APPELL AN SCHMIERFINKEN

Müritz-Nationalparkamt textet in Jugendsprache

„Pieces, Burner, buffen und Fame.” Diese und andere schräge Wörter aus der Graffiti-Szene fanden den Weg in eine Pressemitteilung der etwas anderen Art.
Diese und andere Kritzeleien haben vermutlich Jugendliche an einem Rasthäuschen bei Zwenzow Hinterlassen.
Diese und andere Kritzeleien haben vermutlich Jugendliche an einem Rasthäuschen bei Zwenzow Hinterlassen.
Zwenzow ·

Mit einer ungewöhnlichen Pressemitteilung hat sich der Müritz-Nationalpark an die Öffentlichkeit gewandt. Verwaltungsmitarbeiter Kaiser hat im coronabedingten Homeoffice alles gegeben und einen Text in einer Art Jugendsprache verfasst. Damit will der 56-Jährige jene Schmierfinken erreichen, die Nationalpark-Schilder und eine neu errichtete Rasthütte bei Zwenzow bekritzelt haben.

„Mehrere Graffitis, sogenannte Tags und ein falsch geschriebener Comment wurden festgestellt. Das Nationalparkamt freut sich, dass dieser Pavillon damit auch von Jugendlichen gut angenommen wird“, schreibt Martin Kaiser, um dann gleich noch einen draufzusetzen. „Die Crew besteht aus zwei Toys, deren Pieces leider keine Burner sind. Deswegen werden die Putzer des Nationalparkamtes diese Objekte buffen. Wenn ihr Fame habt, meldet Euch beim Boss in Hohenzieritz, um andere Spots zu checken.“ Ist diese Art der Kommunikation jetzt neue Mode beim Nationalpark? Darf sich die Öffentlichkeit in Zukunft vielleicht sogar auf Mitteilungen in Gedichtform freuen?

Mit Augenzwinkern formuliert

Wohl nicht, sagt Martin Kaiser. Es komme ja zum Glück selten vor, dass Jugendliche in dem Schutzgebiet randalieren. Zunächst habe er eine ganz normale Mitteilung verfasst. Sein Chef Ulrich Meßner sei dann auf die Idee gekommen, das Ganze könne doch irgendwie cooler, origineller, mit Augenzwinkern formuliert werden. Im Internet informierte sich Martin Kaiser über Graffiti-Jargon. „Da gibt es mehr als 50 Begriffe. Ich war überrascht. Manche Wörter in unserem heutigen Sprachgebrauch stammen aus der Graffiti-Szene. Wenn wir heute sagen, wir wollen etwas checken, stammt das aus dem Sprayer-Umfeld.“ Er habe sich ein paar Begriffe herausgepickt und hoffe nun, dass er damit den Nerv der Jugendlichen getroffen hat. Zwar habe er selbst Kinder, doch diese Art von Slang sei ihm neu gewesen.

Und nun? Die Behörde hat da mal was für die Sprayer vorbereitet

Vermutlich seien die Sprüher aus Langeweile auf die Idee gekommen, im Nationalpark ihre Kritzeleien zu hinterlassen. „Die Kinos sind zu, Sportvereine arbeiten eingeschränkt, ich kann ja verstehen, dass sich die jungen Leute langweilen. Leider lasse das Krickel Krakel jeglichen künstlerischen Wert vermissen und die Stellen seien ungünstig ausgewählt. Wer Flächen zum Üben braucht, könne sich gern an das Nationalparkamt wenden. In Langhagen bei Prälank gebe es zum Beispiel einen Bungalow, der irgendwann abgerissen werden soll. Bevor die Mauern fallen, könnten sie nach Herzenslust vollgeschmiert werden. Man solle aber nicht auf eigene Faust loslegen, sondern zuvor unbedingt bei der Nationalparkverwaltung fragen, welcher Bungalow freigegeben ist. In dem kleinen Ort würden nämlich mehrere dieser alten Ferienhäuschen stehen. Nicht, dass die Sprayer das falsche erwischen.

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