BAUARBEITEN

Mirows Torhaus ab sofort wie von Christo verhüllt

Mirows ältester Profanbau ist hinter einem Baugerüst und unter einer Schutzhülle verschwunden. Wenn beides wieder verschwindet, soll das Gebäude glänzen.
Tobias Lemke Tobias Lemke
Mirows Torhaus wird in den nächsten Monaten aufwendig saniert. Die Arbeiten sind erst kürzlich gestartet worden, haben aber bereits neue Erkenntnisse für die Stadtgeschichte zutage befördert.
Mirows Torhaus wird in den nächsten Monaten aufwendig saniert. Die Arbeiten sind erst kürzlich gestartet worden, haben aber bereits neue Erkenntnisse für die Stadtgeschichte zutage befördert. Tobias Lemke
Projektleiterin Jeannette Venohr und BBL-Pressesprecher Christian Hoffmann zeigen auf welches Dachziegel-Muster die Wahl fiel, wobei die Farbgebung noch etwas anders sein wird.
Projektleiterin Jeannette Venohr und BBL-Pressesprecher Christian Hoffmann zeigen auf welches Dachziegel-Muster die Wahl fiel, wobei die Farbgebung noch etwas anders sein wird. Tobias Lemke
Mirow.

Verhüllt steht das Mirower Torhaus in der Sonne, als ob der Künstler Christo seine Hände im Spiel gehabt hätte. Dennoch ist das Gebäude ein offenes Buch für die Restauratoren und Denkmalpfleger. An dem 1588 errichteten Gebäude am Eingang zur Mirower Schlossinsel haben umfassende Sanierungsarbeiten begonnen. So liegt derzeit zum Beispiel im Untergeschoss der Fußboden offen und erlaubt einen Blick aufs Fundament – und da gab es jetzt Überraschendes zu entdecken.

„Unterschiedliche mittelalterliche Fundamente zeugen von einem Vorgängerbau“, berichtet Jeannette Venohr. Sie ist für das Mirower Sanierungsvorhaben die zuständige Projektleiterin beim Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) MV. Zuvor hatte man lediglich vermutet, dass bereits die Johanniter eine Art Wachhaus an der Stelle errichten ließen, um die Komturei auf der damaligen Halbinsel zu schützen.

Analyse der Putzschichten

Aber die Restauratoren haben noch mehr Geheimnisse gelüftet. So zeigt eine Analyse der Putzschichten, wo am Gebäude früher der Wall anschloss und wo genau im Obergeschoss die Ausgänge zum Wall lagen. Große Teile der Fassade verfügen dabei noch heute über den bauzeitlichen, sprich den originalen Putz von 1588. Das sei bemerkenswert, aber nicht ungewöhnlich, so Venohr.

Interessant auch: Das Torhaus muss um 1900 einmal Rathaus der Stadt gewesen sein. Davon zeugen alte Aufnahmen. Bauliche Veränderungen hat es am Torhaus immer wieder mal gegeben. So wurden etwa für die Mirower Ratsherren die Fenster vergrößert. Auch der Anbau am Giebel der Durchfahrt sei nachträglich entstanden.

Etwas mehr als 1,5 Millionen Euro investiert das Land in die Sanierung des Mirower Torhauses, wobei 1,4 Millionen Euro über das europäische Förderprogramm EFRE abgedeckt sind. „Dabei gilt, dass wir erhalten nicht allein des Erhalts wegen, sondern auch, um das Gebäude zu nutzen“, sagt BBL-Sprecher Christian Hoffmann. So werde künftig die Museumspädagogik fürs Schlossmuseum ins Untergeschoss einziehen. Oben wird es Büro-, Archivräume und einen Versammlungsraum geben. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten zum Abschluss gebracht werden, falls es keine weiteren Überraschungen gibt, was beim Sanieren alter Häuser immer mal vorkommen könne.

Fassade wird mit einer Kalkfarbe gestrichen

In den nächsten Wochen und Monaten wird nun das Dach komplett erneuert, wird die gesamte Haustechnik modernisiert, im Untergeschoss ein neuer Fußboden gebaut und unterm Dach der Zuschnitt der Räume verändert. Was die äußere Hülle betrifft, so werden Schadstellen am Originalputz ausgebessert und an der restlichen Fassade neuer Kalkputz aufgetragen. Anschließend werde das Torhaus mit einer Kalkfarbe gestrichen. „Die verwittert zwar schneller, ist aber dennoch das Beste fürs Gebäude“, sagt Venohr. Denn die Farbe versiegle die Flächen nicht.

Zudem werde an einer Stelle eine Illusionsmalerei entstehen, welche eine scheinarchitektonische Fassadengliederung durch Säulen suggerieren wird. Denn diese Malerei habe es nach Befunden der Restauratoren tatsächlich mal am Torhaus gegeben, erklärt Venohr. Eine Sache gilt es jedoch noch herauszufinden, und zwar, ob der Südgiebel mal mit einer Sonnenuhr ausgestattet war. „Das wird bisher nur vermutet und wir wollen das noch genauer untersuchen“, so Venohr.

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