Der Steg wird von Schülern des Carolinums genutzt, damit dort Boote an- beziehungsweise ablegen können.
Der Steg wird von Schülern des Carolinums genutzt, damit dort Boote an- beziehungsweise ablegen können. Marlies Steffen
Bootssteg am Glambecker See

Weiter Streit um 6000 Euro teures Riesentor in Neustrelitz

Seit 2008 gibt es den Bootssteg am Glambecker See. Immer wieder gab es Vandalismus und Partylärm. Doch was sind nun die wahren Gründe, für die Errichtung der großen Absperrung?
Neustrelitz

Zwei Briefe aus dem Neustrelitzer Rathaus, ein monströses Tor am Glambecker See und eine Kreisverwaltung, die plötzlich auch vor Vandalismus schützen möchte. In Sachen Absperrung des Carolinum-Bootsstegs am Glambecker See ist offenbar längst nicht alles gesagt. Fakt ist, die Anlage steht seit 2008. Unfälle, die von dem Steg ausgingen, sind nicht bekannt geworden. Aber Anwohner haben sich vor allem im Sommer über Lärm beschwert und Vandalismus gab es. Über die Jahre immer wieder.

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Briefe an den Landkreis

Zwölf Jahre nach dem Stegbau sah sich der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund veranlasst, Briefe an den Landkreis zu schreiben, in dem es ihm um Sicherungsmaßnahmen ging. Nicht, weil die Bürger und Umwelt vor Lärm und Vandalismus geschützt werden sollten, sondern weil die Stadt nicht für Schäden aufkommen wollte. Die Briefe liegen dem Nordkurier vor. Das Neustrelitzer Stadtoberhaupt hat sich demnach gleich zweimal die Mühe gemacht, dem Landkreis mitzuteilen, dass die in kreislicher Obhut befindliche Steganlage des Carolinums am Glambecker See – dieser gehört der Stadt – gesichert werden soll. Im August 2020 wendete sich Grund erstmals an den Landrat. Vier Monate später wird aus der „Bitte“ vom August eine Forderung nach „geeigneten Maßnahmen“, die nach dem Willen des Stadtoberhauptes auch noch umgehend umgesetzt werden sollte. Grund macht unmissverständlich klar, dass die Stadt bei einem ungesicherten Steg Schadenskosten nicht übernehmen werde.

6000 Euro hat das Tor gekostet

Wie das Stadtoberhaupt auf Nachfrage sagte, hätten Vertreter des kommunalen Versicherers bei einer Besichtigung vor zwei Jahren an dem Bootssteg des Carolinums Schwachstellen hinsichtlich der Sicherung festgestellt. Vor diesem Hintergrund habe er sich an den Landkreis gewandt. Er habe jedoch diesen nicht aufgefordert, ein Tor zu errichten, machte der Bürgermeister deutlich. Der Landkreis ist dann erst in diesem Frühjahr tätig geworden und ließ die mit anhaltendem Spott und Zorn bedachte und inzwischen auch beschmierte Absperrung errichten. Immerhin 6000 Euro aus dem Säckel des Steuerzahlers waren dafür Nordkurier-Informationen zufolge übrig.

Wie Dirk Rautmann, Amtsleiter Zentrale Dienste/Schulverwaltungsamt auf Nachfrage sagte, erklärt der Landkreis den Bau des Tores zum einen mit Sicherheitsfragen und zum anderen mit einer Gefahrenabwehr und dem Schutz des Eigentums des Landkreises als Schulträger. Warum es allerdings so lange dauerte, bis der Landkreis reagierte und warum das Tor so monströs ausgefallen ist, dazu machte Dirk Rautmann keine Angaben. Er verwies lediglich auf Gespräche, die es mit der Stadt gegeben habe.

Immer wieder wurde die Polizei gerufen

Vandalismus und Partylärm in dem Bereich hatten in der Vergangenheit immer wieder die Polizei auf den Plan gerufen und auch zu Anwohnerbeschwerden gefühlt. Wie der Nordkurier erfuhr, findet die Sperrung des Stegs deshalb auch Zustimmung bei Anwohnern. Sie verbinden damit die Hoffnung, dass am Glambecker See zu nächtlicher Stunde wieder mehr Ruhe einzieht.

Von dem Partylärm unbesehen, soll aber auch daran erinnert werden: Das Riesen-Tor ist errichtet worden, obwohl der Badestellenerlass des Landes Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr eigentlich kommunalen Trägern eine Rechtssicherheit verschafft hatte. Demnach sind Sicherungsmaßnahmen beispielsweise im Einzelfall nicht geboten, wenn es sich um einen Steg handelt, an dem offensichtlich Boote anlegen. Besondere Sicherungen an Stegen sind im Regelfall auch dort nicht erforderlich, wo das umgebende Wasser für jedermann offensichtlich erkennbar nicht die ausreichende Tiefe hat, heißt es in dem Erlass.

Stadtvertreter kritisiert das Vorgehen

Für den Kreistagsabgeordneten und Neustrelitzer Stadtvertreter Falk Jagszent (Bündnis 90/Die Grünen) ist die Errichtung der Absperrung indessen ein Beleg dafür, dass der Landkreis von der Stadt getrieben gehandelt hat. Aus seiner Sicht erkläre sich am Glambecker See nicht, „wo die konkrete Gefahr liegen soll, die diesen Schildbürgerstreich rechtfertigt“. Die gut 6000 Euro wären mit Sicherheit an anderer Stelle besser angelegt gewesen. Jagszent hatte sich wegen der Absperrung mit einer Anfrage an den Landkreis gewandt.

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