INTERAKTIVES EXPERIMENT

▶️ Licht-Show am Theater in Neustrelitz

Ausgerechnet der „Corona-Effekt” gibt der interaktiven Lichtkunst den Namen, die jetzt immer mittwochs am Theater Neustrelitz zu bestaunen ist. Und die Zuschauer gestalten sie mit – denn die Projektion reagiert auf die Bewegung der Menschen auf dem Theatervorplatz.
Die kunstvolle Lichtprojektion nimmt durch Bewegung auf dem Theatervorplatz immer neue Formen an. Foto: Susanne Schulz
Die kunstvolle Lichtprojektion nimmt durch Bewegung auf dem Theatervorplatz immer neue Formen an. Susanne Schulz
Beleuchtungsmeister Eric Wegner (links) und Physiker Marcus Doering bringen mit interaktiven Lichteffekten das Theater in Bewe
Beleuchtungsmeister Eric Wegner (links) und Physiker Marcus Doering bringen mit interaktiven Lichteffekten das Theater in Bewegung. Susanne Schulz
Neustrelitz ·

Die Fassade tanzt, biegt sich, scheint zu zerspringen. So haben Besucher das Theater noch nie gesehen. Die Theaterleute auch nicht: Für sie ist es gleichermaßen spannend, wie in den nächsten Wochen mittwochs zu später Stunde das Portal des Landestheaters in Neustrelitz zum Leben erwacht. Der Begriff „Lichtkunst” kann nur sehr prosaisch benennen, welche Magie dort durch Beleuchtungsmeister Eric Wegner und den Physiker Dr. Marcus Doering erschaffen wird – und, nicht zu vergessen: durch die Menschen auf dem Theatervorplatz. Denn Bewegung verändert die Projektion, lässt Linien zerfallen, zerfallen, zerbersten; Muster entstehen und vergehen: Der Betrachter wird zum Akteur. Und das Theater, in dessen Innerem die Bühne verwaist bleiben muss, zeigt sich draußen umso lebendiger.

Corona-Effekt schon vor zwei Jahren

Was Licht und Bewegung da bewirken, durften Zuschauer vor zwei Jahren in dem Stück „The Corona Effect” erleben, das die Deutsche Tanzkompanie gemeinsam mit Doerings Label PMD-Art auf die Bühnen der Region brachte. Damals kunstvoll in Szene gesetzt, fordert dieselbe Technologie nun unter freiem Himmel die Kreativität des Zufalls heraus. Mit Beginn der neuen Spielzeit, so hoffen die Theaterleute, sollen Besucher nach jeder Vorstellung dieses interaktive Abenteuer erleben können, dessen Schöpfer bis dahin einmal wöchentlich dran tüfteln.

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„Von 1000 Möglichkeiten haben wir erst mal zwei ausprobiert”, sagt Doering. Die Zwangspause des Theaters lässt Zeit, die für solche Experimente sonst nicht übrig wäre. Als „optischen Spielplatz” sieht Eric Wegner das gemeinsame Projekt, ganz nach seinem Geschmack: Die Faszination der Theaterarbeit, mit Licht neue Räume zu erschaffen und die Zuschauer in Erstaunen zu versetzen, ist umso größer bei diesem Projekt im Freien, mit aller gestalterischen Freiheit. Aus der Region stammend und durch die Ausbildung zum Veranstaltungstechniker in seinen Traumberuf gelangt, ist der junge Mann seit vier Jahren Beleuchtungsmeister an der Theater und Orchester GmbH, arbeitete zudem auch schon bei Konzerten, Festivals und Filmproduktionen.

Von der Hauptstadt nach Neustrelitz

Auf einer Wellenlänge weiß er sich in der Verbindung von Technik und Kreativität mit dem Physiker Marcus Doering, den vor zwei Jahren der Künstlerische Leiter der Tanzkompanie, Lars Scheibner, erstmals nach Neustrelitz lockte. Den kannte er aus früherer Zusammenarbeit und ließ sich daher erwärmen für jenes ihm bis dahin unbekannte Städtchen, das nur eine Stunde von Berlin entfernt kulturell wie auch landschaftlich Reizvolles versprach. Und hielt! Inzwischen nämlich ist Doering ein Neustrelitzer geworden und feixt herzlich über Berliner Bekannte, die ihm heute dieselben Fragen stellen wie er damals: Wo ist das? Was ist da?

Gerade jetzt vermisst er die Hauptstadt so gar nicht. Deren kulturelles Angebot ist in Corona-Zeiten eh nicht verfügbar, da schaut er lieber aus seiner Wohnung über die Stadt, wandert ein weiteres Mal um den Zierker See – oder „bastelt” weiter an dem Lichtkunst-Projekt. Jeden Mittwoch um 22 Uhr können Passanten – natürlich unter Einhaltung geltender Abstandsregeln – dabei sein und die Effekte mitgestalten.

Der dem Strahlenkranz des Lichts entlehnte Name „Corona-Effekt” übrigens hat ihm trotz des Corona-Virus noch keine Irritationen eingetragen. Lediglich bei einem Gastspiel der Tanzkompanie im Februar, kurz bevor die Epidemie auch Deutschland lahmlegte, erkundigten sich die Gastgeber in Herford, ob sie das Stück wohl umbenennen dürften. Gezeigt wurde es dann unter dem Titel „Corona-Entladung” ...

 

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