RENTNERIN RÄUMT AUF

Neustrelitzer Auto-Notizen für mehr Miteinander

Mit kleinen Zettel-Nachrichten bittet Ingrid Rutkowski in Neustrelitz sorglose Autofahrer täglich um mehr Rücksichtnahme.
Robin Peters Robin Peters
Ingrid Rutkowski wünscht sich von vielen Autofahrern mehr Rücksichtnahme. Mit gut gemeinten Botschaften wirbt sie um ein respektvolles Miteinander.
Ingrid Rutkowski wünscht sich von vielen Autofahrern mehr Rücksichtnahme. Mit gut gemeinten Botschaften wirbt sie um ein respektvolles Miteinander.
Neustrelitz.

Auch an diesem Morgen verteilt Ingrid Rutkowski in Neustrelitz wieder fleißig Notizen auf Autos, die sorglos zwei Parkplätze in Beschlag nehmen. Aber nicht aus Ärger auf dreiste Autofahrer – die älteste Bewohnerin der Twachtmannstraße will nur um mehr Rücksichtnahme bitten. „Denkt auch an eure Mitmenschen!“, appelliert die 85-Jährige an die Neustrelitzer.

In ihrer Straße verkehren täglich viele Fahrzeuge. Doch auf vielen der beliebten Parkplätze würde locker noch ein weiteres Auto Platz finden – stünden die Wagen nur etwas weniger Abstand nebeneinander. „Das ist nur Bequemlichkeit, um sich aufwendiges Rangieren zu sparen“, sagt Rutkowski, die trotz ihrer Arthrose in Bein und Knie von ihrem selbstgewählten Auftrag nicht ablässt.

„Ganze Mitmenschlichkeit geht verloren”

Denn diese Unsitte markiere einen Schritt in die falsche Richtung – ebenso wie das immer seltener gewordene, gegenseitige Grüßen oder Bedanken. „So geht die ganze Mitmenschlichkeit verloren“, bedauert Rutkowski. Ganz anders als zu DDR-Zeiten: „Dort waren wir aufeinander angewiesen“, sagt die Neustrelitzerin. Die Menschen seien heute mit nichts mehr zufrieden. Bescheidenheit würden viele nicht mehr kennen. „Mir tut es leid, dass es so rau geworden ist.“

Nur weil die Rentnerin immer gesagt habe, was sie störe, habe sie ihre bewegtes Leben meistern können. Schon 60 Jahre wohnt Ingrid Rutkowski in Neustrelitz. Als die damalige Spielstraße neu hergerichtet wurde, brachte Rutkowski den Arbeitern nach eigener Aussage regelmäßig Waffeln und Kaffee. Als die Handwerker laut Rutkowski ihren nächsten Auftrag in Waren an der Müritz entgegentraten, hätten sie die Neustrelitzerin am liebsten mitgenommen.

Ihr Leben lang arbeitete sie als Telefonistin – erst beim Fernamt, später bei der Telekom. Für ihre Kollegen im Rentenalter hat sie lange Jahre Veranstaltungen und Geburtstagsfeiern organisiert – auch in Mirow, Wesenberg oder Carpin. Doch nach dem Tod ihres Mannes gab Ingrid Rutkowski schließlich ihr Auto ab. Doch ihre vier Kinder, neun Enkel und drei Urenkel halten die 85-Jährige laut deutlichem Bekunden ständig auf Trab. „Einsam bin ich nie gewesen“, sagt Rutkowski.

Laubharken mit Eimer und Rollator

Und nie ohne Tatendrang: „Ich bin stolz darauf, dass ich meine Wohnung noch selbst sauber halten kann“, sagt Rutkowski. Nur auf eine Leiter steigen, um die Fenster zu putzen, könne sie nicht mehr. Dafür harke sie Laub noch immer selbst – mit Eimer und Rollator.

Die Frau aus Neustrelitz schreibt übrigens nicht nur im Dienste ihrer Mitmenschen an rücksichtslose Autofahrer. Denn Ingrid Rutkowski hat bereits ihr ganzes Leben festgehalten – auf immerhin 38 Seiten.

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Kommentare (5)

Es täte vielen von uns gut sich wieder auf die von Frau Rutkowski im Artikel angesprochenen Werte zu besinnen. Etwas weniger materiell, dafür mehr menschliche Werte sollten in den Vordergrund rücken. Viele meinen sie brauchen niemanden, weil man heute alles kaufen kann. Oder wenn man jemand braucht, dann um einen Vorteil daraus zu ziehen. Die geben und nehmen Mentalität ist bei vielen Zeitgenossen teils völlig abhanden gekommen, uneigennütziges Handeln fremd. Dafür regieren Missgunst, Neid und materielles Denken. Eine kalte und menschlich armselige Zeit. Schön wenn man hier noch auf Ausnahmen trifft oder von ihnen liest.

Na das ist ja mal ein tolles Hobby. Fährt selbst kein Auto und mast sich an zu entscheiden, wieviel Platz der jeweilige Fahrzeugführer zum einparken braucht.
Da fragt sich bei fehlender Parkmarkierung nur, ob das links oder das rechts stehende Auto zu viel Platz in Anspruch genommen hat. Na hoffentlich stößt die Gute da mal nicht irgendwann auf den Falschen.
Liebe Frau Rutkoski, überlassen Sie doch die Parkraumkontrolle den dafür ausgebildeten "Beamten".
Liebe Nordkurier-Redaktion, verschonen sie uns doch bitte mit solchen Mist. Schickt lieber mal nen Reporter zum recherchieren nach Zinnowitz .

P.S. Das Bild ist allen Anschein nach gestellt, ich kann da beim besten Willen keinen zu großen Abstand zum dahinter stehenden Fahrzeug erkennen.

Ich vermag hier kaum zu erkennen in welcher Form die ältere Dame hier irgendwen anschwärzt bzw. erzieht. Vielmehr versucht sie wohl eher auf Verständnis zu bauen und hinterlässt dabei eine nett gemeinte Botschaft. Dies wohl auch kaum aus Eigennutz, sondern offenbar in dem Glauben Menschen mit dem was sie tut zu erreichen. Aber wenn man es will kann man natürlich auch Denunziantrentum und anderes vermuten. Und mal mit Verlaub an welchen "Falschen" soll die Dame geraten. Die Frau ist weit über 80. Dieser "Falsche" hat dann offenbar nicht mehr alle Latten am Zaun.

Geparkt wird wenn man sich im Stadtbild umsieht oftmals nach der Devise "Hauptsache meine Karre hat Platz" Auch hier wieder der pure Egoismus oder die Menschen lernen heute überhaupt nichts mehr in der Fahrschule. Sollen andere doch zusehen wie sie klarkommen. Da wird die eigene Karre in die Parklücke geschis...en. Hauptsache man hat nach links und rechts 2 Meter Platz.

Ich habe es kontrolliert, wenn ein langes Auto, In der Parktasche steht , passt kein zweites Auto mehr rein. Auch bei zwei kleinen Autos, muss man zirkulieren, um es nicht zu beschädigen.