Um seinen aktuellen Verbrauch abzulesen, braucht Bogumil Nowicki nur auf den Wasserzähler im Bad oder Wärmezähl
Um seinen aktuellen Verbrauch abzulesen, braucht Bogumil Nowicki nur auf den Wasserzähler im Bad oder Wärmezähler an den Heizungen zu schauen. Tobias Lemke
Verbraucher

Monatliche Heizkosten-Abrechnung – Mieter befürchtet Bürokratie-Irrsinn

Wohnungen, in denen die Verbräuche per Fernablesung registriert werden, erhalten neuerdings eine monatliche Übersicht zugesandt. Das bringt viel Kritik ein.
Neustrelitz

Ein Knopfdruck am Wärmezähler seiner Heizung und Bogumil Nowicki weiß, was er verbraucht hat. Ähnlich ist es mit seinem Wasserverbrauch. Da muss er nur die Klappe in der Wand in seinem Bad öffnen und einen Blick auf die Wasseruhr werfen. Trotzdem bekommt der Neustrelitzer Rentner (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) neuerdings eine Monatsübersicht über seinen Heizkostenverbrauch per Brief zugeschickt. „Das ist totaler Irrsinn, ich brauche das nicht“, sagt der 79-Jährige.

So wie ihm wird es etlichen Mietern gehen. Seit Dezember vorigen Jahres gilt eine neue Heizkostenverordnung. Demnach müssen Vermieter, die über fernablesbare Heizkörper verfügen, ihren Mietern einmal monatlich detaillierte Verbrauchsangaben zukommen lassen. Damit sollen Mieter in die Lage versetzt und ermuntert werden, Energie zu sparen. Aufgrund der aktuellen Preisentwicklung bei Wärme- und Energieversorgung achten viele Verbraucher darauf aber wohl auch so, ganz ohne Monatsübersicht.

„Es ist der Wille des Gesetzgebers“, erklärt Uwe Engelmann, Geschäftsführer der Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft (Neuwo). Die Briefe müssen also versendet werden. „Es sei denn, der Gesetzgeber erkennt, dass es nicht viel bringt, und kassiert das wieder“, so seine Hoffnung. Allein in 2000 Wohnungen der Neuwo läuft mittlerweile die Ermittlung des Wärmeverbrauchs über die Fernablesung. Künftig werden es sogar alle sein, da die Fernablesung bis Ende 2026 zur Pflicht wird.

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Nun kommen noch Portokosten dazu

Den Ärger mancher Mieter kann Engelmann nachvollziehen. Der Nutzen der Monatsübersicht halte sich in Grenzen. So gebe es keine Vergleichswerte in den Schreiben, der Mieter könne daher nur wenig damit anfangen, findet er. Hinzu kommt, dass gerade Ältere die Option für einen Mailversand nicht wählen wollen oder können. Daher laufen bei ihnen nun Briefe und auch Portokosten auf. Bei der Berechnung gebe es übrigens Unterschiede zwischen den jeweiligen Fernablese-Anbietern, erklärt Engelmann. Manche berechnen einen Durchschnitt für alle Parteien, je nachdem wie viele Mieter eines Hauses eine postalische oder digitale Benachrichtigung wollen. Andere bitten nur die zur Kasse, die die Übersicht per Post bekommen. Wieder andere Anbieter würden den Mailversand sogar ablehnen, wenn sich nicht genügend Mieter eines Hauses dafür entscheiden.

Er würde gern auf diese Briefe verzichten

Für Bogumil Nowicki jedenfalls steht fest, dass er gerne auf die Briefe verzichten würde, wenn er nur könnte. Er habe zwar ein Smartphone, aber mit dem Empfang von Emails wolle er sich nicht mehr auseinandersetzen. „Ich bekomme doch eine ausführliche Jahresabrechnung, mit der kann ich gut leben“, sagt der frühere Fernmelde-Techniker. Es seien bei ihm zwar nur 6,90 Euro Porto im Jahr, aber die müssten eben nicht sein. Viel schlimmer findet der Rentner aber, dass mit der neuen Regelung tonnenweise Papier nutzlos durch die Republik geschickt werde.

Was das Portogeld betrifft, so ist hierzu noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Deutsche Mieterbund (DMB) ist der Auffassung, dass diese nicht von den Mietern zu zahlen sind. Das Porto für die Heizkostenabrechnung habe schon immer der Vermieter gezahlt, das seien Verwaltungskosten, welche die Vermieter nicht an den Mieter weiterleiten dürfen, erklärte jüngst der Neubrandenburger DBM-Vorsitzende Jochen Lansky. Er empfiehlt daher, die jährliche Nebenkostenabrechnung genau darauf zu kontrollieren und gegebenenfalls durch den Mieterbund prüfen zu lassen. Unterstützt werde vom Mieterbund dabei das Ansinnen, die monatlichen Informationen kostengünstig über den digitalen Weg zukommen zu lassen. Natürlich müsse der Mieter sein Wohnungsunternehmen vor unnötigen Kosten schützen. Nach Einschätzung des DMB sei es auch mietvertragliche Nebenpflicht des Mieters, offen seine Möglichkeiten zu nutzen, die Verbrauchsinformation über das Internet zu beziehen. Noch gebe es dazu aber keine Rechtsprechung.

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Kommentare (1)

Es gibt auch Vermieter, die lassen für den Mailversand bzw. für diesen monatlich, innerbetrieblichen Aufwand Kosten auf die Mieter umlegen.