Gut zu Vögeln
Mann stellt Vogelhaus für 68 Familien auf

Fred Bollmann hat ein zwölf Meter hohes Hochhaus für Stare in seinem Garten. Bis zu 68 Brutpaare finden darin Platz.
Fred Bollmann hat ein zwölf Meter hohes Hochhaus für Stare in seinem Garten. Bis zu 68 Brutpaare finden darin Platz.
Heike Sommer

Naturschützer Fred Bollmann hat in seinem Garten ein riesiges Domizil für den Vogel des Jahres gebaut. Bis zu 68 Vogelfamilien finden darin Platz.

Dieses Hochhaus sucht seines Gleichen. Es ist kein Wolkenkratzer im eigentlichen Sinne. Mit seinen zwölf Metern bietet es nur den Bruchteil an Höhe eines seiner Namensvettern. Dennoch stellt der Bau eine absolute Ausnahme dar. Das Haus ist ein Vogelhaus. Der ehrenamtliche Naturschützer Fred Bollmann hat es auf seinem Grundstück in Feldberg errichtet – speziell für Stare.

68 Starenkästen hat der Mann jeweils im Viererpack zusammengeschraubt und übereinandergesetzt. Der Turm ragt nun wie ein Obelisk in den Himmel.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Bauwerk kam ihm Mitte der 1990er-Jahre. Damals ging es ihm darum zu beweisen, dass der Star auch in Kolonien brütet. „Ich hatte den Vogel im Wald beobachtet, wie er an uralten Stämmen die Baumhöhlen zum Brüten nutzte. An einer Buche zählte ich allein vier Starenfamilien“, erzählt Fred Bollmann. So machte sich der Feldberger ans Werk.

Während andere den Star lieber nur aus der Ferne beobachten, weil er als Kirschenfresser verschrien ist, holte sich der naturbegeisterte Fred Bollmann den zu unrecht geschmähten Vogel direkt auf seinen Hof. „Sicher fällt der Star auch über Kirschbäume und im Süden über Weinstöcke her, aber damit mussten die Menschen schon immer klarkommen. Und das sind sie auch. Kirschen und Wein gab’s auch trotz der Stare“, sagt er.

Nie ganz und gar vermietet

Sein Experiment glückte. Die Stare nahmen sein Hochhaus an. Voll vermietet war es allerdings nie. Zwar hat Fred Bollmann nie Buch geführt über seine gefiederten Gäste, aber er weiß, dass im ersten Jahr sieben Paare kamen und ihren Nachwuchs im Hochhaus ausbrüteten.

Um die Jahrtausendwende zählte er dann 32 Brutpaare. „Das war der absolute Rekord, mehr sind es nie geworden“, sagt er. Über all die Jahre kamen zwischen acht und 16 Starenpaare auf den Bollmann‘schen Hof. In diesem Jahr haben sich elf Paare niedergelassen.

Um den ersten Juni herum erwartet der Naturschützer, dass der erste Nachwuchs ausfliegt. „Ich kann in die Höhlen nicht reinschauen. Aber meist haben zwischen vier und sechs Jungvögel den Kasten verlassen“, sagt Bollmann. Zwischen dem 10. und 30. April legen die Altvögel die Eier ins Nest, elf bis 13 Tage wird dann gebrütet. Danach geht die Fütterung los. Bis zu drei Wochen päppeln die Alten ihren Nachwuchs auf. „Da ist hier richtig Betrieb“, sagt Bollmann.