ENTSORGUNG

Neustrelitzer Klärschlamm soll in Rostock brennen

Die Fäkalienreste aus Neustrelitz werden künftig in Rostock entsorgt. Das haben die Neustrelitzer Stadtvertreter beschlossen. Sie haben sich die Entscheidung aber nicht leicht gemacht.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Was bei der Klärung von Abwasser übrig bleibt, darf nur noch mit großen Einschränkungen auf Äckern verteilt werden. Eine Klärschlamm-Kooperation mehrerer Stadtwerke und Wasserzweckverbände will daher eine zentrale Verbrennungsanlage in Rostock bauen.  (Archivbild)
Was bei der Klärung von Abwasser übrig bleibt, darf nur noch mit großen Einschränkungen auf Äckern verteilt werden. Eine Klärschlamm-Kooperation mehrerer Stadtwerke und Wasserzweckverbände will daher eine zentrale Verbrennungsanlage in Rostock bauen. (Archivbild) Georg Wagner
Neustrelitz.

Neustrelitz lässt seinen Klärschlamm künftig in Rostock verbrennen. Das haben 17 von 24 Stadtvertretern bei ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Sechs Kommunalpolitiker stimmten dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Damit sind die monatelangen Überlegungen, wie die Residenzstadt ihre stinkenden Fäkalienreste loswird, beendet.

Die Entscheidung hatte sich verzögert, weil die Fraktion PuLS/FDP/Grüne vorgeschlagen hatte, den Schlamm im Biomasseheizkraftwerk in Neustrelitz verbrennen zu lassen. Das sei aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht die beste Variante, so die Begründung. Doch die Idee hatte sich nach Prüfung als nicht praktikabel erwiesen.

Angst vor ständigen Preissteigerungen

Zur Diskussion stand auch die Möglichkeit, die Reste aus dem Klärwerk von einem privaten Unternehmen entsorgen zu lassen. Doch dann hätte die Stadt mit ständig steigenden Kosten zu rechnen und keine Sicherheit, langfristig Abnehmer für den Schlamm zu finden, so die mehrheitliche Meinung der Stadtvertreter. „Wir liefern uns nicht einem Privatier aus, der die Preise nach oben treiben kann, die am Ende der Bürger trägt. Das ist ihre Verantwortung“, hatte Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) vor der Abstimmung an die Stadtvertreter appelliert.

Allerdings steht noch nicht fest, ob die Klärschlammverbrennungsanlage in Rostock überhaupt gebaut wird. Bisher hat die Rostocker Bürgerschaft sich nicht entschieden. Die Abgeordneten verschoben die Entscheidung in der vergangenen Woche auf den 5.  März, weil noch zu viele Fragen offen seien. Man wolle sich erst eine solche Verbrennungsanlage in Zürich (Schweiz) anschauen, hatte Ulrich Jacobs, Geschäftsführer der Klärschlamm-Kooperation, mitgeteilt

Oft gesundheitsschädliche Verbindungen enthalten

In der Rostocker Verbrennungsanlage soll der Schlamm von 15 oder mehr Wasserzweckverbänden oder Stadtwerken verbrannt werden. Ziel ist die Rückgewinnung von Phosphor. Gesellschafter sind neben Neustrelitz und Neubrandenburg unter anderem die Stadt Dargun, der Zweckverband Wasser/Abwasser Mecklenburgische Schweiz und der Wasserzweckverband Malchin-Stavenhagen. Parallel dazu arbeitet der Betreiber des Heizkraftwerks, das das Pfanni-Werk in Stavenhagen versorgt, am Bau einer Klärschlammverbrennung.

Klärschlamm ist eine Mischung aus organischen und anorganischen Stoffen, die bei der Abwasserreinigung übrig bleibt. Sie enthält oft gesundheitsschädliche Verbindungen. Lange wurden in Norddeutschland rund zwei Drittel des Klärschlamms als Dünger auf die Felder gebracht. Seit Monaten wollen aber viele Landwirte den Schlamm nicht mehr haben, denn seitdem im Oktober 2017 die neue Klärschlammverordnung in Kraft trat, ist Düngen mit Klärschlamm nur noch mit sehr starken Einschränkungen erlaubt.

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