Kartenspiel-Turnier

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Neustrelitzer mischt bei der Skat-WM mit

So ein Blatt wäre natürlich der absolute Knaller im Turnier. Ein sogenannter Grand Ouvert kommt aber äußerst selten vor, erklärt Andy Kuhnt.
So ein Blatt wäre natürlich der absolute Knaller im Turnier. Ein sogenannter Grand Ouvert kommt aber äußerst selten vor, erklärt Andy Kuhnt.
Tobias Lemke

Andy Kuhnt nimmt an der Weltmeisterschaft im Skat in Berlin teil. Der erfahrene Spieler verrät sogar einen Trick, mit dem er auf dem Turnier gute Chancen hat.

Sobald Andy Kuhnt Kreuz, Pik, Herz und Karo auf der Hand hält, ist er in einem Tunnel. Dann gibt es nur das Spiel. Sein Kopf arbeitet, rechnet, geht Variationen durch. „Ich weiß auch nicht, woran das liegt, aber beim Skat kann ich mich am besten konzentrieren“, sagt der 34-Jährige. Seit diesem Freitag bis zum Sonnabend, 25. August, nimmt er nun erstmals an der Weltmeisterschaft im Skat in Berlin teil.

Seit Andy Kuhnt mit elf Jahren seinen ersten Preisskat erlebt hat, ist er fasziniert vom Spiel. Obwohl, schränkt der Neustrelitzer sogleich ein, es sich beim Skat nicht um ein Glücksspiel, sondern vielmehr um eine Denksportart handele. Beim Poker etwa sei die Abhängigkeit vom Zufall, sprich vom Glück, um ein Vielfaches größer. „Du musst beim Skat viel mehr mitdenken, dir Strategien zurechtlegen und die Karten zählen“, erklärt der Profi. Klar, es komme manchmal auch auf das Quäntchen Glück an.

Darauf verlassen will sich Andy Kuhnt aber nicht. „Ich bin ein offensiver Spieler“, sagt er von sich selbst. Das heißt, er wagt auch das Risiko knapper Spiele, die vielleicht verloren gehen. Am Ende lohne sich die Strategie, wenn bei diesen knappen Spielen die Siege überwiegen.

Psychologie kann das Spiel entscheiden

Nicht zu unterschätzen sei die Psychologie beim Skat. „Das kann spielentscheidend sein“, sagt Kuhnt, der die ersten Runden einer Serie stets zum Analysieren seiner Gegner nutzt. Er versucht dann, die eigene Spielweise je nach Spielertyp seines Gegenübers anzupassen. Der Neustrelitzer steckt seine Karten beim Aufnehmen zum Beispiel nicht um, was viele andere Spieler machen, um einen besseren Überblick über ihr Blatt zu bekommen. Ein Vorteil für Kuhnt: Durch das Umsortieren kann der Gegner mitunter erkennen, welche Trümpfe oder Farben der Gegner auf der Hand hält.

Kuhnt fährt nicht als Unbekannter zur WM. Als 15-Jähriger wurde er Deutscher Juniorenmeister beim Turnier in Rostock, heimste später nochmals einen Vize-Juniorentitel ein und wurde 2015 Vizemeister beim Deutschlandpokal im Erwachsenenbereich. Dazu kommen viele kleinere Turniersiege. Dass er es bisher nicht zur WM geschafft hat, hat einen plausiblen Grund. Das alle zwei Jahre stattfindende Turnier wurde zuletzt in Las Vegas, Südamerika, Polen und auf den Bahamas ausgetragen. „Da braucht man natürlich das nötige Kleingeld um hinzufahren“, sagt Kuhnt.

Deutschland war übrigens 2002 zum letzten Mal Austragungsort der Skat-WM. Auch wenn die Turniere des Internationalen Skatverbands ISPA weltweit stattfinden, so kommen die meisten Spieler aus dem deutschsprachigen Raum sowie zum Teil aus den Nachbarländer Deutschlands. „In Las Vegas gab es daher zum Beispiel nur 300 Teilnehmer, jetzt in Berlin sind 800 gemeldet“, erklärt Kuhnt, dass eine WM im Mutterland des Skats eine besondere Herausforderung darstellt.

Französisches Blatt ist international verbreitet

Gespielt wird auf internationalem Parkett jedoch mit dem französischen Blatt. Die deutsche Variante mit Eichel, Laub, Herz und Schellen sei nur noch in Thüringen und Sachsen verbreitet. Selbst Kuhnt würde damit ganz durcheinander kommen, gesteht er.

Ein spezielles Training hat der Neustrelitzer in den vergangenen Tagen nicht absolviert. Zwei bis drei Mal in der Woche fährt er zu Preisskat-Veranstaltungen, von denen im Nordosten reichlich angeboten werden.

Einen Skatklub oder einen Skatverein wie in Neubrandenburg gebe es nicht mehr in Neustrelitz, bedauert Kuhnt. Sein Fußballverein Victoria Neustrelitz sponsert ihn aber. Der Verein übernimmt die Hotelkosten. Bester Dank dafür wäre wohl das Erreichen der Finalrunde, bei der am Freitag die 16 besten Spieler aufeinander treffen. Die hat Kuhnt auch als sein persönliches Ziel ausgegeben. „Wenn man schon zur WM fährt, will man auch was erreichen“, sagt er.