WERBEKAMPAGNE

Neustrelitz bringt sich für Berliner in Stellung

In Neustrelitz gibt es etwas, was in Berlin Mangelware ist: bezahlbaren Wohnraum. Nun hat man gezielt die Hauptstädter davon in Kenntnis gesetzt. Mit Erfolg.
Mit riesigen Plakaten auf Berliner Bahnhöfen warb die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft zwei Monate lang um neue Mieter.
Mit riesigen Plakaten auf Berliner Bahnhöfen warb die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft zwei Monate lang um neue Mieter. Neuwo
Neustrelitz.

Unberührte Natur und barocke Architektur – davon lässt sich der Berliner zum Urlaub, aber kaum zum Umzug in die Provinz bewegen. Doch genau dieses Ziel peilt die Stadt Neustrelitz und insbesondere ihre Wohnungsgesellschaft an. Durch Zuzug aus der Metropole dem demografischen Wandel begegnen – so sieht der Plan aus. „Auch wenn die Einwohnerzahl sich stabilisiert hat und sogar gestiegen ist, haben wir immer noch die prognostizierten Zahlen vor Augen“, sagt Baudezernent Karsten Rohde. „Und das war ein Horrorszenarium, das so Gott sei Dank nicht eingetreten ist“, fügt er hinzu. Dennoch sei in Zukunft nicht damit zu rechnen, dass Neustrelitz im Selbstlauf Einwohner gewinnt. 2019 ging die Einwohnerzahl leicht zurück – um 26 auf 20 654.

Unerwartete Resonanz

Mit 54 Großplakaten hat die Wohnungsgesellschaft im vergangenen Herbst in Berlin um Aufmerksamkeit für Neustrelitz geworben. In großen Lettern riefen die Poster an verschiedenen Stellen im Norden der Metropole den Passanten zu: „3-Raumwohnung, sanierter Altbau in See und Kita-Nähe, 76,30 Quadratmeter+Terrasse, 632,80 Euro warm inkl. Stellplatz“. Auch in den Zügen von S- und U-Bahn hingen derartige Botschaften. Sie trafen den Nerv der Berliner. „Unsere speziell geschaltete Internetseite wurde von 7076 Nutzern und von mehr als 9000 Gästen angeklickt“, sagt Uwe Engelmann, Geschäftsführer der Neuwo. Mit einer derartigen Resonanz hatte in der Stadt und im Unternehmen niemand gerechnet. Hauptstadtzeitungen, Rundfunksender und das Fernsehen meldeten sich und berichteten über den eigenwilligen Werbecoup. „Für Berliner scheint es gar nicht mehr so abwegig zu sein, sich auf der Suche nach Wohnraum bis nach Neustrelitz zu orientieren“, sagt Karsten Rohde.

Der ersten Kampagne soll eine weitere Aktion folgen

Immerhin dauert die Zugfahrt von Neustrelitz bis Berlin Gesundbrunnen gerade mal eine Stunde. Stündlich verkehren Regionalbahnen, der ICE hält regelmäßig auf dem Weg von Rostock nach Dresden und zurück. „Den jungen Hipster werden wir mit unseren Angeboten nicht locken. Aber wer Kinder hat, der kommt schon ins Grübeln, ob sich die Sache für ihn nicht doch lohnt“, sagt Engelmann. Neustrelitz kann mit vielem punkten, was junge Familien schätzen. Kitas, Schulen, kurze Wege, Sportvereine, Einkaufsmöglichkeiten und Natur pur vor der Haustür.

Der erste Versuch, sich in der Metropole bekannt zu machen, sei ein voller Erfolg gewesen, sagt KarstenRohde. Bis jetzt seien acht Mietparteien aus der Hauptstadt nach Neustrelitz gezogen. „Kann sein, dass sie schon vorher mit diesem Schritt geliebäugelt hatten. Aber durch die Kampagne kam der letzte Anstoß“, schätzt Uwe Engelmann ein.

Firmen im Visier

Nun ist ein neuer Werbefeldzug in Arbeit. Er steht unter der Überschrift „Endlich raus in die Freiheit“ und richtet sich wieder an genervte Berliner. Mittlerweile sind aber nicht nur Wohnungssuchende in der Hauptstadt auf Neustrelitz aufmerksamgeworden. „Auch Firmen strecken ihre Fühler aus. Denn auch für sie wird es mittlerweile eng in der Hauptstadt“, hat Karsten Rohde beobachtet. So könnte es über kurz oder lang auch passieren, dass Berliner Unternehmen Neustrelitz als Standort in Betracht ziehen. „Wir haben gute Voraussetzungen. Die Anbindung über die Bahn stimmt, super schnelles Internet ist vorhanden“, sagt Karsten Rohde.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neustrelitz

Kommende Events in Neustrelitz

zur Homepage

Kommentare (2)

Und der Einheimische darf dann irgendwann, dank versautem Mietspiegel, wieder in die Platte ziehen. Ich sehe die Kampagne skeptisch, mangelt es in meinen Augen doch bereits jetzt schon an attraktivem Wohnraum. Gerade die NEUWO bietet auf ihrer Homepage, zumindest auf der offiziellen die wohl für Einheimische gemacht ist, hauptsächlich Wohnraum in der Platte an. Das Karolinenstift scheint einzig für die "Prominenz" aus der Hauptstadt vermarktet zu werden, da Einheimische schlicht materiell überfordert sind bei den dort aufgerufenen Mietpreisen.

Darüber müssen wir nicht mehr nachdenken, unsere Landesregierung hat dafür gesorgt, dass das so nicht mehr stattfindet. Da haben die ganzen Corona-Verbote doch einmal einen positiven wirtschaftlichen Nebeneffekt.
Der Norden hält zusammen, wir bleiben unter uns.