KEIME UND SPüLUNGEN

Wie gefährlich ist das Leitungswasser in Roggentin?

Aus dem Umfeld der Kita in Roggentin wurde bekannt, dass die Kinder kein Leitungswasser mehr trinken sollen. Alle anderen Roggentiner sind im Unklaren gelassen worden.
Tobias Lemke Tobias Lemke
Direkt neben der Kita in Roggentin liegt ein Schlauch, aus dem stetig Wasser auf den benachbarten Acker läuft. Auch in Babke wurde so ein Schlauch installiert.
Direkt neben der Kita in Roggentin liegt ein Schlauch, aus dem stetig Wasser auf den benachbarten Acker läuft. Auch in Babke wurde so ein Schlauch installiert. Tobias Lemke
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Roggentin.

Mit dem Trinkwasser in Roggentin (Mirow) stimmt was nicht. Das ist offensichtlich. An der Kita liegt ein Schlauch, der stetig Wasser aufs benachbarte Feld pumpt. Offenbar wird hier die Leitung gespült. Zudem sei seit Tagen der Wasserdruck sehr niedrig, komme also nur wenig von dem Nass aus der Wand, beschreibt eine Anwohnerin aus dem Nachbardorf Babke. Auch in ihrem Ort liege so ein Schlauch.

„Es gibt allerdings keinerlei offizielle Informationen darüber, was hier los ist“, sagt sie. Die Kindertagesstätte in Roggentin soll hingegen eine Ansage vom Gesundheitsamt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte erhalten haben.

Demnach müsse das Wasser abgekocht werden, bevor die Kinder es trinken können. Auch beim Zähneputzen würden die Erzieherinnen darauf achten, dass die Kinder kein Wasser direkt aus der Leitung verwenden. Aus dem Umfeld der Kita wird dem Nordkurier bestätigt, dass tatsächlich vor einigen Wochen Proben genommen wurden und anschließend Hinweise von der Behörde gekommen waren. Zwar hieß es, dass es keinen ernsthaften Grund zur Besorgnis gebe, trotzdem werde nun gespült.

Grenzwertüberschreitungen bei Wasserkontrolle festgestellt

Die Art der Informationspolitik verwundert und verärgert vor Ort. Es könne ja sein, dass alles halb so schlimm ist. Dennoch reichten die Bedenken aus, um der Kindereinrichtung Handlungsempfehlungen vorzugeben. „Es haben doch auch die Leute in den Dörfern ein Recht auf diese Information“, findet die Babkerin. So gebe es in den betroffenen Orten weitere Kinder, die nicht in die Roggentiner Kita gehen, und eventuell auch Bewohner mit einem geschwächten Immunsystem, etwa Senioren, Schwangere oder kranke Menschen, so ihre Sorge.

Die sei jedoch unberechtigt, heißt es auf Nordkurier-Nachfrage vom Landkreis. „Bei der Wasserkontrolle nach Abschluss von Bauarbeiten in der Kita Roggentin fielen Ende Januar geringfügige Grenzwertüberschreitungen auf, die jedoch keine akute Gesundheitsgefährdung darstellen“, sagt Dr. Franz-Josef Stein, Sachgebietsleiter Hygiene im Gesundheitsamt der Mecklenburgischen Seenplatte.

Wasserrohr-Spühlungen in weiteren Orten

Konkret handle es sich um eine Grenzwertüberschreitung an coliformen Keimen, die als Indikator einer technisch bedingten Verunreinigung gelten. Zusammen mit dem Wasserversorger werde nun an der Beseitigung des Problems gearbeitet. Dazu gehören Netzspülungen, die zu Druckschwankungen führen.

Weil festgestellt worden sei, dass der Kita vor- und nachgelagerte Wasserleitungen ebenfalls geringfügig betroffen sind, seien neben Roggentin weitere Orte von den Spülungen betroffen. Eine gesundheitliche Gefährdung sei aber ausgeschlossen, betont Stein. Gegenüber der Kita sei auch kein behördliches Abkochgebot ausgesprochen worden, vielmehr haben sich die Mitarbeiter der Einrichtung dazu entschieden, ergänzt Stein.

Am Montagvormittag seien erneut Wasserproben entnommen worden, die nun im Landesamt für Gesundheit und Soziales in Neustrelitz näher untersucht werden. Sobald die Ergebnisse vorliegen, könne entschieden werden, ob und wann die Spülaktionen beendet wird.

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