GOLDSTÜCK

Restaurierter Flügelaltar ab Himmelfahrt im Mirower Kirchturm zu sehen

Der Kirchturm auf der Mirower Schlossinsel kann zur Wiedereröffnung der Museen ein wertvolles neues Exponat präsentieren: einen mehr als 500 Jahre alten Flügelaltar.
Aus der ersten Zirtower Dorfkirche gibt es nicht mehr viele Zeugnisse. Der Bau verschwand nach dem Dreißigjährigen
Aus der ersten Zirtower Dorfkirche gibt es nicht mehr viele Zeugnisse. Der Bau verschwand nach dem Dreißigjährigen Krieg. Erhalten blieb dieser vorreformatorische Flügelaltar, der nach langer Zeit nun wieder öffentlich zu sehen ist. Hartwig Grählert
Mirow.

Lange Zeit war Funkstille. Ein Marienaltar aus der alten Dorfkirche von Zirtow wurde ausgerechnet vor der turbulenten Wendezeit in die Hände eines Restaurators gegeben, der anschließend andere Sorgen hatte als die Arbeit an dem Schrein. Mirows ehemaliger Pastor vermutete den Altar schon längst in einer anderen Kirche des Landes. Doch nun ist die 500 Jahre alte Kunsthandwerkerarbeit zurückgekehrt und wird im Johannitermuseum auf der Schlossinsel in Mirow ausgestellt.

Dorfkirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut

„Unser Museum ist um ein sehr wertvolles Exponat reicher geworden“, sagt Hartwig Grählert. Der Vorsitzende vom Kirchturmverein und Mirows ehemaliger Pastor Joachim Thal kennen die ganze Geschichte hinter der Rückkehr des neuen Ausstellungsstücks. Demnach wurde um 1500 ein Marienaltar in der Form eines kleinen Flügelaltars in die Zirtower Kirche eingebaut. Das Dorf gehörte seit 1273 zur Johanniterkomturei Mirow und wurde im Dreißigjährigen Krieg bis auf die Kirche komplett zerstört.

Da das Dorf anschließend an anderer Stelle neu aufgebaut wurde, wurde die alte Kirche dem Verfall preisgegeben. Die heutige Dorfkirche stammt von 1755. Der vorreformatorische Flügelaltar fand seinen Platz an einer Seitenwand und später nach ersten Restaurationsarbeiten im Gemeinderaum des Mirower Pfarrhauses.

Ab Mitte der 1970er Jahre sei mehrmals eine Gruppe von drei musizierenden Studenten in der Kirchgemeinde Mirow zu Gast gewesen. „Die Leitung dieser Gruppe lag in den Händen des Kunststudenten Andreas Wachter, dem wir die Pietà in unserem Gemeinderaum verdanken“, erinnert sich Joachim Thal. Der Marienaltar habe Wachter sehr interessiert. Er regte die Fortsetzung der Restaurierung an und bot später an, sich in seinem neuen Umfeld als Kunstmaler in Sachsen zu kümmern. Auf einen Zeitplan habe er sich nicht festlegen können. „Doch wir vertrauten ihm gern den Altar an“, erzählt Thal. Dass danach sowohl in Mirow als auch bei Andreas Wachter mit den Entwicklungen der Wendezeit andere Prioritäten gesetzt wurden, konnte zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen.

Plötzlich stiegen die Kosten enorm an

In Kontakt kamen beide Seiten erst wieder in den 2000er Jahren. Wachter konnte mitteilen, dass inzwischen die Arbeiten am Altar begonnen hatten. Einen neuen Schrein aus altem Holz hatte ein Leipziger Restaurator angefertigt, die Ausstattung mit Blattgold erfolgte durch einen Restaurator aus Grimma. Natürlich seien nun auch die Kosten auf einige Tausend Euro angestiegen, hieß es. Wenn die Kirchgemeinde Mirow für den Nebenaltar einer Dorfkirche nicht solch einen Betrag ausgeben möchte, wären andere Kirchgemeinden in Mecklenburg bereit, ihn als Hauptaltar in ihrer Gemeinde zu übernehmen.

„Im vorigen Sommer rief mich Andreas Wachter an mit der Ankündigung, dass er nun eine Lösung gefunden hatte“, berichtet Thal. Er wolle die Restaurierung sponsern, so die frohe Botschaft. Ende August kam Wachter nach Mirow und erklärte bei einer gemütlichen Kaffeerunde mit Pastor und dem Kirchturmvereinsvorsitzenden, dass er mit einigen Leistungen als Kunstmaler den Restauratoren entsprechende Gegenwerte geschaffen habe. Im Turm der Mirower Johanniterkirche hat der Marienaltar nun einen würdigen Platz gefunden.

Das Museum öffnet für ein verlängertes Wochenende wieder am Himmelfahrtstag. Vom 21. bis zum 24. Mai ist in der Zeit 11 bis 17 Uhr ein Besuch mit Kirchturmbesteigung möglich. Die reguläre Öffnungszeit beginnt wegen der Corona-Situation am 30. Mai. Voraussichtlich bis Ende Oktober ist dann täglich.

 

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