ihrer Sicht bislang nur kurzzeitige Wirkung. Unerwartet traf die Eltern zudem in dieser Woche ein Brief aus der Schule. Danach wird am Sandberg ab sofort Phase 3 des sogenannten Wechselmodells des Bildungsministeriums praktiziert, mit dem sich die Schulen gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus wappnen wollen. Phase 3 bedeutet, dass es bei sehr eingeschränkten Lehrerkapazitäten für die Klassen einen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Notbetreuung zu Hause gibt. „Uns ist aber kein Fall von Corona an der Schule bekannt“, sagen die drei Mütter.

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Entscheidung viel zu spät mitgeteilt

Viele Eltern sind vor allem auch über die Kurzfristigkeit der Mitteilung verärgert. Eigentlich war seitens des Bildungsministeriums vorgesehen, dass in den Schulen am Donnerstag für die Folgewoche entschieden wird, welches Modell gefahren wird. Die Sandberg-Schule informierte per Brief allerdings erst am Montag.

Trotz aller Schwierigkeiten wollen die Elternvertreter weiter den Kontakt zur Schule, zum Schulamt und zum Bildungsministerium suchen, erwarten aber von dort ein deutlich intensiveres Bemühen um Lehrkräfte, die an die Schule kommen und dort auch bleiben wollen. „Hier in der Mecklenburgischen Seenplatte lässt es sich doch gut arbeiten“, befinden die Mütter. Sie wollen zugleich ihr Bemühen um ehrenamtliche Betreuer aus den Reihen der Eltern verstärken.

Das Bildungsministerium war indessen nicht bereit, Nordkurier-Fragen im Zusammenhang mit der Situation an der Schule zu beantworten. Nicht einmal zu der Frage nach dem allgemeinen Unterrichtsausfall wurde informiert. Eine Sprecherin des Ministeriums verwies auf den Datenschutz und deshalb nicht mögliche Auskünfte.

Eltern, die sich für eine Verbesserung der Situation an der Schule einsetzen möchten, können sich indessen ab sofort unter [email protected] melden.Siehe Kommentar

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