PFLEGE AM BODEN

Pflegepersonal geht auf die Barrikaden

Pfleger demonstrierten auf dem Markt in Neustrelitz. Die Unterstützung aus den eigenen Reihen ließ allerdings zu wünschen übrig.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Pflegekräfte demonstrierten am Mittwoch auf dem Neustrelitzer Markt für bessere Arbeitsbedingungen. Sie hatten allerdings mehr Unterstützung aus den eigenen Reihen erwartet.
Pflegekräfte demonstrierten am Mittwoch auf dem Neustrelitzer Markt für bessere Arbeitsbedingungen. Sie hatten allerdings mehr Unterstützung aus den eigenen Reihen erwartet. Susanne Böhm
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Neustrelitz.

Kranken-, Alten- und Behindertenpfleger aus Neustrelitz und Umgebung haben am Mittwoch auf dem Markt für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Sie forderten gleiche Löhne im Osten und Westen Deutschlands, einen bundesweiten Tarifvertrag, mehr Personal in der Alten- und Behindertenpflege, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Rente ab 63 ohne Abzüge. „Der Pflegeberuf muss endlich aufgewertet werden“, so die Forderung der bundesweiten Initiative „Pflege am Boden”.

„Das Thema geht uns alle an. Entweder haben wir betroffene Angehörige oder wir müssen selbst irgendwann gepflegt werden. Bessere Bedingungen für Pflegekräfte muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein”, sagte Thomas Kowarik vom Kreisverband Der Linken. „Wenn die Politik etwas will, dann ist auch Geld da. Wir müssen dafür sorgen, dass die Verbesserung der Pflege politischer Wille ist. So wie es jetzt läuft, ist es menschenunwürdig für alle Beteiligten.”

Der Beruf ist knüppelhart

Der Pflegeberuf ist knüppelhart, körperlich und psychisch belastend, sagte Ursel Palka, die die Demonstration organisiert hatte. Wer im Schichtbetrieb arbeitet, 100 Kilogramm schwere Männer bewegen oder Demenzkranken alle fünf Minuten das Selbe erklären muss, der sei nach der Arbeit völlig erschöpft. Das könne ein Grund sein, warum die Demonstranten wenig Unterstützung aus den eigenen Reihen erfuhren.

Viele haben Angst

„Die Leute wollen nach Feierabend nur noch nach Hause und sich erholen”, sagte Mitorganisator Tobias Seidel. Auch halte ihre Gutmütigkeit viele Pflegekräfte vom Demonstrieren ab. „Pflegekräfte haben ein Helfersyndrom. Sie gehen erst auf die Barrikaden, wenn es gar nicht mehr geht.” Hinzu komme wohl auch ein Gefühl der Ohnmacht. „Viele denken, das bringt ja eh nichts.” Nicht zuletzt blieben viele aus Angst vor negativen Reaktionen ihres Arbeitgebers der Demo fern, vermutete Ursel Palka. „Als ich in den Einrichtungen für unsere Aktion Klinken geputzt habe, musste ich selbst erleben, wie ablehnend einige Chefs reagierten.”

In der Einrichtung, in der sie selbst arbeitet, habe sich nach der ersten Demo in Neustrelitz im September 2018 schon einiges verbessert. „Es tut sich eine ganze Menge. Die Kollegen sind gerade dabei, einen Tarifvertrag zu verhandeln.” Nun müsse sich auch die Bundespolitik in Bewegung setzen.

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