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Millionen-Nachlass entpuppt sich als Betrug

Kriminelle versenden in  Neustrelitz dubiose Faxe, um Geld  zu erbeuten.
Kriminelle versenden in  Neustrelitz dubiose Faxe, um Geld  zu erbeuten.
Georg Wagner

In Neustrelitz hat dieser Tage alles nach einem Märchen, das wahr werden sollte, ausgesehen. Es ging um den in der Ferne verstorbenen steinreichen Unbekannten und um sein Erbe. Doch das nur auf den ersten Blick, wie sich ganz schnell herausstellte.

Die angeblich gute Nachricht schob sich dieser Tage auf dem Papier aus dem Faxgerät: Der Ingenieur Johnson Rauchmann hat in Spanien eine Summe von 13,5 Millionen Dollar hinterlassen. Die Summe ist in einem Schließfach hinterlegt. Und ausgerechnet Katrin und Uwe Rauchmann aus Neustrelitz haben nun gute Karten, einen Teil des Geldes in die Hände zu bekommen. Doch damit nicht genug.

Mit dem Mäntelchen der Wohltätigkeit umhüllt sich das Schreiben auch noch: Ein Teil des hinterlassenen Reichtums soll für den guten Zweck eingesetzt werden.  Das behauptet jedenfalls die Autorin der Nachricht.

Angebliche Anwältin aus Barcelona

Eine Frau, die sich als Anwältin des inzwischen verstorbenen Ingenieurs Johnson Rauchmann ausgibt. Sejas Martinez nennt sie sich, und sie will im spanischen Barcelona zu Hause sein. Rauchmanns aus Neustrelitz ist die Angelegenheit gleich suspekt vorgekommen. Und das Gefühl hat das Ehepaar aus der Residenzstadt nicht einmal getäuscht. „Das ist ein schlecht gemachter Betrugsversuch“, bestätigt Steve Kühl, Berater bei der Neuen Verbraucherzentale in Neubrandenburg. Normalerweise kommen solche Schreiben per Email. Sie sollen seriös wirken.

Auf dem Fax an Katrin und Uwe Rauchmanns etwa ist eine Waage zu sehen – ein Symbol, das häufig mit Justitia in Verbindung gebracht wird. Darunter steht Abogados – das spanische Wort für Anwälte. Bei genauerem Hinsehen, erkennt man allerdings, dass der Brief getürkt ist, bekräftigt Steve Kühl. Das Deutsch ist holprig und fehlerhaft. Sätze wie, „falls das Geschäftsleben nicht Ihrer Moral entspricht, dann bitte ich Sie meine Entschuldigung zu akzeptieren...“, finden sich nicht in offiziellen Schreiben. Offensichtlich hat sich hier jemand lediglich einer Übersetzungsmaschine via Internet bedient.

Weder Telefonnummer noch Adresse stimmen

Die angegebene Anwalts-Adresse in Barcelona lässt sich zudem im heutzutage fast alles wissenden Internet nicht auftreiben. Eine angegebene Telefonnummer kann nicht stimmen, es kommt keine Verbindung zustande.

Die Verfasser solcher Schreiben möchten eigentlich auch, dass ihre Adressaten per Mail antworten, sie haben sie dann am Haken, haben eine Kontaktadresse von ihrem potenziellen Opfer, sagt Verbraucherzentralen-Berater Steve Kühl. Wer indessen seine E-Mail-Adresse preisgebe, komme mitnichten in den Genuss des versprochenen Geldes. Er verwickelt sich lediglich weiter in der Betrugsmaschinerie. Meistens wird später eine Gebühr eingefordert, um an den Nachlass herankommen zu können. In der Regel um die 400 Euro. Wer das Geld überweist, sieht es nicht wieder, so die Erfahrungen aus der Neuen Verbraucherzentrale.

Die Masche ist nicht neu, sagt Steve Kühl. Im Grunde würde sich lediglich die Vorgehensweise ändern, die Mechanismen seien immer die gleichen: Menschen sollen um ihr Geld gebracht werden.