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Mühlenrad hängt jetzt am unteren Ende der Förderkette

Ausgebaut und mit einem Zaun gesichert steht das riesige Mühlenrad auf dem Trockenen. Der tonnenschwere Koloss ist mehr als 200 Jahre alt, seine Zukunft ungewiss.
Ausgebaut und mit einem Zaun gesichert steht das riesige Mühlenrad auf dem Trockenen. Der tonnenschwere Koloss ist mehr als 200 Jahre alt, seine Zukunft ungewiss.
Susanne Böhm

Kann der stählerne Koloss, der mehr als 200 Jahre lang die Kornmühle antrieb, doch noch gerettet werden? Zumindest bemüht sich jetzt ein landesweit agierender Verein um das technische Relikt. Den Mühlenschützern werden allerdings Steine in den Weg gelegt.

In die Bemühungen, nach dem Abriss der Fleether Wassermühle wenigstens das alte Mühlenrad zu retten, hat sich jetzt der Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern eingeschaltet. Zu Schauzwecken wollen die Mühlenretter das gigantische Rad wieder zum Laufen bringen. Es geht um einen mehr als 200 Jahre alten Koloss aus Stahl – 13 Tonnen schwer, 2,30 Meter breit, 4 Meter im Durchmesser. Das Rad war Herzstück eines Mühlenensembles mit Getreidemühle, Sägewerk und Backhaus, das seinerzeit geradezu ein Vorzeigegut gewesen sein muss. „Allein schon das Schaufelrad war mit seinem Material und seiner Größe für damalige Zeiten außerordentlich modern“, sagt Archäologin Beatrix Schmidt. Heute ist von all dem fast nichts mehr übrig – bis auf das Rad.

Um Platz für ein neues Wehr zu schaffen, ließ das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) die Mühle Ende vergangenen Jahres abreißen. Die privaten Eigentümer, Diana und Rainald Siebert, stimmten schweren Herzens zu – nicht ohne sich zuvor von der Behörde versichern zu lassen, dass der Rückbau schonend erfolgt, historische Teile unversehrt geborgen werden, das Mühlenrad saniert und zu Schauzwecken in das Wehr eingebaut wird. Doch daraus wurde nichts. Das StALU machte einen Rückzieher, als der Abriss schon in vollem Gang war. Mit der Begründung, das Vorhaben sei zu teuer, brach die Behörde die Vereinbarung.

Abgerissen wurde zwar – allerdings nicht behutsam, und das Rad wird auch nicht saniert. Schockiert und ratlos standen die Eigentümer mit dem demontierten Mühlenrad da. Fassungslos mussten sie mit ansehen, wie ein historisches Sägegatter und andere Gerätschaften herausgerissen und verschrottet wurden. Die Idee vom kleinen Freilichtmuseum am ehemaligen Mühlenstandort war zerplatzt.

Verein legt los und kämpft für die Sanierung

Jetzt aber gibt es neue Hoffnung, dass wenigstens das Mühlenrad doch noch erhalten werden kann. Der Mühlenverein versucht, das Rad zu retten. „Wir haben so wenige von diesen Schätzen im Land. Der brachiale Abriss der Fleether Mühle war ein herber Schlag ins Kontor. Jetzt müssen wir alles daransetzen, wenigstens das Mühlenrad zu erhalten“, sagt Mühlenvereinsvorsitzender Lothar Wilken aus Schwerin.

Leicht wird das nicht. Das Hauptproblem: Wahrscheinlich wird nicht genügend Wasser durch das neue Wehr fließen, um das Rad anzutreiben. „Wir wissen nicht, wie viel Wasser nach dem Umbau überhaupt noch durchläuft. Wir vermuten, dass es viel zu wenig sein wird“, sagt Lothar Wilken. „Erste Priorität hat die Kanalbefahrbarkeit, dann kommt die Fischtreppe, für das Rad dürfte dann kaum noch Wasser übrig bleiben.“ Das StALU habe dem Mühlenverein zugesichert, die zu erwartende Durchflussmenge zu prüfen. Jetzt warten die Vereinsmitglieder gespannt auf das Ergebnis dieser Prüfung.

Noch ein Problem: Die Rechtslage muss stimmen

Doch schon bevor Frage Nummer eins beantwortet ist, wirft das nächste Problem seine Schatten voraus. „Wir wurden darauf hingewiesen, dass wir das Recht benötigen, das Wasser zu nutzen.“ Der Verein muss die Rechtslage klären, sich gegebenenfalls die Rechte an der Wassernutzung sichern.

Archäologin Beatrix Schmidt findet es „schade, dass die Mühle weg ist“. „Mit dem Rückbau wurde ein Relikt der Vergangenheit zerstört.“ Auch Lothar Wilken bedauert die Art und Weise, wie die Mühle vernichtet wurde. Zwar stand das Gebäude seit einem Brand im Jahr 2001 nicht mehr unter Denkmalschutz, war als technisches Überbleibsel vergangener Jahrhunderte aber dennoch erhaltenswert, findet der Mühlenschützer. „Die neue Wasserrahmenrichtlinie lässt alles in den Hintergrund treten. Das Geld fließt in Fischtreppen, für den Denkmalschutz bleibt fast nichts übrig“, so der Vereinsvorsitzende. „Erst wird die Mühle blitzartig abgerissen, das Denkmal zerstört, und dann tut man sich auch noch schwer, uns bei der Rettung des Mühlenrads zu unterstützen.“

Die Fischtreppe war wichtiger

Bereits im Jahr 2013 wurde im Auftrag des StaLU in Fleether Mühle eine Fischtreppe gebaut. Die Aufstiegshilfe kostete rund 270 000 Euro, die aus Fördergeldern der EU kamen. Es war eines der größten Bauprojekte, die das Amt in dem Jahr umsetzte. Das neue Wehr kostet stolze 769 000 Euro. Für das Mühlenrad aber stellt das Land kein Geld bereit.

Die Bauarbeiten am neuen Wehr schreiten problemlos voran. Schon stehen die Wände, jetzt folgen Restarbeiten. „Wir liegen im Zeitplan, Ende April, Anfang Mai sind wir fertig“, sagt StALU-Mitarbeiterin Sibylle Eingel. Das neue Wehr sei für eine Durchflussmenge von 5 Kubikmetern pro Sekunde ausgelegt. Es werde gebraucht, um die oberen Seen bei eventuellem Hochwasser zu entlasten.