Zwei der Klimaaktivisten: Maja Winkelmann und Jakob Beyer hatten sich an die Pumpstation Glantzhof bei Strasburg festgeklebt u
Zwei der Klimaaktivisten: Maja Winkelmann und Jakob Beyer hatten sich an die Pumpstation Glantzhof bei Strasburg festgeklebt und angekettet. ZVG
Im Kunsthaus Neustrelitz hielten die Klimaaktivisten „Die letzte Generation” erstmals einen Vortrag zu ihren Ziele
Im Kunsthaus Neustrelitz hielten die Klimaaktivisten „Die letzte Generation” erstmals einen Vortrag zu ihren Zielen und ihrer Motivation. Archiv
Klima-Aktivisten

„Letzte Generation” will Mitstreiter in Neustrelitz gewinnen

Die „Letzte Generation“ ist bekannt dafür, sich mit radikalen Methoden selbst zu inszenieren und auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Nun stellte sich die Gruppe in Neustrelitz vor.
Neustrelitz

Die Klimaaktivsten der „Letzten Generation” haben jetzt in Neustrelitz für ihre Aktionen geworben. In einem Vortrag im Kunsthaus sprach Lili Schubert über Motivation und Ziele der selbst ernannten Klimaaktivisten. Bundesweit, aber auch längst im Nordosten ist die Gruppe bekannt dafür, sich auf Straßen, an Ölleitungen oder neuerdings auch an Gemälde alter Meister festzukleben, um so auf den Klimawandel und die - nach Auffassung der Aktivisten - viel zu zögerliche Klimaschutzpolitik aufmerksam zu machen.

So kommt auch der Name der Gruppierung zustande: Die Aktivisten glauben, ihre noch junge Generation sei womöglich die letzte auf Erden, weil die Klimakatstrophe drohe. Eine der lebensgefährlichen Aktionen war 2021 ein mehrwöchiger Hungerstreik in Berlin, um die damaligen Kanzlerkandidaten Baerbock (Grüne), Scholz (SPD) und Laschet (CDU) zu einem Gespräch zu zwingen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Zwei Stadtpolitiker auch beim Vortrag

Durchaus gewagte Ansichten und durchaus fragwürdiges Vorgehen also - doch in Neustrelitz kamen rund 25 Menschen zum Gespräch in der vergangenen Woche. Auch Stadtvertreter Falk Jagszent und Stadtpräsident Ernst August von der Wense (CDU) hörten sich den Vortrag der Aktivisten interessehalber an. „Auf eindrückliche und emotionale Weise hat ‚Die letzte Generation‘ bei dem Vortrag in Neustrelitz dargestellt, was auf die Menschheit und die nächsten Generationen zukommt und was nicht mehr abzuwenden ist“, fasste Jagszent seinen Eindruck zusammen. Es bestehe eine Handlungsproblematik in der Politik bezüglich der Klimakatastrophe. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstütze ein Tempolimit oder die Essensrettung, so der Stadtvertreter.

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„Die letzte Generation“ nutze den zivilen Ungehorsam als historisch gewachsenes Mittel, um eine politische Änderung zu bewirken. „Ich kann die Gedanken und den Impuls nachvollziehen. Die jungen Menschen sind verzweifelt, da in der Klimapolitik nicht adäquat gehandelt wird. Die radikalen Maßnahmen sind jedoch oft nicht zielführend und statt einer positiven Beschäftigung mit dem Thema, wird eher mehr Widerwillen ausgelöst, da die Gewaltfreiheit nicht gewährleistet ist“, findet Jagszent.

Aktivisten planen weitere Vorträge

Auf die Frage, inwieweit die Stadtvertreter die Aktionen und Positionen der „Letzten Generation“ unterstützen würden, meinte Jagszent: „Bei der Gruppe handelt es sich um eine NGO und es wird keine Zusammenarbeit geben. Auch Aktionen sind nicht geplant. Ziel der „Letzten Generation“ ist es, in die Diskussion zu gehen und Aufmerksamkeit zu erzeugen.“

Thomas Kowarik, Leiter des Kunsthauses, unterstützte den Vortrag. „Das Thema ist wichtig. Wir bieten im Kunsthaus jedem Raum. Von radikalen Aktionen distanzieren wir uns aber“, sagte Kowarik. Bei radikalen Methoden verliere man Unterstützer, ist der Kunsthausleiter überzeugt. Die seien in Neustrelitz aber nicht geplant – und wenn dann nur im gesetzlichen Rahmen, glaubt er.

Der Vortrag der „Letzten Generation“ war jedenfalls nicht der letzte. Die Aktivisten planen weitere Vorträge in wöchentlichem oder vierzehntägigen Turnus, jedoch würden noch keine konkreten Termine feststehen, hieß es aus dem Kunsthaus.

Nächste Station ist Greifswald

Die „Letzte Generation“ habe festgestellt, dass die Klimakatastrophe und die Ressourcenknappheit schon lange da seien. Es brodele in der Gesellschaft. „Wir wissen, dass Straßenblockaden ärgerlich sind. Aber wir nehmen den Konflikt in Kauf“, so Schubert. „Wir rufen zu friedlichem zivilen Widerstand auf. Ab Herbst werden wir dann wieder auf der Straße sein. Wir rechnen mit mindestens 500 Personen in Berlin. Wir suchen Menschen mit einer persönlichen Opferbereitschaft, die auch bereit sind, sich verhaften zu lassen. Wir haben Unterstützer aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, junge Leute bis Rentner. Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es viele“, sagte Schubert von der „Letzten Generation“.

Der nächste Vortrag sei für Donnerstag, 29. September, in Greifswald geplant. In Neustrelitz sind keine weiteren Protestaktionen geplant, hieß es von den Aktivisten.

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