:

Neustrelitz verpasst Gast aus Vorpommern einen Maulkorb

Der Kulturausschuss traf eine klare Ansage in Richtung Bürgermeister: Das Stadtoberhaupt wollte dem Greifswalder Theaterintendanten Dirk Löschner den Weg zu einer Beratung in Neustrelitz ebnen. Dort wollte man von dem Mann aber gar nichts hören.

Maulkorb für Dirk Löschner, Intendant des Theaters Vorpommern: Kein Rederecht für diesen Mann im Neustrelitzer Kulturausschuss, befanden sowohl die Ausschussvorsitzende als auch der Stadtpräsident.
Marlies Steffen, NK-Archiv (Montage) Maulkorb für Dirk Löschner, Intendant des Theaters Vorpommern: Kein Rederecht für diesen Mann im Neustrelitzer Kulturausschuss, befanden sowohl die Ausschussvorsitzende als auch der Stadtpräsident.

Das passiert nicht alle Tage: Dirk Löschner, Intendant des Theaters Vorpommern, war am Dienstag im Neustrelitzer Kulturausschuss unerwünscht. Waltraud Bauer (Die Linke), die Vorsitzende des Gremiums, hätte ihm kein Rederecht gegeben. Auch Stadtpräsident Christoph Poland (CDU) war der gleichen Meinung, erfuhr der Nordkurier.

Bauer fühlte sich zudem von Bürgermeister Andreas Grund hinters Licht geführt. Der hatte Löschner, der als Vorbereiter eines Staatstheaters Nordost mit Sitz in Greifswald gilt, offenbar ermutigt, nach Neustrelitz zu kommen. „Wir haben noch einen Tag vor der Sitzung über diese gesprochen, der Bürgermeister hat mich nicht eingeweiht“, ärgerte sich die Linkspolitikerin vor Beratungsbeginn.

Der Greifswalder Intendant hatte wohl auch erst am Sitzungstag Interesse signalisiert. Da erfuhr das dann auch die Kulturausschussvorsitzende und sie entschied: Löschner hat dem Ausschuss nichts zu sagen. Der Bürgermeister sah das anders und reagierte nicht eben begeistert auf den Maulkorb für den Greifswalder Gast, der angesichts der Absage gar nicht erst nach Neustrelitz gekommen war.

Reaktionen auf Schreiben aus Schwerin

Bürgermeister Andreas Grund musste sich bei der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Tourismus einige kritische Bemerkungen anhören. Bei der Zusammenkunft ging es erneut um die unsichere Zukunft der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz.

Grund bestätigte unter anderem, dass er auf den Brief des Schweriner Staatssekretärs Schröder reagiert habe. In dem Schreiben hatte das Kultusministerium mit Konsequenzen gedroht, falls sich die Kommunen nicht an die aus Schwerin für die Theaterstrukturdebatte vorgegebene Zeitschiene halten. Grund protestiert in dem Schreiben, das dem Nordkurier vorliegt, allerdings mit keiner Silbe gegen die Drohgebärden aus der Landeshauptstadt, sondern erklärt, dass er sich bislang fristgemäß verhalten und nur „begrenzt auf die Sitzungstermine der Vertretungen“ Einfluss habe. Weniger diplomatisch äußerte sich dagegen Stadtvertreter Ernst August von der Wense (CDU), der den Brief des Staatssekretärs als unmöglich und hanebüchen bezeichnete.