Jens Berdermann wird neuer Leiter des Instituts für Solar-Terrestrische Physik beim DLR in Neustrelitz.
Jens Berdermann wird neuer Leiter des Instituts für Solar-Terrestrische Physik beim DLR in Neustrelitz. NK-Bildmontage mit Fotos: Jana SChrödter + DLR
Wissenschaft

Neuer Leiter übernimmt das Weltraumwetter-Team am DLR

Jens Berdermann leitet bald im DLR in Neustrelitz ein Team, dass unter anderem dabei helfen soll, die Arbeit auf der Raumstation ISS sicherer zu machen.
Neustrelitz

Die Internationale Raumstation ISS kreist in 400 Kilometer Höhe um die Erde. Dass der Aufenthalt dort oben Risiken hat, wurde der Welt gerade erst vor Augen geführt. Weltraumschrott drohte erst in dieser Woche die Module zu beschädigen. Auf der Raumstation kann es aber auch zu Störungen und Schäden aufgrund anderer Phänomene im All kommen. Sonnenstürme, sogenannte solarenergetische Ausbrüche, können zu kritischen Situationen führen.

Dass das nicht geschieht, daran wird am Neustrelitzer Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gearbeitet. Neuer kommissarischer Leiter für Solar-Terrestrische Physik im Institut ist nun Jens Berdermann. Er löste Gründungsdirektor Prof. Dr. Markus Rapp Anfang November ab. Das neue Institut wurde im Mai eröffnet. In der Abteilung geht es um die Erforschung des Weltraumwetters, etwa, um das bessere Verständnis der solarenergetischen Störungen. „Das Weltraumwetter hat Einfluss auf die Infrastruktur der Erde, auf die zivile Luftfahrt und eben auf die ISS“, erklärt Berdermann, warum die Arbeit am neuen Institut so wichtig ist.

Seit 2011 ist Berdermann bereits wissenschaftlicher Mitarbeiter beim DLR. Hinter ihm liegen interessante Forschungsarbeiten wie die Zusammenarbeit mit 300 internationalen Wissenschaftlern bei einem Projekt am Südpol. „Das war eine Wahnsinnserfahrung“, sagt er.

80 Löcher in das kilometerdicke Eis gebohrt

Um Messinstrumente zu Forschungszwecken in die Tiefe zu bringen, wurden 80 Löcher in das drei bis vier Kilometer dicke Eis gebohrt. Vor Reiseantritt zum Südpol müssen sich die Forscher psychologischen Tests unterziehen, um zu wissen, ob sie mit der Extremsituation gut zurechtkommen werden. „Es ist extrem kalt. Die Starttemperatur lag bei -40 Grad. Wir waren komplett eingepackt. Und es ist immer hell“, erinnert sich Berdermann. Schlafen konnte er aber trotzdem gut, da sein Zimmer kein Fenster hatte. 2013 wurde er in Neustrelitz Leiter einer Arbeitsgruppe im Institut für Kommunikation und Navigation und später dann Abteilungsleiter. Für 45 erfahrene Mitarbeiter ist Berdermann, der an der Universität Rostock in Theoretischer Astrophysik promoviert hat, nun der Chef.

Nicht nur im All sind moderne Kommunikations- und Navigationssysteme anfällig für Störungen. Spielt das Weltraumwetter verrückt, bestehe ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für die Infrastruktur auf der Erde. Durch galaktische Strahlungen, Sonnenstrahlungen, Sonnenwinde und Sonneneruptionen kommen Kausalketten in Gang. Sind Kommunikation und Meldungsketten gestört, kann es zu Stromausfällen kommen. Störungen der globalen Navigationssatelliten oder anderer Systeme haben heutzutage Auswirkung auf Medizin, auf die Landwirtschaft, auf Börsen, den Flugverkehr und die Industrie. Die Folge: wirtschaftliche Verluste und eine verminderte Lebensqualität.

Enge Zusammenarbeit mit ESA und NASA

Ein Beispiel? Beim Carrington-Event 1859 traf der größte, wissenschaftlich beobachtete magnetische Sturm auf die Erde. Die Folge waren Sichtungen von Polarlichtern über Hawaii, Rom und Havanna. „Damals war die Technik noch nicht soweit“, sagt Berdermann. Beim heutigen Technikstand und der Vernetzung würde es bei einem Sturm in diesem Ausmaße schon verheerender aussehen.

Die Erforschung und Beobachtung des Weltraumwetters am DLR-Standort in Neustrelitz soll schließlich dabei helfen, Ausfälle und Störungen zu verhindern. Dafür arbeitet das Institut in vielen Projekten eng mit der ESA, der NASA und mit renommierten Universitäten wie der Uni Rostock zusammen. Auch mit internationalen zivilen Luftfahrtorganisationen wie dem Airbus-Konzern gibt es gemeinsame Projekte. Um das Weltraumwetter zu erforschen, ist überall auf der Welt Messequipment verteilt.

Forscher aus Spanien, Italien, Finnland, Frankreich und Norwegen arbeiten global zusammen. „Meine Arbeit ist deshalb so spannend, da sie Themen wie das Weltraumwetter, Plasmaphysik, Sonnenphysik, Teilchenphysik und Atmosphärenphysik vereint“, so Berdermann. „Sie richtet den Blick in die Zukunft.“

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