KINDERWAGEN-DEMO

Mütter gehen für Hebammen auf die Straße

Bessere Bezahlung, weniger Geburten gleichzeitig und mehr Leitungsfunktionen: Das und vieles mehr forderten Demonstrantinnen bei einer Kinderwagen-Demo in Neustrelitz.
Rund 150 Demonstrantinnen legten am Freitag in Neustrelitz kurzzeitig den Straßenverkehr am Markt lahm. Sie gingen für Hebammen auf die Straße.
Rund 150 Demonstrantinnen legten am Freitag in Neustrelitz kurzzeitig den Straßenverkehr am Markt lahm. Sie gingen für Hebammen auf die Straße. Susanne Böhm
Neustrelitz ·

Rund 150 Mütter, Väter, Tanten, Onkel, Omas, Opas und Kinder demonstrierten am Freitagnachmittag für bessere Arbeitsbedingungen von Hebammen. Sie forderten unter anderem, eine Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt. "Jede Hebamme soll sich um genau eine Geburt auf einmal kümmern, nicht um bis zu fünf, wie es in Deutschland Praxis ist", sagte Mitorganisatorin Friederike Fiß, die für die Grünen für die Neustrelitzer Stadtvertretung kandidiert.

Schwangere wollen Krankenhäuser vergleichen

Außerdem sollen nach Meinung der Demonstrantinnen Kliniken verpflichtet werden, ihre Hebammen-Betreuungsschlüssel zu veröffentlichen, damit Schwangere die Krankenhäuser vergleichen können. Unerlässlich sei eine ambulante Notfallversorgung, die außerhalb der Kreißsäle zum Einsatz kommt. Regelmäßige Fortbildungen und Notfalltrainings in Geburtskliniken sollten nach Ansicht der Aktivistinnen eine Selbstverständlichkeit sein. Natürlich sollten sich Hebammen ausschließlich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und nicht mit Materialbeschaffung, Putzdienst und ähnlichem belastet werden. Unerlässlich sei bessere Bezahlung. "Wir wünschen uns, dass mehr Frauen in Ruhe und friedvoll den intimen Prozess einer Geburt erleben dürfen", sagte Mitorganisatorin Magdalena von Rohden, der bei der Geburt ihres Kindes Hebamme Maria Lustig aus Wesenberg zur Seite stand.

Ein bisschen Verkehrsbehinderung

Mit Plakaten und Schildern unterstrichen die Demonstrantinnen ihre Forderungen. "Vati braucht eine Hebamme, damit es seiner Familie gut geht", "Gerechte Entlohnung für Hebammen", "Neues Leben braucht einen guten Anfang" und vieles mehr war zu lesen. Nach einer kurzen Rede gingen die Demonstranten in einem langen Zug zwei Mal um den Markt - auf der Straße, nicht auf dem Innenrondell. "Ein bisschen Verkehrsbehinderung erregt Aufmerksamkeit", sagte Friederike Fiß. Die Polizei sicherte die Aktion. Die Organisatorinnen waren sehr zufrieden mit der für Neustrelitzer Verhältnisse großen Teilnehmerzahl. Auch das Medieninteresse war bei der sogenannten Kinderwagendemo am Freitag vergleichsweise groß. Bei einer Aktion für bessere Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte im März waren gerade einmal 13 Demonstranten erschienen.

"Für Neustrelitz ist ist das heute hier richtig gut. Die Leute toben ja regelrecht", sagte Grünen-Stadtvertreter Falk Jagszent scherzhaft mit Blick auf die zahlreichen aber schweigsamen Demonstranten. Nico Kosche, der als Einzelbewerber für die Neustrelitzer Stadtvertretung kandidiert, schloss sich mit seiner Frau und seinen Kindern den Demonstranten an. Seine Familie wurde von den Hebammen Christa Hahn und Ramona Ballin betreut. "Eine Geburt ist der bewegendste Moment überhaupt. Gerade beim ersten Baby ist man so froh, wenn man jemanden hat, der einen berät und unterstützt, dem man vertrauen kann", sagte der 39-Jährige. Nadine Makollus war mit ihrem dreijährigen Sohn Jan dabei. "Mein Sohn kam auf der wunderschönen Geburtsstation in Neustrelitz zur Welt. Nach der Geburt wurde festgestellt, dass er Down-Syndrom hat", sagte die 39-Jährige. "Kerstin Illguth hat uns damals wunderbar betreut. Ohne Hebammen wäre das alles überhaupt nicht vorstellbar."

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