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Nur einer will Bürgermeister von Hohenzieritz werden

Detlev Köhncke will neuer Bürgermeister der Gemeinde Hohenzieritz werden. Ein heißes Eisen, das er endlich anfassen will, ist das Kruggehöft. Es verfällt.
Detlev Köhncke will neuer Bürgermeister der Gemeinde Hohenzieritz werden. Ein heißes Eisen, das er endlich anfassen will, ist das Kruggehöft. Es verfällt.
H. Sommer

Um diesen Ehrenamts-Job reißt sich in Hohenzieritz offenbar niemand. Doch nun können die Gemeindebewohner aufatmen und am Sonntag ihr Kreuzchen wenigstens hinter einen Namen setzen: Detlev Köhncke will sich zur Wahl stellen.

Ein heißes Eisen will Detlev Köhncke als Bürgermeister sofort anfassen: das Kruggehöft in  Hohenzieritz. Es zerfällt und  wird zunehmend zur Gefahr für  die Anwohner und die zahlreichen Besucher, die sich im Sommer  hier  auf  die Spuren  von Königin Luise  begeben. Die einstige Ausspanne teilt  das  Schicksal  wie  so manch  andere Immobilie in der Region: Nach  anfänglich hochfliegenden Plänen der Besitzer fehlt  nun das Geld für dringende Reparaturen. Dachziegel  lösen  sich, die Fassade bröckelt. Die Besitzer sind schwer zu greifen. Das will Detlev Köhncke so nicht  mehr hinnehmen und  gemeinsam  mit den zuständigen Behörden in der Kreisverwaltung  Druck  machen.

Ganz fremd ist Detlev Köhncke das Bürgermeisteramt, in das er sich am Sonntag  wählen lassen will,  nicht. Immerhin hält er seit dem Rücktritt von Bernhard Utesch die Fäden als amtierender Bürgermeister in der Gemeinde zusammen. Detlev Köhncke gibt aber zu, dass er eine Weile mit sich gehadert  hat, bevor er schließlich den Hut  in den Ring geworfen hat. „Ich weiß, wie viel Zeit dieses Amt  in Anspruch  nimmt. Eigentlich kann  man  das  neben einem Job gar nicht ausüben“, sagt er. Aber nun ist Detlev Köhncke Rentner.

Zusammenhalt im Dorf durch Feste und Arbeitseinsätze

Im September feiert er seinen 65. Geburtstag. Im bisher stressigen Berufsalltag – Köhncke hat  in der Lebensmittelindustrie gearbeitet – war  Hohenzieritz vor allem sein Rückzugsort. „Wir sind 1993 von Neustrelitz hierher gezogen, weil wir die Landschaft mögen und das ungezwungene Landleben schätzen“, sagt er. Seine zwei Kinder sind inzwischen schon lange aus dem Haus. Der Sohn ist dabei, die alte Schule im Ort aufwändig  zu sanieren und lebt dort mit seiner Familie. Die Tochter hat es mit der Familie nach Köln verschlagen.

Mit den Jahren hat sich Detlev Köhnckes  Sicht auf das Dorfleben verändert. „Was ist, wenn man mal nicht mehr so mobil ist. Wenn früher für viele Dorfbewohner Wohn-und Arbeitsort eins waren, der Konsum  vor Ort waren, die Kinder im Dorf ihren Kindergarten und die Schule hatten, die Gemeindeschwester nach dem Rechten sah, Bus und Eisenbahn verkehrten und und und... So waren viele Dinge im Zusammenleben leichter und unkomplizierter zu händeln. Heute haben wir das nicht mehr und müssen uns darauf einstellen.“ Ihm sei es  wichtig, den Zusammenhalt im Dorf wieder mehr zu stärken. Am besten geht das durch gemeinsames Feiern oder Arbeiten.

Viele müssen mitmachen

Detlev Köhncke, der bereits seit zehn Jahren als parteiloser für die Linke im Gemeinderat  sitzt, weiß, dass er als  Bürgermeister nur etwas bewirken kann, wenn die Aufgaben auf viele Schultern verteilt  werden. „Ich bin  sicher, dass  ich die finden werde“, sagt  er. Denn die nachbarschaftlichen Beziehungen im Ort sind gut.  Zur  Gemeinde Hohenzieritz gehören noch die Orte Prillwitz und  Zippelow.