VERFÜHRUNG

Plakataktion soll junge Berliner nach Neustrelitz locken

Mit günstigen Mieten, intakter Natur und kurzen Wegen wird den Großstädtern der Umzug an die Seenplatte schmackhaft gemacht.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Auf Großplakaten werden in Berlin die Vorzüge vom Leben in Neustrelitz angepriesen.
Auf Großplakaten werden in Berlin die Vorzüge vom Leben in Neustrelitz angepriesen. Matthias Schütt
Neustrelitz.

Neustrelitz hat alles, was eine Stadt braucht. Nur junge Menschen fehlen. Um das Wohlfühlklima perfekt zu machen, junge Familien nach Neustrelitz zu locken, streckt die Stadt nun verstärkt ihre Fühler nach Berlin aus und hat eine Werbekampagne in der Hauptstadt gestartet. An S-Bahnhöfen stehen Großplakate, in den Zügen hängen kleinere. Mit Slogans wie „Schöner wohnen kann so günstig sein. Knapp 1 Stunde von Berlin“ und idyllischen Ansichten von Stadt und Umland werden die Berliner neugierig auf Neustrelitz und auf die Internetseite www.neustrelitz-ist.net aufmerksam gemacht.

Der Plan scheint aufzugehen. Die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft (Neuwo) registrierte in der vergangenen Woche noch 900 Zugriffe auf ihrer Homepage, in dieser Woche sind es schon mehr als 3000. „Die Aktion kommt allen Neustrelitzer Wohnungsgesellschaften und natürlich auch den privaten Vermietern zugute“, betont Neuwo-Geschäftsführer Falko Herschel. Wer erst einmal auf die Stadt in der Mecklenburgischen Seenplatte aufmerksam geworden ist, schaue schließlich auch nach anderen Angeboten.

Bald gibt es eine neue Runde mit Plakaten

Wie viele Mietverträge durch die Hauptstadt-Werbung zustande kommen, sei noch nicht absehbar. Dafür laufe die Kampagne noch nicht lange genug. In der kommenden Woche starte eine neue Runde mit neuen Plakaten. Dann sei mit noch mehr Interesse zu rechnen. Wird Neustrelitz jetzt der Speckgürtel von Berlin? „Das ist es längst“, sagt Falko Herschel. „Nicht nur Neustrelitz, auch das Umland ist Speckgürtel. In Dörfern wie Klein Trebbow sind vermutlich 50 Prozent der Einwohner Berliner. Auch wir haben einige Mieter aus Berlin. In dem Block in Kiefernheide, in dem es vor ein paar Wochen gebrannt hat, lebt zum Beispiel auch eine Familie aus Berlin. Die Berliner sind schon hier. Wir wollen das nur verstärken.“ Es seien die vergleichsweise günstigen Mieten, die die Großstädter überzeugen, aber auch Ruhe und Natur wüssten viele zu schätzen. „Die Neustrelitzer Bevölkerung ist überaltert. Wir brauchen den Zuzug junger Leute“, sagt Falko Herschel.

So gut wie keinen Leerstand in der Innenstadt

In der Innenstadt gebe es so gut wie keinen Leerstand, in ungünstigen Lagen hingegen schon. Auffällig sei, dass viele Mieter keine Treppen mehr steigen wollen. „Nicht einmal mehr in den dritten Stock, auch junge Leute nicht. Die Berliner haben kein Problem damit.“ Er ist zuversichtlich, dass die Kampagne Früchte trägt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn Berlin platzt aus allen Nähten, die Mieten steigen und die Werbung weckt Lust, aufs Land zu ziehen.

„Hier ist Ihre neue Hauptstadt“, heißt es auf der raffiniert gemachten Internetseite. Neben Seenvielfalt, Nationalpark und Weltnaturerbe, Sport- und Freizeitangeboten und Kultur werden Kitaplätze, Schulen, schnelles Internet und kurze Wege ins Feld geführt. Und das zu Preisen, von denen viele Berliner nur träumen können. Wer kann solchen Argumenten widerstehen?

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Kommentare (1)

In Neustrelitz gibt es kaum Leerstand bei attraktiven Wohnungen. Vielleicht in Kiefernheide, aber hier wird wohl kaum eine Berliner Familie hinziehen wollen. Stattdessen wird hier versucht die Nachfrage anzukurbeln um anschließend höhere Mieten durchsetzen zu können. Selbst jetzt wird zu einem nicht unerheblichen Teil für Menschen mit dickem Geldbeutel aus den Ballungszentren Hamburg und Berlin gebaut. Teilweise forcieren Vermieter - sogar städtische - genau diese Klientel. Warum wohl, um auch in Neustrelitz den Mietspiegel für den Durchschnittsverdiener zu versauen oder Baugrundstücke zu überzogenen Presien unter die Leute zu bringen. Es wird Zeit, dass die bereits existierende Immobilienblase platzt.