NEUES GESETZ IM REALITÄTSCHECK

Praxis-Pläne des Bundes verpuffen in der Region

Ein neues Gesetz soll den Patienten kürzere Wartezeiten ermöglichen. Doch die Pläne gehen an der Realität auf dem Land vorbei.
Robin Peters Robin Peters
Auch im Ärztehaus in Neustrelitz-Kiefernheide wird das Gesetz für Aufruhr gesorgt haben.
Auch im Ärztehaus in Neustrelitz-Kiefernheide wird das Gesetz für Aufruhr gesorgt haben.
Neustrelitz.

Die angepriesenen Verbesserungen für Patienten durch das „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ (TSVG) werden im Strelitzer Land wohl weitgehend verpuffen. Denn die von Gesundheitsminister Jens Spahn versprochenen zusätzlichen Sprechstunden ohne Termin haben die vielen ohnehin überlasteten Ärzte in der Region schon seit Jahren auf dem Zettel – also lange vor der Verordnung.

„Es wird sich überhaupt nichts ändern“ sagt Annette Jess, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten aus Woldegk. Jeden Tag würde in ihrer Praxis bereits zusätzliche Zeit für akute Fälle eingeplant werden. Eigentlich müsste der Gesundheitsminister die Leistungen der vergangenen Jahre dann rückvergüten. „Wir sind viel zu wenig Hautärzte in der Region“, sagt Jess.

Schon seit Jahren praktiziert

Ein ähnliche Einschätzung trifft Kerstin Aßmann aus Neustrelitz: „Wir haben schon längst selbst organisiert, dass wir auch Zeit für Patienten haben, die einen akuten Notfall haben.“ Das praktiziere die Augenärztin aus Neustrelitz schon seit vielen Jahren. „Für uns ist das nicht Neues“, sagt Aßmann.

Auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern kann sich noch mehr Behandlungszeit in den Arztpraxen schwer vorstellen: „Wie die Ärzte, die ihren Mittwochnachmittag bei Hausbesuchen verbringen, diese Stunden noch aufbringen sollen, ist unklar“, sagt Sprecherin Katarina Sass. Schließlich würden sich die Mediziner nicht auf Golfplätzen die Zeit vertreiben. Die Ärztekammer habe sich daher entschieden gegen einzelne Punkte des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) gestellt.

So gehen die Zielvorstellungen des Ministerium offenbar weit an der Lebensrealität vorbei: Das Terminservice- und Versorgungsgesetz sieht unter anderem vor, dass das Sprechstundenangebot von Ärzten mindestens 25 Stunden pro Woche betragen soll. Dafür würden die Mediziner entsprechend entschädigt werden. Bestimmte Fachärzte wie Augenärzte müssten künftig mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde anbieten.

Weniger Bürokratie wäre bessere Lösung

Damit lasse sich laut Gesundheitsminister Spahn die Wartezeit für Patienten verkürzen. Doch das ist ein Problem, hieß es von der Ärztekammer: „Schon vor Verabschiedung des Gesetzes war klar, dass die niedergelassenen Ärzte bereits jetzt bis zu 50 Stunden und mehr in der Woche arbeiten“, sagt Sprecherin Katarina Sass.

Dem Allgemeinmediziner Helmut Buchholz aus Neustrelitz zufolge würden sich Probleme wie lange Wartezeiten ohnehin besser mit einer ganz anderen Herangehensweise bewältigen lassen: „Es ist lösbar, indem man Ärzte wieder mehr mit medizinischen Aufgaben beschäftigt“, sagt Buchholz. Denn etwa ein Drittel der Arbeitszeit müsse sich der Mediziner mit Bürokratie und rechtlichen Fragen herumschlagen.

StadtLandKlassik - Konzert in Neustrelitz

zur Homepage