NATURSCHUTZ

Lüttenhagener Amt wehrt sich gegen Kritik vom Promi-Förster

Promi-Förster Peter Wohlleben fährt scharfe Geschütze auf, um gegen das Forstamt Lüttenhagen zu schießen. Dieses ramponiere angeblich den Wald rings um die Heiligen Hallen.
Die Heiligen Hallen sind der älteste Buchenwald Deutschlands. Doch die alten Buchen sterben ab.
Die Heiligen Hallen sind der älteste Buchenwald Deutschlands. Doch die alten Buchen sterben ab. Susanne Böhm
Hundert Meter von den Hallen entfernt findet sich dieser Holzeinschlag. Kritiker wollen weitere Fällungen unterbinden.
Hundert Meter von den Hallen entfernt findet sich dieser Holzeinschlag. Kritiker wollen weitere Fällungen unterbinden. Susanne Böhm
Holz Lüttenhagen
Holz Lüttenhagen
Neustrelitz ·

Deutschlands populärster Förster, Peter Wohlleben – bekannt durch Bücher und Filme – sorgt sich um die Heiligen Hallen bei Feldberg. Das rund 65 Hektar große Schutzgebiet gilt als ältester Buchenwald Deutschlands. Peter Wohlleben kritisiert vor allem den Zustand der umliegenden Wälder. Dieser sei maßgeblich mitverantwortlich am Niedergang der Heiligen Hallen.

Während in den Heiligen Hallen seit mehr als hundert Jahren nicht mehr gewirtschaftet wird, finden in den umliegenden Wäldern regelmäßige Holzeinschläge statt. Zu viele, findet Wohlleben, der sich laut Facebook-Auftritt kürzlich selbst ein Bild vor Ort gemacht hat.

„Die umliegenden Buchenwälder, die ebenfalls Schutzstatus genießen, werden massivst ramponiert durch das zuständige Forstamt Lüttenhagen“, lautet Wohllebens Vorwurf. Er vermutet, dass hier ohne Waldmanagementpläne und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung Holz geschlagen wird. „Das ist schlicht und ergreifend illegal“, moniert er.

„Diese Pläne liegen sehr wohl vor“

Nicht die Hitze der vergangenen Sommer sei für den bedenklichen Zustand der Heiligen Hallen verantwortlich, sondern der massive Holzeinschlag ringsum. Dadurch heize sich die Umgebung so stark auf, dass auch das kleine Schutzgebiet darunter leidet“, sagt Peter Wohlleben. Er habe über eine Anwältin Einsichtnahme in die Bewirtschaftungspläne gefordert, die verweigert wurde – mit dem Hinweis, es handle sich um ein Betriebsgeheimnis, so Wohlleben.

„Das ist öffentlicher Wald und ein Schutzgebiet und ihr seid verpflichtet, nach Umweltinformationsgesetz die Unterlagen herauszugeben“, kritisiert der Waldexperte in dem Facebook-Video. Er fordert, die Holzfällungen in den Wäldern rings um die Heiligen Hallen einzustellen, bis geklärt ist, ob das dortige Vorgehen legal ist. Für Peter Wohlleben ist es das nicht. „Dort wird offenbar gemacht, was man selbst für richtig hält, ohne in die entsprechenden Gesetze zu schauen“, sagt er.

Nicht zum ersten Mal sehen sich Frank Hartzsch und seine Kollegen im Forstamt Lüttenhagen derartiger Kritik ausgesetzt. Entschieden verwehrt sich der Forstamtsleiter gegen Wohllebens Behauptung, man würde die Wälder rings um die Heiligen Hallen ramponieren und ohne Genehmigung und Waldmanagementpläne arbeiten. „Diese Pläne liegen sehr wohl vor und können jederzeit auf der Internetseite des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt sowie auf der MV-Wald-Seite eingesehen werden“, sagt er.

Stress durch Wassermangel

An diesen Plänen haben viele Menschen mitgearbeitet: Forstleute, Naturschützer, Waldbesitzer, Behörden. „Das hat mehrere Jahre gedauert“, macht er deutlich, wie ernsthaft man sich um die schützenswerten 2000 Hektar Wald rings um die Heiligen Hallen kümmere. Der Wald werde dementsprechend bewirtschaftet. „Nachhaltig und schonend“, betont Hartzsch. „Wenn dann an einer Stelle Holz geschlagen wird, heißt das nicht, wir ramponieren den Wald.

Es wird genau darauf geachtet, dass sowohl Altbaum- als auch junger Baumbestand vorhanden sind, dass die Artenvielfalt der Tiere und Pflanzen erhalten bleibt“, sagt er. Für Wohllebens Äußerung, die Heiligen Halle gehen wegen des Holzeinschlages zugrunde, gebe es keine Beweise. Fakt sei aber, dass der über mehrere Jahre währende Wassermangel in der Vegetationsphase, die sehr alten Bäumen extrem gestresst hat. Peter Wohlleben war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Kommentare (6)

nur noch ausgeplünderte Plantagen! Durch die Lücken kann man Steine werfen.

Seit dem die Russen raus sind, kommen die Kettensägen und Harvester nicht mehr zum Stillstand. Besonders die privaten Forstleute räumen alles raus. Der Wald ist in den letzten 20 Jahren immer heller geworden. Das Land hat sein Tafelsilber an korrupte Geschäftemacher aus dem Westen verkauft. Die sehen nur den Gewinn aber nicht den Erholungsraum Wald. Das geht schon soweit, das man als Spaziergänger oder Pilzsammler des Waldes verwiesen wird, weil es angeblich sein Privatgrundstück ist. Muss man noch mehr dazu schreiben?

...ja, es sind Privatgrundstücke.
Und Sie selbst haben es in der Hand. Sammeln Sie Gleichesinnte um sich herum, legen Sie zusammen und kaufen Sie Wald oder prinzipiell Grund und Boden. Dann machen Sie es für alle! frei und kostenlos zugänglich und kümmern sich aber auch um alle damit anfallenden Dinge wie Aufforstung, Versicherung ect.
Oder Sie fahren wie bisher einfach jedes Jahr weiter schön nach Malle, Türkei oder sonstwohin und beschweren sich auch noch die nächsten 30Jahre über die „korrupten Geschäftemacher aus dem Westen“. Wer diese Worte permanent nutzt und alle über einen Kamm schert muss sich aber auch nicht wundern, als „blöder und vertrottelter Ossi“ abgestempelt zu werden, den man ja übern Nuckel ziehen kann.

...ich hol die Russen mit ihren Panzern zurück, dann hauen die Wessis wie 1945 alle wieder ab zurück in den Westen. Das ist nämlich die einzige Sprache was dieses Pack heute noch versteht. Und dann ist der Wald auch wieder für das Volk frei zugänglich und wird staatlich bewirtschaftet.

ist in D frei zugänglich, man muss sich an Verhaltensregeln halten was aber völlig gerechtfertigt ist

Na ja zumindest bei uns war der Wald auch während der DDR nicht überall "frei zugänglich". Auf der einen Seite der Flugplatz, auf der zweiten Seite Honeckers Staatsjagdgebiet, auf der dritten Seite Günther Mittags Jagdgebiet und auf der 4. und letzten Seite ein Munitionslager der sowjetischen Freunde und ein wenig seitlich davon, ein Tanklager der sowjetischen Freunde. Nur eine Straße war offiziell öffentlich, ansonsten stand fast überall ein Schild " Verkehrverbot für Fahrzeuge aller Art, außer mit Genehmigung" und selbst zu Fuß konntest Du schnell in Ungnade fallen. Jeder Förster oder "Futtermeister" hatte das Recht, Dich aus dem Volkseigentum Wald zu verweisen. Heute kann ich fast überall hin, wenn ich Erholung suche und ich kann heute selbst in Seen baden, die ich nur bis vor 1958 besuchen durfte. Also ganz so schrecklich ist es ja wohl nicht. Ja - und obwohl ich auch dafür bin, daß die Wälder auch der Allgemeinheit zugänglich bleiben sollen, muß ich respektieren, daß jeder über sein Privateigentum verfügen kann.