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Mönch & Bauernjunge lassen Hüllen fallen

Vereinte Kraft: Gemeinsam mit Margit Herz vom Sanierungsträger BIG Städtebau und CDU-Fraktionschef Andreas Petters (samt Sohnemann) brachten Baudezernent Karsten Rohde und Bürgermeister Andreas Grund (von links) die Skulptur ans Licht.  FOTO: Sz

VonSusanne SchulzAls „Schatten einerfrüheren heilen Welt“darf das Denkmal auf dem Neustrelitzer Riefstahlplatz verstanden werden.Neustrelitz.Kaum dass ...

VonSusanne Schulz

Als „Schatten einer
früheren heilen Welt“
darf das Denkmal auf dem Neustrelitzer Riefstahlplatz verstanden werden.

Neustrelitz.Kaum dass die „Lappland Handbells“ aus der finnischen Partnerstadt Rovaniemi das Neustrelitzer Geburtstagsfest eingeläutet hatten, mischt eine weitere Glocke im Stadtbild mit: In den Händen eines Bauernjungen, der einem segnenden Mönch voraus eilt. Die beiden Figuren aus verzinktem, blau lackiertem Stahlblecherinnern auf dem Riefstahlplatz an den Maler Wilhelm Riefstahl, der 1827 in der Residenzstadt geboren wurde.
Noch immer kennen wohl nicht allzu viele Strelitzer den Künstler, mutmaßt Bürgermeister Andreas Grund – nicht ohne auf die erst jüngst im Museum gezeigte Ausstellung über „einen der bedeutendsten Söhne der Stadt“ zu verweisen. Bei der Neugestaltung des nach ihm benannten Platzes sei es dem Sanierungsträger BIG Städtebau Herzenssache gewesen, dem „Meistermaler des Nordens“ ein Denkmal zu setzen.
Geschaffen wurde es von dem in Lelkendorf in der Mecklenburgischen Schweiz ansässigen Künstler RolfWicker, der die Enthüllung krankheitshalber absagen musste, jedoch seine Eindrücke übermittelte. Im ersten Moment unverständlich und wie aus einer fernen Welt in die Gegenwart verschlagen könne das Duo wirken, stellt er fest und möchte es als „humorvollen Anachronismus“ verstanden wissen: „Wie Schatten einer früheren heilen Welt durchstreifen die Figuren den Platz und wandern scheinbar läutend und segnend durch Neustrelitz.“
Zu dem Entwurf angeregt wurde Wicker durch eineStudie zu dem Werk „Segnung der Alpen“: Das typisches Motiv Riefstahls zeuge von dessen zeit- und gesellschaftskritischer Haltung, seinen Zweifeln an der Moderne. Ob das Denkmal „als humorvolle Platzgestaltung oder als Appell zu tiefer Innerlichkeit und bewusstem Leben“ verstanden werde, hänge „von der Ernsthaftigkeit des Betrachters“ ab. Die ersten wohlmeinenden Betrachter wünschen der nur wenige starken Silhouette jedenfalls, dass nicht rasante Autofahrer oder kraftprobensüchtige Passanten ihr Mütchen daran kühlen.

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de