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Luftwaffen-Offizier nimmt Landrat wegen Tiefflügen in die Pflicht

Extreme Manöver mit Eurofightern und Tornados sorgen seit einigen Wochen in der Mecklenburgischen Seenplatte und der Uckermark für Ärger. Bundestagskandidat und Offizier Johannes Arlt hat eine Idee.
Eurofighter von der Luftwaffenschule in Laage bei Rostockfliegen regelmäßig über Mecklenburg-Vorpommern und Br
Eurofighter von der Luftwaffenschule in Laage bei Rostockfliegen regelmäßig über Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bernd Wüstneck
Johannes Arlt will die Luftwaffe und Betroffene an einen Tisch holen.
Johannes Arlt will die Luftwaffe und Betroffene an einen Tisch holen. ZVG
Neustrelitz ·

Sie donnern in nur 200 Metern Höhe über die Feldberger Seenlandschaft, sie verursachen den Überschall-Knall über der Uckermark, sie sind laut, sie sind schnell, sie sind unangenehm: Kampfjets der deutschen Luftwaffe sorgen seit einigen Monaten im Nordosten mit ihren Übungen verstärkt für Ärger.

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Luftwaffen-Offizier und Bundestagskandidat Johannes Arlt (SPD) aus Neustrelitz hat eine Idee, wie Luftwaffe und Bevölkerung aufeinander zugehen könnten: Ein runder Tisch, besetzt mit Vertretern der Bundeswehr, Bürgermeistern und Betroffenen, soll gegenseitiges Verständnis fördern. Zudem, so sein Vorschlag, soll die Luftwaffe Übungen in den Medien ankündigen, damit die extremen Manöver über der Mecklenburgischen Seenplatte und der Uckermark zumindest nicht unvorbereitet über Einheimische und Urlauber hereinbrechen.

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„Vorausschauende Kommunikation wäre ein riesiger Schritt in die richtige Richtung”, sagt der 37-Jährige. „Die Interessen sind komplett unterschiedlich. Die einen vermarkten Stille, andere haben gut bezahlte Arbeitsplätze bei der Luftwaffe. Alle sollten bei einer Lärmschutzkonferenz ins Gespräch kommen.”

Übungsflüge wenigstens ankündigen

Zwar sei er nicht für ein Verbot von Übungsflügen, doch sei er überzeugt, dass diese wenigstens angekündigt werden können, damit sich die Menschen nicht erschrecken und sensible Haustiere gegebenenfalls rechtzeitig ins Haus gebracht werden können. Natürlich sei es vom Wetter abhängig, ob geflogen wird. Aber der Zeitraum, in dem eventuell geflogen werden könnte, könne durchaus bekannt gegeben werden. Hierfür müsse die Bundeswehr ihre Öffentlichkeitsarbeit nur ein kleines bisschen verbessern.

Wer soll die Lärmschutzkonferenz organisieren? Johannes Arlt sieht ganz klar Heiko Kärger (CDU), den Landrat der Mecklenburgischen Seenplatte, in der Pflicht. Er solle Kontakt zur Luftwaffe aufnehmen und einen runden Tisch in die Wege leiten. Schließlich gehöre sein Landkreis zu denen, die am stärksten betroffen sind.

Heiko Kärger zeigte sich allerdings wenig begeistert. „Grundsätzlich steht es jedem Bundestagskandidaten frei, Ideen in Vorbereitung auf den Wahlkampf zu äußern und öffentlich bekannt zu geben. Gerne können nach der Wahl die Bundestagsmitglieder Pläne an Herrn Kärger oder an den Kreistag herantragen”, ließ der Landrat auf Nordkurier-Nachfrage über seine Sprecherin Tilla Steinbach ausrichten. Johannes Arlt bleibt nach eigenen Aussagen dran und ist mit vielen Menschen im Gespräch.

Der Eindruck, dass über Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg besonders häufig geflogen wird, täuscht übrigens, sagt Johannes Arlt. Die Flüge würden gleichmäßig über ganz Deutschland verteilt. Richtig sei jedoch, dass in diesem Jahr vermehrt über Deutschland geflogen wird. Hintergrund sei eine politische Entscheidung. Übungsflüge, die vor einige Zeit in den USA, Kanada oder Italien durchgeführt wurden, seien jetzt aus finanziellen Gründen nach Deutschland verlagert worden. Schließlich koste es enorm viele Steuergelder, Kampfjets für Übungsflüge um die halbe Welt fliegen zu lassen.

Die Linksfraktion im Kreistag hatte unlängst einen Anlauf unternommen, die Übungsflüge über der Seenplatte zu stoppen. Ihr Vorstoß war jedoch mehrheitlich abgelehnt worden. Viele Kreistagsmitglieder waren sich einig, dass der Landkreis dafür nicht zuständig ist.

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Kommentare (6)

Wer solche Menschen in den Bundestag wählt, wählt den Krieg. Deutschland braucht solche Kriegstreiber nicht! Übt dort wo ihr kämpft für andere und nicht für das eigene Volk, wir leiden fast täglich unter dem Militarismusmüll.

Sehr geehrter Herr Arlt,
was Sie hier von sich geben ist so etwas von verlogen. Wenn Sie hier von einer Lärmschutzkonferenz faseln, ist das vollkommener Blödsinn. Dann würde es nicht darum gehen, wie die Bevölkerung vor den Auswirkungen ihrer Kriegsspielchen geschützt werden kann. Sie wollen den Lärm ihrer Jets über uns schützen.
Egal was bei so einer Konferenz erzählt und/oder beschlossen würde, der Lärm wäre danach genauso hoch.
Also hören Sie mit dem Politikergefasel auf, es ist peinlich.
Und glauben Sie mir, im Gegensatz zu Ihnen weiß ich, wovon ich rede.

Den Rechtsstreit will ich sehen, in dem Sie ein bundesweites Flugverbot gegen ein Natomitglied erwirken, um "die Bevölkerung vor Kriegsspielchen zu schützen".

Ich glaube Sie missverstehen den Sachverhalt, dass Sie nicht um Erlaubnis gebeten werden müssen.

wieder mal nichts verstanden? Es geht nicht darum, der Luftwaffe das Fliegen verbieten zu wollen. Es geht darum, dass hier von dem Herrn eine „Lärmschutzkonferenz“ angeregt wird, die der Landrat veranstalten soll. Welches Ziel kann denn eine solche Konferenz haben, wenn feststeht, dass wie Sie richtig feststellen, die Flüge nicht abnehmen?
Die Lärmbelastung, der die Bürger am Boden ausgesetzt sind, der sie nicht ausweichen können und vor der sie sich nicht schützen können, bleibt genauso hoch wie ohne Konferenz.
Also kann das Ziel der Veranstaltung nur sein, warme Luft zu erzeugen. So ein Vorschlag klingt im Wahlkampf aber gut, Sie scheint er ja beeindruckt zu haben. Für mich ist es miese Propaganda.

einfach mal drüber nachdenken warum die NATO eigentlich gegründet wurde, das erklärt alles

aber die Karavane zieht weiter. Wie immer wenn jemand von der SPD eine glorreiche Idee hat. Und wenn mal wieder das Geld knapp ist: Die nichtsnutzigen Politiker haben im Jahr 2020 377 mal die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch genommen. Eine Begründung für die Inanspruchnahme hatten sie selbstverständlich...LOL