ERNTE-SABOTAGE

Nach Anschlag im Maisfeld sucht Polizei Täter und Motiv

Drei Tage nach der Attacke auf einen Bauern bei Mirow wird in der Mecklenburgischen Seenplatte gerätselt, wer das war. Umweltschützer, ein anderer Bauer oder irgendwelche Wirrköpfe?
In der Mecklenburg-Vorpommern läuft die Maisernte. Ein Bauer bei Mirow sitzt nach einem Anschlag allerdings mit einem mul
In der Mecklenburg-Vorpommern läuft die Maisernte. Ein Bauer bei Mirow sitzt nach einem Anschlag allerdings mit einem mulmigen Gefühl auf dem Häcksler. Patrick Pleul
Mit Kabelbindern wurde dieses Spatenblatt an einer Maispflanze befestigt. Zum Glück überstand der Bauer den Anschlag
Mit Kabelbindern wurde dieses Spatenblatt an einer Maispflanze befestigt. Zum Glück überstand der Bauer den Anschlag unverletzt. Privat
Mirow.

Waren es militante Umweltschützer, ein verfeindeter Bauer oder einfach nur Wirrköpfe, die sich profilieren wollen? In der Mecklenburgischen Seenplatte wird weiter gerätselt, wer am Sonntag den Anschlag auf den Maisbauern bei Mirow verübt hat.

Ermittlung wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung

Fakt ist, sagt Polizeisprecherin Diana Mehlberg, wäre der Plan aufgegangen, hätten neben dem Landwirt und seiner Maschine viele Menschen und Tiere zu Schaden kommen können. Deswegen ermittelt die Polizei nicht wegen versuchter einfacher Sachbeschädigung, sondern wegen versuchter gemeinschädlicher Sachbeschädigung. „Ob die Beschädigung der Erntemaschinen das Ziel der Täter waren oder welche Motive die Täter hatten, kann derzeit nicht gesagt werden“, so Mehlberg.

Unbekannte hatten das aus massivem Eisen bestehende Blatt eines Spatens mit Kabelbindern an eine Maispflanze gebunden. Bei der Ernte am Wochenende war das schwere Teil in einen Häcksler geraten. Der Metalldetektor an der Erntemaschine verhinderte Schlimmeres. Der Spaten hätte sich zum tödlichen Geschoss für Erntehelfer oder zufällige Passanten entwickeln können. Er hätte die ganze Maschine explosionsartig zerlegen können, da ist sich Matthias Schmidt vom Bauernverband Müritz sicher.

Zum Glück war ein Metallsensor an der Maschine

Wäre das Teil hingegen unbemerkt zerhackstückt worden, hätte es in Tierfutter oder in Lebensmittel für Menschen gelangen und auf diese Weise für verheerende Folgen sorgen können, gibt Diana Mehlberg zu bedenken. Der Anschlag hätte eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen auslösen können. Zum Glück brachte der Metallsensor die Erntemaschine umgehend zum Stehen, so dass nicht einmal ein größerer Sachschaden entstand. Der Landwirt, der Ziel der Sabotage war, dürfte seither mit einem mulmigen Gefühl ernten. Schließlich könnten weitere Eisenteile auf dem Acker versteckt sein. Mit dem Nordkurier wollte er allerdings nicht über die Situation reden.

Statt seiner bietet der Bauernverband noch einmal an, jederzeit gesprächsbereit zu sein. Wer Probleme mit Landwirten hat, sich über Mais, Erntelärm oder irgendetwas anderes ärgert, möge das Gespräch suchen, anstatt heimtückische Angriffe zu verüben. Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern könne bei Bedarf Kontakte zu den jeweiligen Landwirten vermitteln. Zu erreichen ist der Verband unter der Telefonnummer 0395 430920 oder per E-Mail an [email protected] Ortskundige, erklärt Matthias Schmidt, wüssten in der Regel, wem welcher Acker gehört und könnten sich direkt an ihren Bauern wenden.

Berichte über ähnliche Vorfälle in Süddeutschland

Der Interessenvertreter der Landwirte ist nach wie vor schockiert über die Kaltblütigkeit, mit der bei Mirow Verletzte, schlimmstenfalls sogar Tote in Kauf genommen wurden. „So was haben wir in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht erlebt. Das ist keine Mecklenburger Art. Dass Bauern beschimpft werden, ihnen Prügel angedroht wird, dass sie angezeigt werden oder mit dem Krückstock hinter ihnen hergefuchtelt wird, ist schon vorgekommen. Manchmal springt auch einer vor den Trecker oder den Düngerstreuer“, beschreibt Matthias Schmidt die Begleiterscheinungen seines Berufs. Derart hinterlistige Eisen-Anschläge seien bislang jedoch eher aus Süddeutschland bekannt. Vor allem in den Jahren 2018 und 2019 gab es laut Medienberichten wiederholt Attacken in Maisfeldern.

„Wie schon in den vergangenen Jahren häufen sich die Sabotagefälle“, vermeldete der Branchendienst Agrarheute im September 2019. Im Bayrischen Neustadt seien lange Nägel an Maiskolben befestigt worden und hätten einen Landwirt in große Gefahr gebracht. Auch dort habe der Sensor den 36-jährigen Bauern möglicherweise vor schlimmen Verletzungen und Sachschaden im sechsstelligen Bereich bewahrt.

Sogar eine Belohnung wurde ausgesetzt

Im Oktober 2019 setzten Maisbauern und Mitglieder von Häckslergemeinschaften nach Informationen des Bayrischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts 10 000 Euro Belohnung für Hinweise aus. Zehn Fälle waren inzwischen bekannt geworden. Im Jahr zuvor habe es in dem Freistaat sogar 80 ähnliche Fälle gegeben. Zumeist seien Metallrohre an Maiskolben angebunden worden. Die Landwirte hätten keine Chance gehabt, die Teile zu erkennen.

Auch aus dem Raum Bremen wurden schon derartige Sabotageakte bekannt. Wobei Sabotage noch milde ausgedrückt ist, wie Matthias Schmidt findet. Genau genommen könne man von Mordversuchen sprechen. Schließlich setze ein Maishäcksler mit bis zu 800 Pferdestärken unvorstellbare Kräfte frei. Umherfliegende Metallteile könnten schlimmstenfalls den Fahrer oder andere Erntehelfer töten. Haben die Erntesaboteure nun Mecklenburg-Vorpommern für sich entdeckt?

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