Messerattacke in Hamburg

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Prozess um Mord an Neustrelitzerin dauert länger

Ein Ende des Prozesses um die tödliche Messerattacke auf eine aus Neustrelitz stammende 34-Jährige und ihre kleine Tochter an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg noch in diesem Jahr ist fraglich.
Ein Ende des Prozesses um die tödliche Messerattacke auf eine aus Neustrelitz stammende 34-Jährige und ihre kleine Tochter an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg noch in diesem Jahr ist fraglich.
Daniel Bockwoldt

Ein 34-Jähriger soll seine Ex-Partnerin und seine kleine Tochter auf dem Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg ermordet haben. Seit zwei Monaten muss er sich vor Gericht verantworten.

Ein Ende des Prozesses um die tödliche Messerattacke auf eine aus Neustrelitz stammende 34-Jährige und ihre kleine Tochter an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg noch in diesem Jahr ist fraglich. Grund ist ein weiterer Antrag des Verteidigers. Er halte den psychiatrischen Sachverständigen für befangen, erklärte der Anwalt am Mittwoch vor dem Landgericht Hamburg. Das Gericht will den Gutachter nun bitten, zu den Vorwürfen des Verteidigers Stellung zu nehmen.

Der Prozess begann im Oktober und wird am 12. Dezember fortgesetzt, dann könnten die Richter eine Entscheidung zu dem neuen Antrag verkünden. Das Gericht legte aber bereits einen weiteren Verhandlungstag am 17. Dezember fest und bat alle Beteiligten, vorsorglich nach möglichen weiteren Terminen im Januar zu schauen. Dem Angeklagten aus dem westafrikanischen Niger wird vorgeworfen, seine Ex-Partnerin und die gemeinsame Tochter vor den Augen zahlreicher Passanten mit einem Messer getötet zu haben. Der 34-Jährige hatte das Verbrechen gestanden. Laut Anklage war Hintergrund der Tat ein Sorgerechtsstreit mit der ursprünglich aus Neustrelitz stammenden Frau, die seit 2014 in Hamburg lebte.

Der Anwalt des Angeklagten monierte, das Gutachten des Psychiaters habe zu große Ähnlichkeit mit einer Untersuchung des Experten in einem anderen Fall. „Es liest sich wie eine Blaupause“, lautete sein Vorwurf. Ein anderer Psychiater solle deshalb ein Gutachten anfertigen. Der Verteidiger ist überzeugt, dass dieser die Tat dann als Affektdelikt ansehen werde und somit eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen werde – und damit zu einem anderen Schluss komme als der bisherige Experte.

Bluttat löste bundesweit Betroffenheit aus

Einen ähnlichen Antrag der Verteidigung, zusätzlich noch einen Psychologen zu der Frage zu hören, ob es sich nicht doch um eine Affekttat gehandelt haben könnte, hatten die Richter am Mittwochmorgen zurückgewiesen.

Die Bluttat hatte im April bundesweit Betroffenheit ausgelöst. Nach der Attacke auf dem belebten S-Bahnsteig starb das Kind noch am Tatort, die Frau erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Erst im Verlauf des Gerichtsverfahrens wurde bekannt, dass die Frau ursprünglich aus Neustrelitz stammte.

Der 34-Jährige gehörte zu einer Gruppe von Migranten aus Afrika, die in Hamburg „Lampedusa-Gruppe“ genannt wird – diese Migranten kamen 2013 über die Mittelmeerinsel zunächst nach Italien. Eine befristete Aufenthaltsgenehmigung war dem Angeklagten laut Behörden nach Bestätigung der Vaterschaft erteilt worden.