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Neubrandenburger Tafel hilft in Woldegk

Die Zahl der Besucher war groß. Das freute vor allem die Tafel-Leiterin. Denn die Reste wären sonst in der Mülltonne gelandet.
In Woldegk wurde die erste Ausgabe der Tafel von vielen Menschen angenommen. 
In Woldegk wurde die erste Ausgabe der Tafel von vielen Menschen angenommen. Robin Peters
Woldegk.

Mit so vielen Menschen hat Dorothee Nitsch bei der ersten Ausgabe der Tafel in Woldegk am Donnerstagmittag nicht gerechnet. 90 Bedürftige haben sich in der kleinen Stadt bei der Tafel-Leiterin angemeldet – 68 sind schon in den ersten Minuten gekommen. „Es ist super, dass wir noch so viel Ware verteilen können“, sagt Nitsch. Sonst wären die Lebensmittel der Neubrandenburger Tafel weggeschmissen worden.

Immer donnerstags gegen 13 Uhr können sich Bedürftige nun auch am Woldegker Goldberg für einen Euro eine Kiste mit Lebensmitteln und Haushaltsbedarf abholen. „Klar hat die Banane vielleicht schon eine braune Stelle oder ist die Gurke etwas zu krumm für den Händler – doch alle Waren sind noch gut“, sagt Nitsch.

Anmeldung nicht notwendig

Eine Anmeldung sei nicht zwingend notwendig. Wer nachweisen könne, dass er am Existenzminimum lebe – also Arbeitslosengeld empfange oder eine niedrige Rente bekomme, erhalte auch eine volle Kiste. Ist einmal eine Frucht drin, die der Betreffende gar nicht mag, finde sich immer jemand zum Tauschen. Dennoch: „Wir versorgen nicht – wir geben was dazu“, betont Nitsch.

Viele Bewohner nehmen das Angebot an diesem Tag dankend an: „Es hilft ungemein“, sagt Gerhard Meier. Lebensmittel seien im Laufe der Zeit immer teurer geworden – gleichzeitig habe die Packungsgröße stetig abgenommen. „Wir sind drei Personen im Haushalt“, sagt Heidi Zimmermann. Da kämen allein für Lebensmittel schon beträchtliche Kosten zusammen. „Lange hat sich niemand für uns zuständig gefühlt“, bedauert Elisabeth Dowig. Für die Tafel bis nach Neubrandenburg zu fahren, sei bisher einfach zu weit gewesen. Nun habe sie aus der Zeitung von dem neuen Angebot in Woldegk erfahren und sich sogleich über die vielseitige Hilfe gefreut.

Blumen, Kräuter, Shampoo

An diesem Tag können sich die Bedürftigen neben zusätzlichen Blumen und Kräutern auch noch Shampoo mitnehmen. „Das kriegen wir ganz selten“, sagt Tafel-Leiterin Nitsch. Für die nächste Ausgabe sei bereits gesorgt. Denn vor ihrer Rückkehr nach Neubrandenburg fahre das Helfer-Team noch bei den Discountern Netto und Norma in Woldegk vorbei. Allein mit den Überschüssen der Woldegker Händler sei die Versorgung laut Nitsch aber nicht möglich. Ein Großteil der Waren komme von den Discountern aus Neubrandenburg. „Und fast alle machen mit“, weiß Nitsch.

Auch die Stadt unterstützt den neuen Einsatz der Tafel in vollem Umfang. „Wer bedürftig ist, sollte von diesem Angebot ohne Scham Gebrauch machen. Schämen sollten wir uns als reiche Gesellschaft, wenn Lebensmittel verderben“, sagt Ernst-Jürgen Lode, Bürgermeister von Woldegk.

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