GEBURTSHILFE

Mütter starten in Neustrelitz Kinderwagen-Demo

Wenn es zu wenig Hebammen gibt, sind Frauen und Kinder die Leidtragenden. Junge Mütter aus Neustrelitz rufen deshalb zu einer besonderen Demonstration auf.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Eine Hebamme hält ein Baby (Symbolbild). Geburtshelferinnen sind eine wichtige Stütze für werdende Mütter. In Neustrelitz gehen junge Frauen für bessere Arbeitsbedingungen der Hebammen auf die Straße.
Eine Hebamme hält ein Baby (Symbolbild). Geburtshelferinnen sind eine wichtige Stütze für werdende Mütter. In Neustrelitz gehen junge Frauen für bessere Arbeitsbedingungen der Hebammen auf die Straße. Holger Hollemann
Neustrelitz.

Junge Mütter aus Neustrelitz und Umgebung machen mobil. Zu wenig Hebammen sind in der Region tätig, zu wenig Personal arbeitet in den Kreißsälen – die Leidtragenden sind die Mütter. Dieser Entwicklung wollen die Frauen nicht tatenlos zusehen. Sie rufen zu einer Kinderwagen-Demo am Freitag, dem 3. Mai, auf dem Neustrelitzer Marktplatz auf.

Die Organisatorinnen hoffen, dass sich möglichst viele Mütter, Väter, Kinder, Angehörige und Freunde anschließen, denn den bundesweiten Hebammenmangel spürt man hierzulande besonders deutlich, so Mitorganisatorin Friederike Fiß. Die 31-jährige Ärztin, die als Grünen-Kandidatin für die Neustrelitzer Stadtvertretung antritt, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Hebammen sind. Sie hat ein acht Monate altes und ein zweieinhalbjähriges Kind. „Im Raum Neustrelitz gab es zuletzt für einige Zeit nur zwei ambulant tätige Hebammen, die Familien und ihre Säuglinge vor und nach der Entbindung betreuen konnten“, sagt sie. „Die personelle Besetzung des Kreißsaals im Neustrelitzer Krankenhaus ist auch sehr eng.“

Teure Versicherungen nach wie vor ein Problem

Außerdem seien die Versicherungen für Hebammen außerordentlich teuer. Das sei nach wie vor ein großes Problem für die oft selbstständig arbeitenden Geburtshelferinnen. Darum möchten sich die Mütter in Neustrelitz wenige Tage vor dem internationalen Hebammentag für bessere Arbeitsbedingungen und eine ausreichende Vergütung für Hebammen einsetzen und gegen eine flächendeckende Schließung von Kreißsälen demonstrieren.

„Die Versorgung durch eine Hebamme ist für das Wohlergehen von Mutter und Kind enorm wichtig“, sagt Carolin Biermann, die eine sieben Monate alte Tochter hat. „Insbesondere das Stillen des Kindes bis zum Ende des zweiten Lebensjahres wird von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen und gelingt mit der Unterstützung einer Hebamme häufig besser, sodass mehr Mütter ihre Babys stillen können“, so Carolin Biermann. Auch Beschwerden in der Schwangerschaft könnten durch Anwendungen einer Hebamme gelindert werden. Komme das Kind dann zur Welt, sei die Anwesenheit einer Hebamme bei der Entbindung nicht nur unerlässlich für Mutter und Kind, sondern sogar gesetzlich vorgeschrieben. „Eine Geburt ist eine intime Grenzerfahrung. Eine Betreuung durch eine Hebamme ist wichtig“, sagt Sophie Poland, Mutter eines fünf Monate alten Jungen.

Demo beginnt mit einer Kundgebung

Die Demo am 3. Mai beginnt um 16 Uhr mit einer kurzen Kundgebung. So viele Eltern und Kinder wie möglich sollen anschließend mit ihren Gefährten und Plakaten den Marktplatz umkreisen und weiter durch die Strelitzer Straße ziehen. Zur Vorbereitung treffen sich alle am Dienstag um 15.30 Uhr im Familienzentrum in der Useriner Straße.

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