Aufbauhilfe aus Wesenberg
Mongolen setzen auf „Unser Bäcker“

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In Ulan-Bator grüßt das Wesenberger Pfannkuchen-Männchen von einem Firmenschild. Im Geschäft gibt es deutsches Brot und deutsche Brötchen. Die ganze Geschichte hat Jörg Reinhold, Bäckermeister aus Wesenberg, jetzt dem Nordkurier erzählt. 

Reisende aus Mecklenburg-Strelitz dürften sich vor Verwunderung die Augen reiben. Wen es vielleicht mal in die mongolische Hauptstadt Ulan-Bator verschlägt, der könnte beim Schlendern durch die Millionenmetropole an der German Bakery, einer deutschen Bäckerei, vorbei kommen. Das Pfannkuchen-Männchen, das dort als Logo an der Eingangstür grüßt, könnte dem Reisenden sehr bekannt vorkommen. Denn in und um Wesenberg schmückt es auch die Produkte und Filialen der Bäckerei „Unser Bäcker Reinhold“.

Wie es der lustige Pfannkuchen-Mann bis ins rund 8000 Kilometer entfernte Ulan-Bator schaffte, das kann Wesenbergs Bäckermeister Jörg Reinhold erklären. Das kopierte Firmenlogo hat nämlich seinen Segen. Im vorigen Jahr half der Bäckermeister im Ruhestand einer mongolischen Familie ihr Geschäft nach deutschen Vorbild aufzubauen. Bei der Einrichtung ihrer Bäckerei übernahmen die Mongolen kurzerhand das Maskottchen aus Wesenberg.

Bereits 2012 war Reinhold als Senior-Experte für die Stiftung „Brot gegen Not“ in Albanien unterwegs und half dort bei der Ausbildung junger Bäckergesellen. Dieses Mal sei es aber weniger ein Hilfseinsatz gewesen, sondern vielmehr die Unterstützung von Freunden, erzählt Reinhold. Der Kontakt in die Mongolei sei über die Handelsbeziehungen eines gemeinsamen Bekannten zustande gekommen. Ein früherer Gefährte, aus der Zeit als Jörg Reinhold noch zur See fuhr, betreibt inzwischen eine Exportfirma. Seine mongolischen Partner, das Ehepaar Tsengelmaa und Bayarkhuu, wollten sich mit der Bäckerei ein zweites Standbein aufbauen. „Beide haben in Deutschland studiert und hier deutsches Brot lieben gelernt“, sagt Reinhold. 

Nicht alle Zutaten gibt es wie in Deutschland

Von Juni bis September vorigen Jahres war der Wesenberger zusammen mit Ehefrau Siegrun nun in die Mongolei gereist. Technik wie Backofen oder Knetmaschine hatte Reinhold im Auftrag der Mongolen vorab in Deutschland organisiert und verschifft. In den ersten Wochen in Ulan-Bator ging es dann zunächst ans Probe-Backen. „Man bekommt natürlich nicht alle Zutaten, die es in Deutschland gibt“, erzählt Reinhold von den Widrigkeiten vor Ort. Das Roggenmehl konnte schließlich aus Russland organisiert werden. In Sachen Quark jedoch musste der Bäckermeister zum Beispiel improvisieren und auf Joghurt zurückgreifen. Schrotbrot, Mischbrot, Brötchen, Pfannkuchen und Blechkuchen galt es in annähernd guter Qualität wie in Deutschland herzustellen, so der Wunsch der mongolischen Bäckerei-Besitzer.

Neben dem Wissens-Transfer standen aber immer auch Erkundungstouren durch ein Land auf dem Programm, das bei nur drei Millionen Einwohnern vier Mal größer ist als Deutschland. „Der Duft der Steppe ist unbeschreiblich und die Weite ist einfach nur faszinierend“, schwärmt Reinhold. Gemeinsam mit ihren Gastgebern Tsengelmaa und Bayarkhuu konnte das Wesenberger Paar zudem eine gehörige Portion mongolischer Lebensart mit erleben. Beim Naadam, dem Nationalfest der Mongolen mit Reiter- und Ringerwettkämpfen waren Reinholds mitten drin. Das Leben in der Jurte, dem traditionellen Zelt der Nomaden, ist noch heute weit verbreitet in der Mongolei, bekamen die Weitgereisten aus Deutschland mit. Und natürlich war Jörg Reinhold als Fachmann in der Herstellung guter Lebensmittel auch an mongolischen Spezialitäten interessiert. Gekostet wurde beispielsweise Khorkhog, ein Leibgericht in dem zentral-asiatischen Land. Als „Lamm in der Milchkanne“ könne die Speise frei übersetzt werden, erklärt Reinhold.   

Neben dem Aufbau der Bäckerei, begleitet Jörg Reinhold zudem die Ausbildung der mongolischen Angestellten. So war der Wesenberger nochmals im November und Dezember in die Ferne gereist und wird im Frühjahr erneut in Ulan-Bator nach dem Rechten sehen. „Das Angebot hat eingeschlagen“, lautet aber schon mal das erste Resümee des Bäckermeisters im Ruhestand. Denn eröffnet wurde das Geschäft schon im Juli, übrigens unter seelischer Begleitung eines buddhistischen Lamas. Reinhold sieht große Chancen, dass sich das Angebot dauerhaft in der Stadt etablieren könne. Und solange seine Gesundheit mitspielt, werde es den Woblitzstädter zu weiteren Projekten in die Ferne ziehen, ist er sich sicher.  

 

Kommentare (1)

Und wenn Herr Reinhold wieder herkommt, hätte ich sogar einen Tipp, woher er einen super Quark bekommt. Gruß von einem Kunden aus Ulaanbaatar! Mongoleifan Frank