Ausstellung in Neustrelitz
Mit dem Mini-Lexikon startet das Daniel-Sanders-Jahr

Daniel Sanders Wörterbücher wurden auch in Miniatur-Ausgaben gedruckt. Diese ist im Kulturquartier zu sehen.
Daniel Sanders Wörterbücher wurden auch in Miniatur-Ausgaben gedruckt. Diese ist im Kulturquartier zu sehen.
Susanne Böhm

Mit einem Preis und einer Ausstellung wird der Veranstaltungsreigen zu Ehren des Sprachforschers eröffnet. Und mit der Frage: Wo sind seine Werke geblieben?

Mit der Verleihung des Daniel-Sanders-Sprachpreises am Freitag und der Eröffnung einer Ausstellung über den Sprachforscher am Sonnabend startet Neustrelitz am Wochenende ins Daniel-Sanders-Jahr. Zum 200. Geburtstag des Lexikografen, der 1897 in Strelitz starb, drehen sich bis Ende November verschiedene Veranstaltungen und Aktionen um ihn.

Am Freitag verleiht die Stadt Neustrelitz um 18 Uhr im Kulturquartier zum 20. Mal den Sanders-Sprachpreis an Schüler. In diesem Jahr lagen der Jury 16 Sachtexte der Klassenstufen sechs bis zwölf aus Regionalschulen und dem Gymnasium vor. Wer den mit 500 Euro dotierten Preis bekommt, wird erst am Freitag bekannt gegeben.

Briefe und Zettelkästen – alles verschollen

Am Sonnabend wird dann um 15 Uhr die Ausstellung „Daniel Sanders 200“ im Kulturquartier eröffnet. Lexikograf Sebastian Göttel von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Kulturquartier-Direktor Albrecht Pyritz haben die Schau in den vergangenen Monaten vorbereitet und in dieser Woche aufgebaut.

Anhand von Informationstafeln und Exponaten bekommen die Besucher einen Eindruck von der Arbeit des bedeutenden Sprachwissenschaftlers. Vom briefmarkengroßen Mini-Wörterbuch mit zugehöriger Lupe als früher Werbegag über das dreibändige Wörterbuch der Deutschen Sprache bis zu Briefwechseln sind einige Originale von Daniel Sanders zu sehen.

Sprachwissenschaftler hätte das Olympiastadion gefüllt

„Sanders hatte zu Lebzeiten viele Fans. Hätte er eine Lesung im Olympiastadion gegeben, hätte er jeden Platz gefüllt“, beschreibt Albrecht Pyritz den damaligen Bekanntheitsgrad des Dichters. Rund 60 Bücher und mehr als 200 Aufsätze hat Sanders veröffentlicht, weiß Sebastian Göttel. Heute sei die Erinnerung an ihn jedoch in weiten Teilen der Bevölkerung verloren gegangen. Und auch viele Originale seien verschwunden.

„Unser Wissen über Sanders ist auf einem Stand von vor 15 bis 20 Jahren. Es gibt nicht viele Publikationen über ihn. Unser Wissen wird immer wieder recycelt“, sagte Sebastian Göttel. Umso wichtiger sei die Suche nach authentischen Objekten. „Briefe von Sanders, seine Zettelkästen – er muss eine große Bibliothek gehabt haben. All das muss irgendwo sein. Solange man damit Geld machen kann, glaube ich nicht, dass es endgültig verschollen ist“, sagt der Germanist.

Mit dem Tod des Stiefsohns verliert sich die Spur

„Seine Spuren lassen sich bis 1912 verfolgen. Dann starb sein Stiefsohn und die Spur reißt ab.“ Im Testament seiner Nichte sei nicht nachvollziehbar, wo Sanders‘ Erbe ist. Auch Verkäufe und Ankäufe über Auktionshäuser seien nicht rekonstruierbar. „Ich werde noch ganz, ganz viele Landesarchivbesuche unternehmen. Irgendwann lässt sich das vielleicht klären“, hofft er.

Zu der Sanders-Schau gehört auch eine Wanderausstellung, die verbunden mit einem Rahmenprogramm aus Führungen, Gesprächen und Filmen an Schulen gezeigt werden kann. Ab April bietet Stadtpräsident Christoph Poland zudem Stadtführungen auf den Spuren von Daniel Sanders an. Höhepunkte des Sanders-Jahrs sind die Uraufführung eines neuen Sanders-Musicals am 8. November im Gymnasium Carolinum, die Verleihung des Daniel-Sanders-Preises am 12. November in Berlin und eine Festveranstaltung am 16. November in Neustrelitz.